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10.12.2014

15:02 Uhr

Chromebook versus iPad

Google verdrängt Apple im Klassenzimmer

VonAxel Postinett

Apple und Google tragen ihre Rivalität auch im Klassenzimmer aus: Beide wollen die Schüler mit ihrer Technologie ausstatten. Dem Suchmaschinenkonzern ist mit seinen Chromebooks nun ein Überraschungserfolg gelungen.

Chromebook von Hewlett-Packard: Die einfache Verwaltung der Geräte ist der Schlüssel zum Erfolg. ap

Chromebook von Hewlett-Packard: Die einfache Verwaltung der Geräte ist der Schlüssel zum Erfolg.

San FranciscoSie sind erbitterte Rivalen und tragen ihren Wettbewerb auch im Klassenzimmer aus: Apple und Google wollen bereits Schüler mit ihrer Technologie ausstatten und möglichst daran gewöhnen. Bislang hatte der iPad-Hersteller in den USA die Nase vorn – doch das hat sich geändert.

Laut IDC fanden im dritten Quartal 2014 rund 715.000 Chromebooks mit Googles Betriebssystem Chrome den Weg in amerikanische Klassenzimmer und damit erstmals mehr als iPads mit 702.000 Stück. Apples Tablet-Offensive im Bildungsbereich kommt erkennbar ins Stocken. Die Vorteile der Chromebooks liegen auf der Hand: Sie sind zum einen billiger als iPads und sie haben eine physische Tastatur. Im Schulalltag sind das nicht zu unterschätzende Vorteile.

Der Stimmungswechsel im Erziehungsbereich ist drastisch. Noch vergangenes Jahr verkündete Tim Cook in einem Analystengespräch stolz einen Marktanteil von 94 Prozent im Tablet-Markt für Bildungseinrichtungen. Jetzt müssen die Tablets insgesamt Federn lassen, ihr Anteil am gesamten Schulmarkt fiel laut dem Marktforscher Futurescope Consulting von 43 Prozent im Vorjahr auf 33 Prozent, und selbst Android holt auf: Der Schuldistrikt Guilford hat beispielsweise ein 30-Millionen-Dollar-Projekt mit Android wieder aufgenommen, nachdem ein erster Versuch 2013 scheiterte. Die Geräte gingen zu schnell kaputt. Jetzt haben sie eine verbesserte Schutzhülle für den rauen Schulalltag.

Während Cook sich also freute, die Android-Gefahr in Schulen gebändigt zu haben, überholte ihn Google auf der rechten Spur mit seinen Chromebooks. Die einfachen Laptops basieren im Grunde auf dem gleichnamigen Google-Webbrowser. Hersteller von Chromebooks sind Firmen wie Asus, Samsung oder HP (einen Testbericht zu einem älteren Gerät lesen Sie hier). Im März erst hatte HP-Chefin Meg Whitman auf einer Technologiekonferenz in San Francisco zugegeben, der Erfolg er Chromebooks habe sie überrascht. „Das Interesse geht sogar über den Bildungsbereich hinaus“, so Whitman, „das geht bis in kleine Unternehmen.“

Vor- und Nachteile von Chromebooks

Eine Vision von Google

Mit dem Betriebssystem Chrome OS, 2009 vorgestellt, zeigt der Internetkonzern Google, wie er sich die Computer der Zukunft vorstellt. Auf Rechnern mit der Software werden keine Programme lokal installiert, die Anwendungen laufen stattdessen alle im Browser. Welche Vor- und Nachteile hat dieser Ansatz?

Schnelle Einrichtung

Da auf Chromebooks außerdem dem Browser keine Programme lokal installiert sind, geht die Einrichtung schnell – alles was Anwender brauchen, sind ein Internetzugang und ein Nutzerkonto bei Google.

Automatische Updates

Notebooks mit dem Google-Betriebssystem Chrome OS werden ganz ohne Zutun der Nutzer aktualisiert – so müssen sie keine Updates installieren. Das dient auch der Sicherheit, weil sich weniger Lücken auftun.

Aktuelle Daten

Chromebooks legen Daten wie Dokumente, Tabellen und Fotos in der Cloud ab, also auf Servern im Internet. Dadurch greifen Nutzer immer auf die aktuelle Version zu.

