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18.12.2012

15:13 Uhr

Cloud-Computing

Die „Blutspur“ der Marktwirtschaft

VonAxel Oppermann

Fakt ist: Jeder nutzt Cloud Services im Privaten. Und auch immer mehr Unternehmen sind überzeugt, dass dieses Modell eine feine Sache ist. Doch welche Farbe hat eigentlich Cloud Computing?

Der neue Trend: Cloud Computing. Reuters

Der neue Trend: Cloud Computing.

Cloud Computing etabliert sich schnell und sicher im täglichen Leben. Ob im privaten Umfeld oder in Unternehmen, immer öfter werden Bilder, Texte oder Videos nicht mehr von lokalen Festplatten gezogen, sondern fließen als weltweiter Datenstrom von x-beliebigen Orten zum Anwender. Zahlreiche Web-Services sind Beispiele für den Erfolg von Cloud Computing. Angefangen bei Speicher- oder Datensicherungsseiten wie Flickr und Dropbox, über Produktivitätslösungen wie Google Docs oder Office 365 von Microsoft, bis hin zu mobilen Applikationen auf Smartphones und Tablet-PCs, verbreiten sich diese Services wie geschnitten Brot. Die großen Analystenhäuser gehen beim Cloud Computing für 2013 weltweit von einer Marktgröße von 130 Milliarden US-Dollar aus. Die Researcher von Banken und Fondgesellschaften prognostizieren sogar 150 Milliarden US –Dollar. Bereits jedes sechste Unternehmen bezieht heute Sicherheitsservices wie Virenbekämpfung oder Benutzerauthentifizierung aus der Cloud. Mittelfristig wird jedes vierte Unternehmen das so genannte Security-as-a-Service nutzen.

Bedingt durch die klaren Vorteile ist Cloud Computing im täglichen Leben bereits so verbreitet, dass ein steuerndes Eingreifen von Politik und Staat mehr als notwendig ist.-Diese globale Welle aufzuhalten vermag jedoch weder ein einzelnes Land noch einzelne NGOs. So ist der globale digitale Datenstrom nur durch multinationale Zusammenschlüsse und weltweit gültige Vereinbarungen zu orchestrieren.

Cloud Computing ist der aktuelle Höhepunkt einer technischen Entwicklung, die bereits vor über 40 Jahren durch die Entwicklung von Virtualisierungstechniken – also Methoden, mit denen Ressourcen eines Computers zusammengefasst oder aufgeteilt werden- in den Laboren einer IBM auf den Weg gebracht wurde.

Auch deshalb kann hier weniger über einen Technologiesprung gesprochen werden, als vielmehr über neue Geschäftsmodelle, die durch die universelle Verfügbarkeit von Netzwerkverbindungen ermöglicht werden. Im Kern geht es darum, zukünftig nicht den Prozess der Datenverarbeitung in den Mittelpunkt der ökonomischen Betrachtungen zu stellen, sondern die Überlegungen beginnen eher am Ort der effizientesten Datenverarbeitung. Als Messgröße für eine solche Effizienz werden noch allzu oft niedrigste Bau- und Betriebskosten sowie geringste Steuersätze herangezogen. Besonders aus dieser Perspektive ist die Ansiedelung der riesigen Rechenzentren von Amazon, Microsoft und Google im Großraum Dublin zu erklären. Ein kostengünstiger und nahezu verzögerungsfreier Transport der Daten, kombiniert mit milden Steuersätzen, die durch Transferleistungen innerhalb der Europäischen Union ermöglicht werden, sorgen für eine teilweise Umgehung von Standards sowie Verlagerung von Wertschöpfung aus Deutschland heraus. Ein weiteres Verschieben der Standorte ist per Knopfdruck schnell und mühelos möglich.

Somit werden Daten und deren Verarbeitung integraler Bestandteil des Welthandels. Ohne umfassende Regulatorien ist diese Dynamik des digitalen Übertragens von Daten aber nicht beherrschbar. Es bedarf deshalb genauso wie bei physischen Waren – exemplarisch bei Rüstungsgütern, Agrarprodukten oder Markenartikeln – ein international gültiges Werte- und Rechtsverständnis. Daten, die heute noch im europäischen Hoheitsbereich sind, können bereits morgen in Asien liegen. Diese Situation ist für mittelständische Unternehmen, die in unbekannte Rechtsräume gezogen werden, genauso relevant, wie für Privatanwender, Konzerne und den Staat. Durch die flüchtigen Eigenschaften wird die Fähigkeit der Datenverarbeitung sowie die Datenhaltung ein entscheidendes wirtschaftliches Druckmittel – vergleichbar mit Öl oder Gas. Insbesondere dann, wenn ein Staat die „freie Ausreise“ der Daten verhindert.  

Gegenwärtig wird die Entwicklung noch von amerikanischen Unternehmen geprägt, aber auch Inder und Chinesen rüsten für die globale digitale Wertschöpfung und fordern Europa heraus.  

Solange reine Effizienzüberlegungen zur Auswahl von Cloud Services zugrunde gelegt werden, ist Deutschland unterlegen. Erst durch effektive Bewertungsgrundlagen, wie Qualität oder Sicherheit, kann hierzulande partizipiert werden.

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