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04.05.2017

11:50 Uhr

Chiphersteller wächst kräftig

Autosparte schiebt Infineon an

VonJoachim Hofer

Infineon ist glänzend ins neue Jahr gestartet. Deutschlands größter Halbleiterproduzent konnte dank eines guten Autogeschäfts Umsatz und Gewinn kräftig steigern. Die Börse reagiert dennoch kühl auf die Zahlen.

Der Halbleiterhersteller steigerte seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent. dpa

Infineon

Der Halbleiterhersteller steigerte seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent.

MünchenBei Infineon läuft es rund, und das liegt vor allem am Autogeschäft. Die mit Abstand größte Sparte des Chipherstellers ist im zweiten Quartal des Geschäftsjahrs kräftig gewachsen. Zwischen Januar und Ende März ist der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozent auf 783 Millionen Euro in die Höhe geschossen. Vor allem Halbleiter für Fahrerassistenzsysteme, sowie für Hybrid- und Elektroautos seien gefragt gewesen, teilten die Münchener am Donnerstag mit. Die Auto-Division steht für mehr als 40 Prozent vom Konzernumsatz.

Insgesamt sind die Erlöse im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent auf knapp 1,8 Milliarden Euro gestiegen. Auch die operative Marge fiel mit 16,8 Prozent deutlich besser aus als im selben Zeitraum 2016. Der Gewinn kletterte um elf Prozent auf 199 Millionen Euro.

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„Unsere Geschäfte laufen derzeit ausgezeichnet“, betonte Vorstandschef Reinhard Ploss am Morgen in einer Telefonkonferenz. Bis auf den Bereich Chipkarten seien alle Divisionen gewachsen. Der Manager ergänzte: „Die Auftragslage ist hervorragend.“

An der Börse allerdings kamen die Quartalszahlen gar nicht gut an. Mit einem Minus von fast zwei Prozent gehörte Infineon zu den größten Verlieren im Dax. Das hatte mehrere Gründe. So hatten viele Analysten mit guten Zahlen vorab gerechnet, und sich womöglich noch bessere Ergebnisse erwartet. „Die starke Entwicklung im zweiten Quartal hatte sich abgezeichnet“, heißt es etwa bei der DZ Bank.

Dazu kommt: Binnen Jahresfrist ist der Kurs um fast die Hälfte geklettert, seit Jahresbeginn beträgt das Plus etwa 15 Prozent. Börsianer machten daher auch Gewinnmitnahmen für den Kursverfall verantwortlich. Zudem waren manche von der Prognose enttäuscht. Der Ausblick für das dritte Quartal liege niedriger als erwartet, schrieben die Analysten von Baader Helvea.

Insgesamt jedoch sieht es gut aus. Die gesamte Halbleiterbranche wird dieses Jahr ein kräftiges Wachstum verbuchen. Die Marktforscher von Gartner rechnen mit einem Umsatzplus von gut zwölf Prozent auf 386 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Letztes Jahr stiegen die Erlöse weltweit lediglich um 1,5 Prozent.

Die größten Chiphersteller der Welt

Intel

Mit einem Umsatz von rund 50 Milliarden Dollar ist Intel der mit Abstand größte Chiphersteller der Welt. Seit fast einem Vierteljahrhundert führt Intel die Rangliste nun schon an. Der Konzern aus dem Silicon Valley lebt vor allem von seinen Prozessoren. Sie sind das Gehirn eines jeden Rechners. Die Halbleiter des Unternehmens stecken insbesondere in PCs, Notebooks und Servern. Im Geschäft mit Smartphones konnte Intel nie so recht Fuß fassen. Alles in allem erreicht Intel auf dem Halbleitermarkt einen Anteil von mehr als 15 Prozent.

Samsung Electronics

Die Chipsparte des koreanischen Elektronikkonzerns ist nach Intel weltweit die Nummer zwei und kommt den Experten von Gartner zufolge auf gut elf Prozent Markanteil. Die Asiaten sind vor allem stark in Speicherchips. Samsung beliefert unter anderem auch Apple. Halbleiter sind freilich nur ein Geschäft von vielen von Samsung Electronics. Die Koreaner liefern auch viele andere elektronische Bauteile sowie Waschmaschinen, Smartphones, Fernseher und sogar Kühlschränke und Staubsauger.

SK Hynix

Der zweite große südkoreanische Halbleiteranbieter heißt SK Hynix und liegt in der Weltrangliste auf Platz drei. Der Umsatz: Mehr als 16 Milliarden Dollar. SK Hynix produziert insbesondere Speicherchips und wurde in der Vergangenheit vom Staat gestützt, um eine Insolvenz abzuwenden. Als einer der ganz wenigen großen Chipkonzerne ist SK Hynix 2015 gewachsen.

Qualcomm

In der Öffentlichkeit ist Qualcomm zu gut wie unbekannt, doch in der Halbleiterbranche sind die Kalifornier die Nummer vier mit zuletzt rund 16 Milliarden Dollar Umsatz. Die Firma liefert vor allem Chips für Smartphones. So stark ist Qualcomm auf diesem Feld, dass der Konzern wiederholt mit den Kartellämtern Probleme hatte. Das Unternehmen betreibt keine eigenen Fabriken sondern lässt alle seine Chips in sogenannten Foundries fertigen. Zudem verdient Qualcomm an Lizenzgebühren, weil jeder Handyhersteller auf geistiges Eigentum der Amerikaner zurückgreifen muss. 2015 war jedoch kein gutes Jahr für Qualcomm, der Umsatz ist kräftig gefallen. Mit einem Kurseinbruch von einem Drittel lief es auch auf dem Parkett alles andere als rund.

