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22.01.2016

17:25 Uhr

Cloud-Geschäft bei SAP

Rosa Wolken mit leichtem Grauschleier

VonChristof Kerkmann

Das Wagnis zeigt Wirkung: Der deutsche Software-Primus SAP setzt voll aufs Cloud Computing – und stellt dank boomender Geschäfte nun höhere Umsätze in Aussicht. Eine Entwicklung nervt die Anleger allerdings.

Finanzchef Luka Mucic (rechts) konnte am Freitag gute Zahlen verkünden. dpa

SAP-Vorstand

Finanzchef Luka Mucic (rechts) konnte am Freitag gute Zahlen verkünden.

DüsseldorfDie Aussichten für SAP waren in den letzten Monaten wolkig – im doppelten Sinne. Der Softwarekonzern setzt einerseits auf das Cloud-Computing, also die Datenwolke mit ihrem radikal anderen Geschäftsmodell. Andererseits bringt er unter dem Namen S4/Hana eine überarbeitete Version seines wichtigsten Produktes auf den Markt, mit dem viele Firmen ihre Geschäfte steuern. Wie sich die Einführung auswirken würde, war anfangs unklar.

Nun herrscht mehr Klarheit: SAP traut sich im Geschäftsjahr 2017 deutlich mehr Umsatz zu. Der Konzern erhöhte am Freitag die Prognose um bis 1,5 Milliarden Euro auf 23 bis 23,5 Milliarden Euro. Gerade das Zukunftsgeschäft mit dem Cloud-Computing wächst stark. Die Strategie zahlt sich also aus. Sie hat allerdings ihren Preis: Das Ziel für den operativen Gewinn setzte SAP nicht hoch – die Gewinnmarge sinkt also. Die Aktionäre reagierten leicht enttäuscht. Die vorläufigen Quartalszahlen hatte der Konzern bereits vor einer Woche veröffentlicht.

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Wachstum ist für die SAP-Spitze derzeit wichtiger als das, was unter dem Strich steht. „Um in unserer Industrie nachhaltig erfolgreich zu sein, müssen wir auf Innovationen setzen und investieren", sagte Finanzchef Luka Mucic im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Daran werden wir auch festhalten.“ Über längere Sicht könne die Kennzahl wieder auf das alte Niveau steigen, versicherte der Vorstand.

Die höhere Prognose für 2017 führt Mucic auf zwei Faktoren zurück. Zum seinen verlaufe die Integration von Concur „fantastisch“. SAP hatte den Spezialisten für Reisemanagement und Kostenabwicklung 2014 für umgerechnet rund 6,5 Milliarden Euro übernommen. Nun will SAP seinen eigenen Kunden die Lösungen des Dienstleisters verkaufen: „Wir können Concur die Türen öffnen.“ Auch umgekehrt soll die Tochter Produkte der Mutter vermarkten.

Große SAP-Übernahmen

2007 - Business Objects

2007 übernehmen die Deutschen den französischen Softwarehersteller Business Objects für 4,8 Milliarden Euro. SAP kauft sich damit Analyse-Software, die Daten aus einzelnen Geschäftsbereichen von Unternehmen auswertet - und ist inzwischen Marktführer.

2010 - Sybase

Den Datenbankspezialisten Sybase übernimmt SAP im Jahr 2010 für 5,8 Milliarden Dollar und erwirbt damit Expertise für den Mobilfunkmarkt. Mit Hilfe der Sybase-Plattform lassen sich die SAP-Programme leichter auf Smartphones und Tablets spielen. Die Software von Sybase stellt außerdem den Grundstock für das wachsende Datenbankgeschäft von SAP.

2012 - Ariba

Mit der Handelsplattform Ariba, die SAP ebenfalls 2012 für 4,3 Milliarden Dollar übernahm, sicherte sich der Softwarekonzern weitere Fähigkeiten. Ariba ist nicht nur eine Art Ebay für Unternehmen. Die Firma verkauft auch Software - zum Beispiel Programme, mit deren Hilfe Firmen ihren Lieferanten digitale Rechnungen stellen können.

2012 - Successfactors

2012 geht SAP die Übernahme von Successfactors für 3,4 Milliarden Dollar an. Software, die nicht mehr auf Firmenservern lagert, sondern nach Bedarf „on Demand“ über das Internet abgerufen wird, ist bereits heute ein Milliardenmarkt

2014 - Concur

Im September 2014 kauft SAP das Unternehmen Concur, um sein wachsendes Cloud-Geschäft weiter auszubauen. Concur ist ein US-Anbieter von Firmensoftware für Reisemanagement und Reisekostenabwicklung. Der Preis von umgerechnet rund 6,5 Milliarden Euro bedeutet: Es ist die teuerste Übernahme in der Geschichte SAPs.

Zum anderen ist seit Anfang 2015 das Programmpaket S4/Hana auf dem Markt, mit dem Firmen ihre gesamten Abläufe steuern können. 2700 Kunden hat der Konzern in dieser Zeit gewinnen können – für so ein umfangreiches Produkt eine beachtliche Zahl. „S4/Hana hat einen tollen Umsatzbeitrag geliefert“, sagte Mucic, ohne die Zahl genau aufzuschlüsseln. „Trotz eines unsicheren wirtschaftlichen Umfeldes setzen Kunden auf Lösungen, die Effizienz bringen, häufig sogar genau deshalb.“

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