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15.01.2016

06:21 Uhr

Chipriese Intel schrumpft

Die PC-Krise erschüttert eine Branche

VonJoachim Hofer

Der weltgrößte Halbleiterhersteller hat vergangenes Jahr Umsatz und Gewinn eingebüßt. Das schwache PC-Geschäft macht den Amerikanern schwer zu schaffen. Doch Intel ist nicht der einzige Chipproduzent, der zu kämpfen hat.

Das Intel-Logo an einem Gebäude im kalifornischen Santa Clara: Das weltweite schwache PC-Geschäft macht dem US-Halbleiterhersteller zu schaffen. AFP

Intel

Das Intel-Logo an einem Gebäude im kalifornischen Santa Clara: Das weltweite schwache PC-Geschäft macht dem US-Halbleiterhersteller zu schaffen.

MünchenIntel zieht eine durchwachsene Bilanz des Jahres 2015: Die Einnahmen des weltgrößten Halbleiterherstellers sanken um ein Prozent auf 55,4 Milliarden Dollar. Der Gewinn ging sogar um zwei Prozent auf 11,4 Milliarden zurück. Das teilte Intel-Chef Brian Krzanich am späten Donnerstagabend mit.

Intel leidet vor allem darunter, dass weltweit immer weniger PCs und Notebooks über die Ladentheken gehen. Mit Prozessoren für diese Rechner verdienen die Kalifornier das meiste Geld, doch das Geschäft ist vergangenes Jahr um acht Prozent eingebrochen. Ein kräftiges Plus von elf Prozent in der Server-Sparte konnte das nicht ausgleichen.

„Das Ergebnis 2015 zeigt, dass sich Intel weiter entwickelt und unsere Strategie aufgeht“, betonte Krzanich. So seien die Erlöse im vierten Quartal bereits wieder um ein Prozent geklettert. Die Investoren freilich sehen das nicht so positiv: Im nachbörslichen Handel in New York verloren die Papiere gut drei Prozent. Bereits vergangenes Jahr hatten die Aktien rund zehn Prozent an Wert verloren.

Die größten Chiphersteller der Welt

Intel

Mit einem Umsatz von rund 50 Milliarden Dollar ist Intel der mit Abstand größte Chiphersteller der Welt. Seit fast einem Vierteljahrhundert führt Intel die Rangliste nun schon an. Der Konzern aus dem Silicon Valley lebt vor allem von seinen Prozessoren. Sie sind das Gehirn eines jeden Rechners. Die Halbleiter des Unternehmens stecken insbesondere in PCs, Notebooks und Servern. Im Geschäft mit Smartphones konnte Intel nie so recht Fuß fassen. Alles in allem erreicht Intel auf dem Halbleitermarkt einen Anteil von mehr als 15 Prozent.

Samsung Electronics

Die Chipsparte des koreanischen Elektronikkonzerns ist nach Intel weltweit die Nummer zwei und kommt den Experten von Gartner zufolge auf gut elf Prozent Markanteil. Die Asiaten sind vor allem stark in Speicherchips. Samsung beliefert unter anderem auch Apple. Halbleiter sind freilich nur ein Geschäft von vielen von Samsung Electronics. Die Koreaner liefern auch viele andere elektronische Bauteile sowie Waschmaschinen, Smartphones, Fernseher und sogar Kühlschränke und Staubsauger.

SK Hynix

Der zweite große südkoreanische Halbleiteranbieter heißt SK Hynix und liegt in der Weltrangliste auf Platz drei. Der Umsatz: Mehr als 16 Milliarden Dollar. SK Hynix produziert insbesondere Speicherchips und wurde in der Vergangenheit vom Staat gestützt, um eine Insolvenz abzuwenden. Als einer der ganz wenigen großen Chipkonzerne ist SK Hynix 2015 gewachsen.

Qualcomm

In der Öffentlichkeit ist Qualcomm zu gut wie unbekannt, doch in der Halbleiterbranche sind die Kalifornier die Nummer vier mit zuletzt rund 16 Milliarden Dollar Umsatz. Die Firma liefert vor allem Chips für Smartphones. So stark ist Qualcomm auf diesem Feld, dass der Konzern wiederholt mit den Kartellämtern Probleme hatte. Das Unternehmen betreibt keine eigenen Fabriken sondern lässt alle seine Chips in sogenannten Foundries fertigen. Zudem verdient Qualcomm an Lizenzgebühren, weil jeder Handyhersteller auf geistiges Eigentum der Amerikaner zurückgreifen muss. 2015 war jedoch kein gutes Jahr für Qualcomm, der Umsatz ist kräftig gefallen. Mit einem Kurseinbruch von einem Drittel lief es auch auf dem Parkett alles andere als rund.

Micron Technology

Der US-Konzern arbeitet eng mit Intel zusammen und steht auf Rang fünf der Umsatzrangliste der Halbleiterindustrie. Zuletzt lagen die Erlöse bei rund 14,5 Milliarden Dollar. Micron verkauft hauptsächlich Speicherchips. Gemeinsam mit Intel hofft Micron derzeit auf eine ganz neue Generation an Speicherchips. Die neuen Chips sollen 1000 Mal schneller sein als die derzeit gebräuchlichen NAND-Speicherchips. Gleichzeitig können die fortschrittlichen Halbleiter zehn Mal mehr Daten fassen als die herkömmlichen Arbeitsspeicher, die sogenannten DRAMs. Im Gegensatz zu den DRAM-Chips, und ähnlich wie bei NAND, gehen die Informationen bei der neuen Technik nicht verloren, wenn der Strom erlischt. NAND hat in den vergangenen Jahren in vielen Rechnern die Festplatten verdrängt und wird jetzt womöglich selbst durch die neue Technik abgelöst. Intel und Micron haben die neue Technik 3D Xpoint genannt.