Günstige Hardware

Auf Chromebooks kommen nur Web-Anwendungen zum Einsatz – die Rechenarbeit wird nicht auf dem Computer selbst erledigt, sondern auf den Servern im Rechenzentrum. Daher reicht eine vergleichsweise beschränkte Hardware aus. Die meisten Chromebooks sind daher relativ günstig. Mit einer Ausnahme: Google verlangte für sein selbst entwickeltes Nobelgerät Chromebook Pixel in den USA zunächst rund 1300 Dollar.

Nutzlos ohne Wlan

Weil alle Anwendungen im Browser laufen, sind Chromebooks ohne Internetverbindung nur bedingt nützlich. Ein Teil der Apps hat zwar einen Offline-Modus, doch besonders komfortabel ist das Arbeit ohne Wlan nicht.

Kleines Software-Angebot

Nutzer können lediglich Web-Anwendungen aus dem Chrome App Store von Google installieren. Im Vergleich zu langen etablierten Betriebssystemen wie Windows ist die Auswahl noch relativ klein. Gerade an Spezial-Software mangelt es. Google setzt allerdings darauf, dass immer mehr Software übers Web angeboten wird.

Keine Kontrolle über die Daten

Da alle Daten auf den Servern von Google liegen, geben Nutzer die Kontrolle darüber ab. Das dürfte so manchen Skeptiker abschrecken.

IDC führt den Kostenvorteil als schlagendes Argument für Schulen an. Mit einem durchschnittlichen Preis von 199 Dollar sind Chromebooks deutlich günstiger als iPads. Dabei hatte Apple extra noch das billigere iPad 2 lange im Rennen gelassen, weil es ein beliebtes Schulmodell war. Aber es half nichts.

Denn neben dem Kostenvorteil sind Chromebooks auch noch besser zu verwalten: „Die einfache Verwaltung ist der Schlüssel zum Erfolg“, sagt Phil Maddocks von Futurescope. „Je mehr Geräte an den Schulen eingesetzt werden, umso wichtiger wird das. Schulen werden bald ein Geräte-Management wie Unternehmen haben.“

Chromebooks verlangen nach einer Internet-Anbindung, weil die Programme aus dem Netz geladen werden. Das hat zwei Vorteile: Das Gerät ist erstens immer aktuell und zweitens können sich keine Viren festsetzen. Mit dem Ausschalten des Rechners wird der Speicher geleert.

Die Software für die Schüler steht in der Cloud. Die Chromebooks sind leicht unter den Schülern austauschbar. Wer sich mit seinem Google-Konto an einem Gerät anmeldet, der findet seine Arbeitsumgebung. iPads sind kompliziert in der Verwaltung verschiedener Konten. Im Grunde muss jeder Schüler sein eigenes Gerät haben. Das ist gut für Apple – aber schlecht für das angespannte Schulbudget. Chromebooks arbeiten im Web, iPads haben Apps. Kann der Schüler sein iPad nicht mit nach Hause nehmen, braucht er ein zweites Gerät, um Hausaufgaben zu machen.

„Chromebooks gewinnen richtig an Fahrt“, stellt Rajini Singh, Analyst bei IDC fest. „Das Wachstum der Chromebooks ist ein echtes Problem für Apple.“ Wie groß das Problem ist, zeigt Los Angeles. Der Schulbezirk hatte einst für 27 Schulen die Anschaffung von iPads zwingend vorgeschrieben. Ende November wurde dieser Zwang für das 1,3-Milliarden Dollar-Projekt aufgehoben. Der Stopp erfolgte nach der Anschaffung von 91.000 iPads, so die „Los Angeles Times“. Ursprünglich war der Kontrakt auf 650.000 Geräte ausgelegt.

Futurescope schätzt für das dritte Quartal einen Absatz von über einer Million Chromebooks an Schulen international. Neben den USA, wo 85 Prozent aller Chromebooks verkauft werden, gelten Kanada, Großbritannien, Schweden und die Niederlande als Wachstumsmärkte für Googles Computer. Deutschland ist übrigens kein Chromebook-Land. „Informationen im öffentlichen Bereich, dazu gehören Schulen, dürfen nicht außerhalb der EU gespeichert werden“, weiß Phillip Maddocks von Futurescope. Und Google hat seine Server für viele Schuldienste oder für die Bürosoftware Google Docs immer noch in den USA.

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