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26.01.2009

10:12 Uhr

Chiphersteller Qimonda

Der Schlüssel zur Welt ist abgebrochen

VonJoachim Hofer

Qimonda ist pleite. Die Fehler der Vergangenheit haben den Chiphersteller eingeholt, rund 12 000 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs. Zusammen mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter arbeitet der Konzern nun an einem Rettungskonzept - vorrangiges Ziel ist die Verwirklichung dringender Investitionen.

Qimonda-Chef Kin Wah Loh präsentiert den Chiphersteller 2006 stolz an der New Yorker Börse. Jetzt droht das Aus. Foto: ap ap

Qimonda-Chef Kin Wah Loh präsentiert den Chiphersteller 2006 stolz an der New Yorker Börse. Jetzt droht das Aus. Foto: ap

MÜNCHEN. Die Silbe "Qi" stehe in Asien für "atmende und fließende Energie", sagte Qimonda-Vorstandschef Kin Wah Loh, als er im Frühjahr 2006 das neue Unternehmen der Öffentlichkeit präsentierte. Im westlichen Kulturkreis sei "die Interpretation als ?Schlüssel zur Welt? (key-monda) offensichtlich". Die blumige Namensgebung hat nichts genützt: Am Freitag musste der gebürtige Malaysier die Insolvenz des Speicherchip-Herstellers anmelden. Der Schlüssel, so viel steht fest, ist abgebrochen. Loh konnte die Pleite nicht mehr abwenden, nachdem Verhandlungen über ein staatliches Rettungspaket gescheitert waren.

Und die Pleite trifft auch den Mutterkonzern Infineon. Durch die Notlage seines Ablegers drohen dem tief in der Verlustzone steckenden Halbleiterkonzern nach Informationen des Magazins "Spiegel" und der DPA weitere Belastungen für Abfindungen, Kartellverfahren und die Rückzahlung von öffentlichen Fördermitteln. "Die Belastungen treffen uns, sie sind aber nicht bedrohlich", sagte ein Infineon-Sprecher. Der Konzern werde einen niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag zurückstellen. Analysten schätzen den Schaden auf bis zu 280 Mio. Euro. Vor allem durch die hohen Verluste bei Qimonda war das Eigenkapital im vergangenen Geschäftsjahr um mehr als die Hälfte auf nur noch knapp zwei Mrd. Euro geschrumpft.

Bei Qimonda bangen jetzt 12 000 Mitarbeiter um ihre Jobs. Der Konzern begründete die Insolvenz mit dem massiven Preisverfall von Speicherchips, den sogenannten Drams. Diese elektronischen Bauteile werden etwa in Computer und Spielekonsolen eingebaut. Zudem sei es wegen der Rezession nicht mehr gelungen, neues Kapital zu beschaffen oder einen Investor zu finden.

Das stimmt zwar, ist nach Ansicht der Analysten von I-Suppli aber nur die halbe Wahrheit. Das Unternehmen wird jetzt für viele Fehler der Vergangenheit bestraft. Dass Qimonda das Geld ausgegangen sei, liege auch an der veralteten Konstruktion seiner Chips, die das Unternehmen in der sogenannten Trench-Technik fertigte. Ein neues, wesentlich günstigeres Verfahren konnte die Firma aber nicht rechtzeitig zur Serienreife bringen. Deshalb habe Qimonda zuletzt teurer produziert als die Konkurrenz. Angesichts der extrem niedrigen Preise war das tödlich. Auch weil die Fabriken von Qimonda kleiner sind als die der meisten Wettbewerber, war die Herstellung zuletzt unwirtschaftlich.

Doch schon vor Jahren hat das Management schwere Fehler gemacht. So scheute das Infineon-Management jahrelang - auch wegen des öffentlichen Drucks von Gewerkschaften und Beschäftigten - einen Verkauf der unrentablen Speichersparte, obwohl es Angebote gab. Andere Halbleiterfirmen waren da weitsichtiger: Weltmarktführer Intel hat das schwierige Dram-Geschäft bereits vor Jahrzehnten abgegeben.

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