Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.02.2013

03:17 Uhr

Computer

Widerstand gegen Dell-Übernahme wächst

Michael Dell kauft sein Computer-Unternehmen zurück und nimmt es von der Börse. Doch dabei stößt auf Widerstand bei einem Großaktionär: Southeastern findet den Preis zu niedrig - und findet Mitstreiter.

Michael Dell muss sich beim geplanten Rückzug von der Börse mit Widerstand von Investoren befassen. ap

Michael Dell muss sich beim geplanten Rückzug von der Börse mit Widerstand von Investoren befassen.

New YorkDie 24-Milliarden-Dollar schwere Übernahme des Computerbauers Dell stößt nicht nur auf Begeisterung. Einer der größten Aktionäre hat Widerstand angekündigt. Ihm ist der gebotene Preis zu niedrig.

Die 13,65 Dollar je Aktie würden Dell „deutlich unterbewerten“, erklärte der US-Vermögensverwalter Southeastern Asset Management am Freitag in einer Börsenmitteilung. Ihm sollen sich mindestens drei weitere Investoren angeschlossen haben.

Dell bekräftigte in Reaktion auf die Mitteilung von Southeastern, das Direktorium sei der Meinung, dass die vorgeschlagene Transaktion im besten Interesse der Aktionäre sei. Kreisen zufolge lehnt Dell eine Aufstockung der Offerte ab.

Southeastern hält 8,5 Prozent an Dell und ist damit nach eigenen Angaben der größte außenstehende Anteilseigner. Firmengründer und Konzernchef Michael Dell kommt auf 14 Prozent. Er will den Konzern im Pakt mit dem Finanzinvestor Silver Lake zurückkaufen, von der Börse nehmen und umbauen. Der PC-Spezialist leidet unter dem schwächelnden Markt, weil viele Kunden auf Tablet-Computer umsteigen oder sich mit ihrem Smartphone begnügen.

Southeastern sieht den fairen Wert von Dell bei 24 Dollar je Aktie. Auch der Verkauf einzelner Sparten an Konkurrenzfirmen würde „mit Leichtigkeit“ mehr Geld einbringen als das vorliegende Angebot, schrieb die Gesellschaft in Richtung des Dell-Verwaltungsrats. Southeastern erklärte, „extrem enttäuscht“ zu sein und gegen die Übernahme ankämpfen zu wollen.

Die Geschichte von Dell

Firmengründung

Michael Dell gründet seine erste Firma 1984 – da ist er gerade 19 Jahre alt und bereitet sich auf ein Medizinstudium in Austin im US-Bundesstaat Texas vor. PC's Limited baut Computer zusammen, die die Kunden – Firmen und Bastler – selbst konfigurieren können. Nach einem Jahr bricht der Jungunternehmer die Uni ab und macht sich mit einem Zuschuss der Familie selbständig.

Erster Computer

1985 gestaltet die Firma ihren ersten eigenen Computer, den Turbo PC. Er hat einen acht Megahertz schnellen Intel-Prozessor und eine Zehn-Megabyte-Festplatte an Bord, außerdem ein Floppy-Laufwerk für 5,25-Zoll-Disketten. Michael Dell verkauft die Geräte direkt an die Nutzer – in Fachmagazinen wirbt er mit niedrigen Preisen. Bestellt wird per Telefon.

Börsengang

Der Direktverkauf zieht dank niedriger Preise viele Kunden an – die Firma wächst rasant und geht bereits 1988 unter dem Namen Dell Computer an die Börse. Sie sammelt 30 Millionen Dollar ein und wird mit 85 Millionen Dollar bewertet.

Erstes Laptop

Das erste Laptop der Firma Dell kommt 1989 auf den Markt: Das 316LT wiegt rund 6,8 Kilogramm. Bei den bald sehr populären mobilen Rechnern setzen allerdings zunächst andere Hersteller die Trends.

Vertrieb übers Internet

Als eines der ersten Unternehmen nutzt Dell die Möglichkeiten des World Wide Web, bereits 1996 geht die Website dell.com online. Schon bald macht die Firma damit ordentliche Umsätze.

Die Nummer 1

Anfang des Jahrtausends macht Dell alles richtig: Die Lieferkette ist schlank, der Vertrieb effizient. Im Jahr 2000 ist Dell der größte PC-Hersteller der Welt. Allerdings zeichnet sich bereits ab, dass die Konkurrenz dazulernt.

Der Gründer tritt ab und kehrt zurück

2004 zieht sich Michael Dell aus dem operativen Geschäft der Firma zurück. Den Chefposten übernimmt Kevin Rollins. Er hat allerdings wenig Glück: Die Resultate enttäuschen. 2007 muss er gehen – und Gründer Michael Dell kehrt an die Spitze zurück.

Der Konsument im Fokus

Der neue alte Chef versucht, attraktive Geräte für Verbraucher zu entwickeln. Zudem verkauft Dell seine Rechner nun auch im Einzelhandel – allerdings zulasten der Marge. Im Wettbewerb mit Hewlett-Packard, Apple und etlichen asiatischen Anbietern verliert Dell allerdings immer mehr an Boden. Den Trend zu Smartphones und Tablets verschläft Dell fast komplett.

Vorstoß ins Service-Geschäft

Um sich breiter aufzustellen, kauft Dell mehrere Anbieter von IT-Dienstleistungen. So übernimmt der Konzern 2009 Perot Systems für 3,9 Milliarden Dollar.

Aus gut informierten Kreisen verlautete, mindestens drei weitere Großaktionäre lehnten die Offerte ebenfalls ab. Insider sagten, das Käuferkonsortium gehe davon aus, dass der angebotene Preis von 13,65 Dollar einen angemessen Aufschlag auf den Aktienkurs nach Vorlage der jüngsten Dell-Quartalszahlen am 15. November nach Börsenschluss beinhalte. Am 16. November hatten Dell-Aktien bei 8,86 Dollar geschlossen. Mittlerweile notieren die Titel bei 13,63 Dollar.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

WirBrauchenKeineParallelWelt

09.02.2013, 10:38 Uhr

@Dell

hart bleiben, gute Sache! Jeder Dollar an die Finanzhaie ist ein verlorener Dollar für das Unternehmen und seine Zukunft. Alles was elende Heuschrecken bekämpft und schädigt ist richig und zu unterstützen - wie im richtigen Leben! Bravo Michael Dell!

Roothom

09.02.2013, 13:15 Uhr

das ist aber ein sehr naiver kommentar, denn:
"Zusammen mit Microsoft und dem Finanzinvestor Silver Lake..." - oder gibt es vielleicht "gute heuschrecken" und "schlechte heuschrecken"???

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×