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22.11.2012

07:35 Uhr

Cloud Computing

Deutsche Aufholjagd in der Wolke

VonChristof Kerkmann

Das Misstrauen gegenüber amerikanischen Internet-Speicherdiensten wollen deutsche Anbieter nutzen. Ihr Argument: Datenschutz nach hiesigem Recht. Denn das Misstrauen gegenüber der Speicherung in der Datenwolke ist hoch.

Rechenzentrum der Strato AG: Die Telekom-Tochter will sich mit seinem Online-Speicher Hidrive ein zweites Standbein aufbauen. obs

Rechenzentrum der Strato AG: Die Telekom-Tochter will sich mit seinem Online-Speicher Hidrive ein zweites Standbein aufbauen.

DüsseldorfSchon seit Jahren wirbt die IT-Branche fürs Cloud Computing, das Speichern von Daten auf in der Welt verteilten Festplatten. Trotzdem haben die meisten Verbraucher davon bislang wolkige Vorstellungen und Online-Speicher sind bislang ein Nischenprodukt. Doch der Smartphone-Boom könnte den großen Durchbruch bringen – die eingebauten Kameras sind dabei die Speerspitze.

Immer mehr Unternehmen setzen solche Online-Dienste bereits ein – oft weil sie sich Einsparungen erhoffen. Doch den meisten Verbrauchern sagt der Begriff Cloud Computing nichts. Eine aktuelle Umfrage des Bundesministeriums für Verbraucherschutz zeigt, dass nur jeder zweite etwas damit anfangen kann (49 Prozent). Hinzu kommt eine große Skepsis: 80 Prozent empfinden gegenüber der Technologie Unbehagen, wie das Marktforschungsinstitut Infratest Dimap für die Behörde ermittelt hat.

Vor- und Nachteile des Cloud Computing

Kosten

Wenn ein Unternehmen seine Kundendatenbank nicht im eigenen Rechenzentrum pflegt, sondern einen Online-Dienst wie Salesforce.com nutzt, spart es sich Investitionen in die Infrastruktur. Die Abrechnung erfolgt außerdem zumeist gestaffelt, zum Beispiel nach Nutzerzahl oder Speicherverbrauch. Geschäftskunden erhoffen sich dadurch Kosteneinsparungen.

Skalierbarkeit

Wer Speicherplatz im Netz mietet, kann flexibel auf die Nachfrage reagieren und den Bedarf unkompliziert und schnell erhöhen oder versenken. Wenn beispielsweise ein Startup rasant wächst, fährt es einfach die Kapazitäten hoch. Somit fallen auch niedrige Fixkosten an.

Einfachheit

Die Installation auf den eigenen Rechnern entfällt. Damit lässt sich ein neues System äußerst schnell einführen. Auch die Updates bereiten keine Probleme mehr, somit sinkt der Administrationsaufwand. Allerdings lassen sich die Cloud-Dienste in der Regel auch nicht so individuell konfigurieren.

Ortsunabhängigkeit

Zur Nutzung der Cloud-Dienste benötigen Mitarbeiter lediglich einen Internetanschluss – unabhängig von ihrem Aufenthaltsort und dem Gerät, das sie nutzen.

Sicherheit

Die Daten-Dienstleister werben damit, dass sie sich intensiver mit der IT-Sicherheit beschäftigen als einzelne Nutzer oder Unternehmen. Allerdings sind die Rechenzentren der Cloud-Anbieter aufgrund der große Datenmenge auch ein attraktives Ziel für Angreifer von Hackern. Auch Geheimdienste zeigen großes Interesse. Zudem ist von außen schwer nachzuvollziehen, ob der Anbieter die Daten ausreichend vor den eigenen Mitarbeitern schützt. Die Auslagerung bedeutet somit einen Kontrollverlust.

Abhängigkeit

Viele Unternehmen sind von ihrem Dienstleister abhängig, weil sie nicht ohne weiteres zu einem anderen Anbieter wechseln können. Das liegt etwa daran, dass sie ihre Systeme aufwendig an die Schnittstellen anpassen müssen. Auch Nutzer haben oft Schwierigkeit, wenn sie mit ihren Daten den Anbieter wechseln wollen. Eine weitere Frage: Was ist, wenn der Betreiber eines Dienstes pleite geht? Erst wenn es Standards gibt, die den Wechsel von einem zum anderen Dienstleister ermöglichen, sinkt die Abhängigkeit.

