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20.10.2015

11:07 Uhr

Cloud statt Softwarelizenzen

Personalumbau bei SAP geht stärker ins Geld

Die Ausrichtung von SAP auf das Geschäft mit der Cloud wird teurer als geplant. Das Programm für Abfindungen und Stellenwechsel kostet bis zu 615 Millionen Euro. Denn: Mehr Mitarbeiter wollen wechseln oder gehen.

Das Personalprogramm des Konzerns kostet viele Millionen mehr. dpa

SAP baut um

Das Personalprogramm des Konzerns kostet viele Millionen mehr.

WalldorfDer Personalumbau kommt SAP noch teurer als in der ursprünglichen Planung vorgesehen. Das Programm, das Abfindungen und Stellenwechsel vorsieht, sei bis zum Schluss besser angenommen worden als gedacht, sagte Finanzchef Luka Mucic am Dienstag in Walldorf. Mucic rechnet deshalb in diesem Jahr mit Kosten zwischen 585 bis 615 Millionen Euro, nach dem zweiten Quartal war er noch von 470 bis 530 Millionen Euro ausgegangen.

SAP baut sein Geschäftsmodell seit einigen Jahren grundlegend um. Ein Kerngedanke: Statt Softwarelizenzen zu kaufen, sollen die Kunden die Programme mieten (Cloud Computing). Das beschert SAP unter anderem kontinuierlichere Einnahmen. Im Zuge dieses Umbaus will SAP allerdings auch weltweit Stellen in Abteilungen streichen, die nicht zu den Wachstumsbereichen gehören, und hat dieses Jahr in Europa freiwillige Abfindungsprogramme gestartet.

SAP-Chef McDermott: Erster öffentlicher Auftritt nach schwerem Unfall

SAP-Chef McDermott

Erster öffentlicher Auftritt nach schwerem Unfall

Bill McDermott ist wieder da. Der SAP-Chef kehrt nach einem schweren Unfall in die Öffentlichkeit zurück. Es war ein geschickt geplanter Auftritt: Seine Erfahrung sieht er als Chance zur Konzern-Weiterentwicklung.

Ursprünglich sollten rund 2000 Beschäftigte im Laufe des Jahres auf eine neue Stelle wechseln oder ab einem bestimmten Alter mit einer Abfindung zum Gehen bewegt werden. Mucic rechnet nun mit etwa 3000, die das Angebot annehmen. Weil SAP in anderen Bereichen stark wächst, beschäftigte der Konzern Ende September mit 75.643 trotzdem mehr Mitarbeiter als zuvor. Unterm Strich seien etwa 1200 hinzugekommen, sagte Mucic.

Wegen der für den Umbau anfallenden Kosten verdiente der Konzern mit 895 Millionen Euro unterm Strich im dritten Quartal aber nur zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Einsparungen von mehr als einer halben Milliarde Euro jährlich verspricht sich SAP erst nach dem Abschluss des Umbaus. Im dritten Quartal sei bereits ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag eingespart worden, so ein Sprecher.

Die Umsätze waren dank guter Geschäfte in allen Regionen weitaus deutlicher gestiegen. Die Cloud- und Softwareerlöse legten gegenüber dem Vorjahr um 19 Prozent auf 4,12 Milliarden Euro zu. Damit entwickelte SAP sich in den ersten neun Monaten besser als in der Ursprungsplanung vorgesehen. Seine Erwartungen an das Gesamtjahr wollte SAP-Chef Bill McDermott allerdings noch nicht an die guten Geschäfte anpassen. Er sei sehr optimistisch, sagte McDermott. Allerdings macht der Softwarekonzern üblicherweise im Schlussquartal den größten Anteil seines Geschäfts.

Große SAP-Übernahmen

2007 - Business Objects

2007 übernehmen die Deutschen den französischen Softwarehersteller Business Objects für 4,8 Milliarden Euro. SAP kauft sich damit Analyse-Software, die Daten aus einzelnen Geschäftsbereichen von Unternehmen auswertet - und ist inzwischen Marktführer.

2010 - Sybase

Den Datenbankspezialisten Sybase übernimmt SAP im Jahr 2010 für 5,8 Milliarden Dollar und erwirbt damit Expertise für den Mobilfunkmarkt. Mit Hilfe der Sybase-Plattform lassen sich die SAP-Programme leichter auf Smartphones und Tablets spielen. Die Software von Sybase stellt außerdem den Grundstock für das wachsende Datenbankgeschäft von SAP.

2012 - Ariba

Mit der Handelsplattform Ariba, die SAP ebenfalls 2012 für 4,3 Milliarden Dollar übernahm, sicherte sich der Softwarekonzern weitere Fähigkeiten. Ariba ist nicht nur eine Art Ebay für Unternehmen. Die Firma verkauft auch Software - zum Beispiel Programme, mit deren Hilfe Firmen ihren Lieferanten digitale Rechnungen stellen können.

2012 - Successfactors

2012 geht SAP die Übernahme von Successfactors für 3,4 Milliarden Dollar an. Software, die nicht mehr auf Firmenservern lagert, sondern nach Bedarf „on Demand“ über das Internet abgerufen wird, ist bereits heute ein Milliardenmarkt

2014 - Concur

Im September 2014 kauft SAP das Unternehmen Concur, um sein wachsendes Cloud-Geschäft weiter auszubauen. Concur ist ein US-Anbieter von Firmensoftware für Reisemanagement und Reisekostenabwicklung. Der Preis von umgerechnet rund 6,5 Milliarden Euro bedeutet: Es ist die teuerste Übernahme in der Geschichte SAPs.

Dabei sieht McDermott nach eigenen Worten durchaus eine Chance, dass die bisherigen Erwartungen an das neue Cloud-Geschäft übertroffen werden. Hier plant SAP bislang für 2015 rund zwei Milliarden Euro Umsatz. In den ersten neun Monaten beliefen sich die Erlöse aber schon auf 1,6 Milliarden Euro - fast doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Wie stark SAP aus eigener Kraft in seinem neuen Geschäftsfeld wächst, wird 2016 zeigen. SAP hatte 2014 den Anbieter von Software zur Reisekostenabrechnung Concur und die Firma Fieldglass übernommen, die Software zum Management von Leiharbeitern entwickelt, was zu dem starken Wachstum beiträgt.

Von

dpa

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