Texas Instruments

Vielen Menschen ist der US-Konzern vor allem wegen der Taschenrechner ein Begriff. Dabei lebt Texas Instruments vor allem von Chips und gilt als einer der verlässlichsten und über Jahrzehnte hinweg profitabelsten Anbieter. Der Umsatz lag zuletzt bei gut elf Milliarden Dollar, damit rangiert die Firma auf Platz sechs der Weltrangliste.

Toshiba Semiconductor

Der größte japanische Chiphersteller kam zuletzt auf Erlöse von 8,5 Milliarden Dollar, das reicht für Platz sieben in der Weltrangliste. Der Marktanteil beträgt fast drei Prozent.

Broadcom

Der US-Konzern ist der große Wettbewerber von Qualcomm im Geschäft mit Handychips und liegt auf Platz acht der größten Halbleiterhersteller. Allerdings wird es Broadcom nicht mehr lange geben. Arvago schluckt den Konkurrenten gerade und gibt dafür die Rekordsumme von 37 Milliarden Dollar aus. So viel wurde in der Industrie noch nie bei einer Übernahme auf den Tisch gelegt.

ST Microelectronics

Bislang der größte europäische Halbleiterhersteller, doch diese Position wird der Konzern nicht mehr lange behalten. Der Grund: NXP aus Eindhoven hat Ende 2015 den amerikanischen Rivalen Freescale übernommen und ist wird damit vom Umsatz her an ST Microelectronics vorbei ziehen. Das französisch-italienische Unternehmen ST Microelectronics erreichte zuletzt einen Jahresumsatz von fast sieben Milliarden Euro, das ergab den Marktforschern von Gartner zufolge Platz neun. Die Firma mit Hauptsitz in Genf beliefert zahlreiche Industrien, tut sich aber seit Jahren wirtschaftlich schwer. Eine Bürde ist die Historie, weil es viele Standorte in den beiden Ursprungsländern Frankreich und Italien gibt.

Infineon

Der wichtigste deutsche Chipproduzent und der einzige Hersteller hierzulande in den Top-ten der Branche. Die Münchener sind 2015 um rund ein Drittel gewachsen, vor allem aufgrund der Übernahme des US-Rivalen International Rectifier. Auch an der Börse lief es vergangenes Jahr prächtig, mit einem Kursplus von gut 50 Prozent gehörte die ehemalige Siemens-Sparte zu den größten Gewinnern im Dax. Infineon wird seinen Platz unter den zehn größten Herstellern vermutlich bald verlieren, weil der holländische Wettbewerber NXP den amerikanischen Rivalen Freescale jüngst geschluckt hat.

Autor: Joachim Hofer

Brian Krzanich, seit 2013 an der Konzernspitze, verfolgt ein Ziel, das schon seine Vorgänger weitgehend erfolglos angepeilt haben: Er will weniger abhängig vom schrumpfenden PC-Geschäft werden. Das ist dringend nötig. Seit 2011 geht der Markt Jahr für Jahr zurück. Vergangenes Jahr haben die Hersteller acht Prozent weniger Geräte ausgeliefert, das entspricht rund 15 Millionen Stück.

Doch nach wie vor verdient Intel das meiste Geld mit Prozessoren für Desktops und Notebooks. Die Division steht für 60 Prozent vom Umsatz. Auf dem Server-Markt sieht es zwar wesentlich besser aus. Doch die florierende Sparte mit Halbleitern für Netzwerkrechner steht für lediglich gut ein Drittel der Erlöse.

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Einst waren PCS der Verkaufsmotor des IT-Fortschritts für Verbraucher. Inzwischen haben Smartphones diese Rolle übernommen. Analysten warnen, dass für kleinere PC-Hersteller die Luft immer dünner wird.

Alle anderen Bereiche sind demgegenüber zu vernachlässigen. Im riesigen Smartphone-Markt etwa konnte Intel bis heute nie richtig Fuß fassen. Und das trotz des mehr als eine Milliarde Euro schweren Kaufs der Mobilfunksparte von Infineon vor mittlerweile sechs Jahren.

Andererseits: Intel ist nicht der einzige Chiphersteller, der in Schwierigkeiten steckt und daher vergangenes Jahr geschrumpft ist. Die Marktforscher von Gartner schätzen, dass sechs der zehn führenden Anbieter weniger Umsatz eingefahren haben. Die meisten Firmen veröffentlichen ihre Ergebnisse aber erst in den kommenden Wochen.

Gartner wagt sich trotzdem mit konkreten Zahlen an die Öffentlichkeit. Demnach ist der weltweite Halbleiterumsatz 2015 im Vergleich zum Vorjahr um knapp zwei Prozent auf rund 334 Milliarden Dollar gesunken. Der Rückgang fiel deutlicher aus, als die Experten im Jahresverlauf vorhergesagt hatten. „Die schwache Nachfrage nach wichtigen Elektronikprodukten, der starke Dollar und volle Lager sind an dem Schwund schuld“, erklärt Gartner-Analyst Sergis Mushell.

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