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07.01.2009

17:49 Uhr

Chipindustrie

Umsatzeinbruch bei Intel

VonJoachim Hofer

Der Chiphersteller Intel schockt die ganze IT-Branche: Das Geschäft des Weltmarktführers ist vor Weihnachten um ein Viertel eingebrochen. So schnell ging es nicht einmal nach dem Platzen der Internetblase 2001 bergab.

MÜNCHEN. Bis jetzt galten die Autoproduzenten als die großen Verlierer der Rezession. Seit gestern ist klar: Den Unternehmen der IT-Branche geht es nicht besser. Darauf deuten zumindest die jüngsten Quartalszahlen von Intel hin. Der Umsatz sei im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Viertel auf nur noch 8,2 Mrd. Dollar eingebrochen, teilte der weltgrößte Chiphersteller gestern überraschend mit. Da in rund 80 Prozent aller Rechner rund um die Erde Halbleiter von Intel eingebaut werden, gilt der Konzern als verlässlicher Indikator für den Zustand der IT-Industrie.

Die Nachfrage habe sich erneut abgeschwächt, begründete der Konzern aus dem Silicon Valley das enttäuschende Geschäft. Im vergangenen November hatte das Unternehmen seine Prognose schon einmal kräftig gesenkt. Zum Gewinn machte Intel gestern keine genauen Angaben. Die Bruttomarge werde allerdings am unteren Ende der bisherigen Erwartungen liegen.

Zusätzlich gedrückt werde das Ergebnis aus Belastungen von bis zu 1,2 Mrd. Dollar durch Beteiligungen an anderen Unternehmen. Der Grund sei unter anderem der deutlich gesunkene Wert dieser Gesellschaften. Die detaillierten Zahlen für das vergangene Quartal und das gesamte Jahr 2008 will der Konzern am Donnerstag nächster Woche vorlegen.

Besonders bedrohlich ist, dass der Einbruch noch schärfer ausfällt als 2001. Nach dem Ende des Internet-Booms waren die Erlöse von Intel im vierten Quartal um ein Fünftel zurück gegangen. Es folgte die bislang schwerste Krise für die erfolgsverwöhnte IT-Branche. Intels langjähriger Rivale AMD hat bereits Anfang Dezember ein Umsatzminus für das Jahresende von etwa 25 Prozent angekündigt.

Angesichts der schwachen Zahlen ging die Intel-Aktie gestern im frühen Handel in New York knapp sechs Prozent auf 14,50 Dollar in die Knie. Das Papier war damit der größte Verlierer im Dow-Jones-Index. Der Kurs von AMD lag ebenfalls deutlich im Minus. Auch andere große IT-Werte wie IBM oder Hewlett-Packard kamen an der Wall Street unter Druck.

Normalerweise ist das vierte Quartal wegen des Weihnachtsgeschäfts das stärkste des ganzen Jahres. Doch angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise machten die Kunden zuletzt offenbar einen großen Bogen um die Elektronikläden.

Wie sehr sich die Konsumenten zurückgehalten haben, beweisen die Prognosen von Intel: Im Oktober hatte der Konzern für das Jahresende noch einen Umsatz zwischen 10,1 und 10,9 Mrd. Dollar in Aussicht gestellt. Das entsprach ungefähr dem Niveau des Vorjahrs von 10,7 Mrd. Dollar. Im November versprach Intel-Chef Paul Otellini dann nur noch 8,7 bis 9,3 Mrd. Dollar. Jetzt konnte der Manager nicht einmal das erreichen. Die Analysten hatten zuletzt im Schnitt mit 8,8 Mrd. Dollar gerechnet.

Bis jetzt liegen keine Verkaufszahlen für die Computerbranche im vierten Quartal vor. Doch die Intel-Ergebnisse deuten auf einen scharfen Einbruch hin. Zum Vergleich: Noch im dritten Quartal gingen weltweit nach Angaben von I-Suppli rund 15 Prozent mehr Notebooks und PCs über die Ladentheken als im Jahr zuvor. Allerdings sagt die verkaufte Menge noch nichts über den Umsatz aus, da zuletzt vor allem die günstigen Netbooks beliebt waren. Für das neue Jahr prognostizierte I-Suppli kurz vor Weihnachten noch ein Plus in den Stückzahlen von rund vier Prozent.

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