Deutsche Anbieter führen daher als Argument für ihre Dienstleistung den strengen deutschen Datenschutz ins Feld. „Die entscheidende Frage ist: Wie schaffe ich Vertrauen in den Dienst?“, sagt Jan Oetjen, Chef der 1&1-Töchter Web.de und GMX zu Handelsblatt Online. Ein beträchtlicher Teil der Nutzer habe Bedenken gegenüber den amerikanischen Firmen – davon könnten die deutschen Anbieter profitieren.

Beim Cloud Computing werden Speicherplatz, Rechenkapazität und Programme nicht auf dem eigenen Rechner oder im eigenen Rechenzentrum bereitgehalten, sondern über das Internet abgerufen. Der Name rührt daher, dass diese Dienste in der IT-Branche oft schematisch als Wolke dargestellt werden.

Was vielen Nutzern nicht bewusst ist: Sie haben längst Daten in der Cloud abgelegt, diese trägt dabei aber andere Namen. Facebook zum Beispiel. Denn wer dort seinen Freunden die Fotos der letzten WG-Party zeigt, nutzt die Server der Plattform. Auch E-Mail-Dienste, die über den Browser aufgerufen werden, funktionieren nicht ohne die Cloud.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

22.11.2012, 09:11 Uhr

Clouding ist das Schlagwort der IT-Industrie, und man erhofft sich sprudelnde Gewinne da die anderen Quellen zusehens versiegen.
Aber wie bescheiden muß man sein, um Daten in fremde Hände zu geben. Was bei einem Privatmann auf den ersten Blick unkritisch erscheint, muß doch jedem Firmeninhaber die Nackenhaare aufstellen.
Allen Sicherheitsbekundungen zum Trotz muß von krimineller Energie Dritter ausgegangen werden. Wenn jetzt schon die Daten in der eigenen Firma via Internet durch US-Geheimdienste (von osteuropäischen und chinesischen ganz zu schweigen) abgegriffen werden, was wird, wenn die Daten auf zentralen Festplatten liegen? Firewall und ähnliches sind dann verzichtbar.
Für den Privatverbraucher drohen ganz andere Gefahren. Bedingt durch die zahlenmäßige Überlegenheit der Anwälte im Bundestag hat sich ja bereits eine Abmahnindusrie etabliert die beidseits der Grenzen der Legalität die Internetnutzer überwachen läßt. Weniger aus rechtlichen Gründen, mehr aus eigen Gewinninteressen. Es gibt einen Handeln mit Abmahnverfahren.
Nun kann offensichtlich ein weiteres Feld freigegeben werden. Es ist eine Frage der Zeit, bis aus irgendeinem Grund diese Daten der Überwachung -sicher aus terroristischen Gründen - unterliegen werden.
Und, einmal dort abgelegt, werden sie immer dort und in verschiedenen Sicherungsebenen liegen.

Ludwig_Held

25.07.2013, 17:32 Uhr

Die Sicherheit der Business Cloud ist für viele aufgrund der schweren Einschätzbarkeit ein tatsächliches Entscheidungshindernis. Dabei werden die Risiken der Cloud stark thematisiert, was auch richtig ist, demgegenüber die häufig viel grösseren Risiken der On Premise Client Server Lösung im eigenen Haus aber "wie ein Balken im eigenen Auge" völlig übersehen.

Wie soll ein mittelständisches Unternehmen die Sicherheit eines zertifizierten Hochsicherheits RZ jemals im eigenen Hause sicher gestellt bekommen. Meine Prognose ist deshalb, in wenigen Jahren werden Sicherheitsgründe eines der wichtigsten Pro-Argumente für Cloud Anwendunggen sein.

Wer sich heute gegen Cloud ERP & CRM Lösungen entscheidet, der begeht einen grossen Fehler. Auf der Preisseite eines ERP Cloud Herstellers habe ich im unteren Erläuterungsteil einen schönen und treffenden Vergleich gesehen: "Die Sicherheit entspricht einem Bankensafe einer Großbank.". Siehe unter https://www.scopevisio.com/preise#business unter dem Punkt "Wie sicher sind meine Daten bei Scopevisio?"

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