Micron Technology

Der US-Konzern arbeitet eng mit Intel zusammen und steht auf Rang fünf der Umsatzrangliste der Halbleiterindustrie. Zuletzt lagen die Erlöse bei rund 14,5 Milliarden Dollar. Micron verkauft hauptsächlich Speicherchips. Gemeinsam mit Intel hofft Micron derzeit auf eine ganz neue Generation an Speicherchips. Die neuen Chips sollen 1000 Mal schneller sein als die derzeit gebräuchlichen NAND-Speicherchips. Gleichzeitig können die fortschrittlichen Halbleiter zehn Mal mehr Daten fassen als die herkömmlichen Arbeitsspeicher, die sogenannten DRAMs. Im Gegensatz zu den DRAM-Chips, und ähnlich wie bei NAND, gehen die Informationen bei der neuen Technik nicht verloren, wenn der Strom erlischt. NAND hat in den vergangenen Jahren in vielen Rechnern die Festplatten verdrängt und wird jetzt womöglich selbst durch die neue Technik abgelöst. Intel und Micron haben die neue Technik 3D Xpoint genannt.

Texas Instruments

Vielen Menschen ist der US-Konzern vor allem wegen der Taschenrechner ein Begriff. Dabei lebt Texas Instruments vor allem von Chips und gilt als einer der verlässlichsten und über Jahrzehnte hinweg profitabelsten Anbieter. Der Umsatz lag zuletzt bei gut elf Milliarden Dollar, damit rangiert die Firma auf Platz sechs der Weltrangliste.

Toshiba Semiconductor

Der größte japanische Chiphersteller kam zuletzt auf Erlöse von 8,5 Milliarden Dollar, das reicht für Platz sieben in der Weltrangliste. Der Marktanteil beträgt fast drei Prozent.

Broadcom

Der US-Konzern ist der große Wettbewerber von Qualcomm im Geschäft mit Handychips und liegt auf Platz acht der größten Halbleiterhersteller. Allerdings wird es Broadcom nicht mehr lange geben. Arvago schluckt den Konkurrenten gerade und gibt dafür die Rekordsumme von 37 Milliarden Dollar aus. So viel wurde in der Industrie noch nie bei einer Übernahme auf den Tisch gelegt.

ST Microelectronics

Bislang der größte europäische Halbleiterhersteller, doch diese Position wird der Konzern nicht mehr lange behalten. Der Grund: NXP aus Eindhoven hat Ende 2015 den amerikanischen Rivalen Freescale übernommen und ist wird damit vom Umsatz her an ST Microelectronics vorbei ziehen. Das französisch-italienische Unternehmen ST Microelectronics erreichte zuletzt einen Jahresumsatz von fast sieben Milliarden Euro, das ergab den Marktforschern von Gartner zufolge Platz neun. Die Firma mit Hauptsitz in Genf beliefert zahlreiche Industrien, tut sich aber seit Jahren wirtschaftlich schwer. Eine Bürde ist die Historie, weil es viele Standorte in den beiden Ursprungsländern Frankreich und Italien gibt.

Infineon

Der wichtigste deutsche Chipproduzent und der einzige Hersteller hierzulande in den Top-ten der Branche. Die Münchener sind 2015 um rund ein Drittel gewachsen, vor allem aufgrund der Übernahme des US-Rivalen International Rectifier. Auch an der Börse lief es vergangenes Jahr prächtig, mit einem Kursplus von gut 50 Prozent gehörte die ehemalige Siemens-Sparte zu den größten Gewinnern im Dax. Infineon wird seinen Platz unter den zehn größten Herstellern vermutlich bald verlieren, weil der holländische Wettbewerber NXP den amerikanischen Rivalen Freescale jüngst geschluckt hat.

Autor: Joachim Hofer

Auch für das laufende dritte Quartal sowie das gesamte Geschäftsjahr, es endet am 30. September, ist Vorstandschef Ploss zuversichtlich. Der Ingenieur hat erst Ende März seine Ziele für das laufende Geschäftsjahr erhöht. Die Erlöse sollen nun um acht bis elf Prozent zulegen und die Umsatzrendite bei etwa 17 Prozent liegen. Zuvor hatte der Chipkonzern ein Umsatzplus von maximal acht Prozent und eine operative Marge von 16 Prozent erwartet.

Allerdings war die Freude in der Infineon-Zentrale im Süden von München zuletzt getrübt. Die US-Behörden haben zu Jahresbeginn eine Übernahme in den USA verhindert. Infineon wollte den US-Halbleiterspezialisten Wolfspeed für 850 Millionen Euro kaufen. Doch die Aufseher machten Sicherheitsbedenken geltend, sodass der Deal letztlich nicht zustande kam. Wolfspeed sollte Infineon neues, wichtiges Know-how bringen.

Die meisten Analysten gehen indes davon aus, dass sich der Kurs schon bald wieder erholen wird und die Infineon-Aktien in den nächsten Monaten weiter an Wert gewinnen. Das Analysehaus Kepler Cheuvreux hat seine Kaufempfehlung am Donnerstagmorgen bekräftigt. Die Banker rechnen mit einem Kursplus von rund 15 Prozent binnen Jahresfrist.

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