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12.09.2013

18:28 Uhr

Computerhersteller

Dell darf Dell kaufen

In einem Studentenwohnheim hat er seine Firma einst gegründet, nun kauft Michael Dell sein Lebenswerk wieder komplett zurück. Er will den Computerbauer von der Börse nehmen und in Ruhe sanieren.

Michael Dell hat gut Lachen: Der Gründer des Computerherstellers Dell kauft das Unternehmen zurück, der Deal ist gebilligt. Reuters

Michael Dell hat gut Lachen: Der Gründer des Computerherstellers Dell kauft das Unternehmen zurück, der Deal ist gebilligt.

AustinFirmengründer Michael Dell kann den kriselnden PC-Hersteller für rund 25 Milliarden Dollar übernehmen. Die Aktionäre nahmen - auf Basis vorläufiger Daten - die umstrittene Offerte von Dell am Donnerstag in Austin an. Der 48-Jährige kann damit schon bald sein Lebenswerk von der Börse nehmen und ohne Störfeuer anderer Investoren in Ruhe sanieren. Die Transaktion ist eine der größten Übernahmen des Jahres. Auch ein Sondergremium im Unternehmen, das die Pläne Dells unabhängig prüfen sollte, stimmte dem Vorhaben zu. Damit endet eine monatelange Hängepartie. Dell-Aktien legten an der New Yorker Börse leicht zu und kosteten 13,87 Dollar.

Dell wird das Unternehmen mit Hilfe des Finanzinvestors Silver Lake kaufen. Beide hatten sich lange gegen eine Aufstockung der ursprünglichen Offerte gesträubt, dann aber doch nachgelegt. Zuletzt stand das Angebot bei 13,75 Dollar je Aktie plus eine Sonder-Dividende von 13 Cent pro Anteilsschein.

Das Votum war mehrfach verschoben worden, weil es viel Widerstand gegen die Pläne gab. Nachdem Dell aber seine Offerte aufstockte und sich zuletzt mit dem einflussreichen Investor Carl Icahn der härteste Kontrahent zurückzog, war der Weg frei. Auch die Miteigentümer Southeastern Asset Management und T. Rowe Price hatten sich lange kritisch geäußert. Vielen war der gebotene Preis schlicht zu niedrig.

Die Geschichte von Dell

Firmengründung

Michael Dell gründet seine erste Firma 1984 – da ist er gerade 19 Jahre alt und bereitet sich auf ein Medizinstudium in Austin im US-Bundesstaat Texas vor. PC's Limited baut Computer zusammen, die die Kunden – Firmen und Bastler – selbst konfigurieren können. Nach einem Jahr bricht der Jungunternehmer die Uni ab und macht sich mit einem Zuschuss der Familie selbständig.

Erster Computer

1985 gestaltet die Firma ihren ersten eigenen Computer, den Turbo PC. Er hat einen acht Megahertz schnellen Intel-Prozessor und eine Zehn-Megabyte-Festplatte an Bord, außerdem ein Floppy-Laufwerk für 5,25-Zoll-Disketten. Michael Dell verkauft die Geräte direkt an die Nutzer – in Fachmagazinen wirbt er mit niedrigen Preisen. Bestellt wird per Telefon.

Börsengang

Der Direktverkauf zieht dank niedriger Preise viele Kunden an – die Firma wächst rasant und geht bereits 1988 unter dem Namen Dell Computer an die Börse. Sie sammelt 30 Millionen Dollar ein und wird mit 85 Millionen Dollar bewertet.

Erstes Laptop

Das erste Laptop der Firma Dell kommt 1989 auf den Markt: Das 316LT wiegt rund 6,8 Kilogramm. Bei den bald sehr populären mobilen Rechnern setzen allerdings zunächst andere Hersteller die Trends.

Vertrieb übers Internet

Als eines der ersten Unternehmen nutzt Dell die Möglichkeiten des World Wide Web, bereits 1996 geht die Website dell.com online. Schon bald macht die Firma damit ordentliche Umsätze.

Die Nummer 1

Anfang des Jahrtausends macht Dell alles richtig: Die Lieferkette ist schlank, der Vertrieb effizient. Im Jahr 2000 ist Dell der größte PC-Hersteller der Welt. Allerdings zeichnet sich bereits ab, dass die Konkurrenz dazulernt.

Der Gründer tritt ab und kehrt zurück

2004 zieht sich Michael Dell aus dem operativen Geschäft der Firma zurück. Den Chefposten übernimmt Kevin Rollins. Er hat allerdings wenig Glück: Die Resultate enttäuschen. 2007 muss er gehen – und Gründer Michael Dell kehrt an die Spitze zurück.

Der Konsument im Fokus

Der neue alte Chef versucht, attraktive Geräte für Verbraucher zu entwickeln. Zudem verkauft Dell seine Rechner nun auch im Einzelhandel – allerdings zulasten der Marge. Im Wettbewerb mit Hewlett-Packard, Apple und etlichen asiatischen Anbietern verliert Dell allerdings immer mehr an Boden. Den Trend zu Smartphones und Tablets verschläft Dell fast komplett.

Vorstoß ins Service-Geschäft

Um sich breiter aufzustellen, kauft Dell mehrere Anbieter von IT-Dienstleistungen. So übernimmt der Konzern 2009 Perot Systems für 3,9 Milliarden Dollar.

Dem Konzern Dell setzt zu, dass der Markt für klassische Computer stark schrumpft. Den Trend zu Tablet-PCs - angestoßen durch den Erfolg von Apples iPad - hat Dell verpasst. Trotz teurer Akquisitionen ist Dell noch immer stark vom Verkauf herkömmlicher PCs abhängig. Zuletzt war der Quartalsgewinn um fast drei Viertel eingebrochen, weil das Unternehmen seine Produkte nur noch mit hohen Rabatten absetzen kann.

Nun soll das 1984 mit 1000 Dollar von Dell in einem Studentenwohnheim gegründete Unternehmen nach dem Vorbild von IBM umgebaut werden. Die Ausrichtung soll künftig stärker auf dem Service-Geschäft für Unternehmenskunden liegen. Der komplizierte Umbau kann laut Michael Dell am besten gelingen, wenn es keinen Druck durch Quartalsberichte gibt, wie sie an der Börse üblich sind.

Weil der PC-Markt auch 2013 und 2014 kleiner werden dürfte, gibt es vielen Experten zufolge keine Alternative zu einer umfassenden Restrukturierung. Allerdings fürchten manche Analysten, dass sie für Dell zu spät kommt. Denn der Service-Bereich für Unternehmen ist bereits von IBM und Hewlett-Packard besetzt.

Wie schon zuvor stieß das Angebot von Michael Dell bei der außerordentlichen Hauptversammlung des Konzerns auf sehr unterschiedliche Reaktionen. „Ich habe dieses Mal dafür gestimmt, weil ich keine Zukunft für Dell als börsennotiertes Unternehmen sehe“, sagte Asoka Kodali, ein Aktionär aus Austin. Vince Dungan aus dem texanischen Elgin stimmte indes gegen den Deal. Wie viele andere Aktionäre werde auch er Geld verlieren. Denn er habe die Aktien zwischen 55 und 65 Dollar erworben. Nun drohe ihm ein Verlust von rund 25.000 Dollar. „Wenn Michael Dell die Firma abseits der Börse sanieren kann, warum kann er es dann nicht auch an der Börse?“, kritisierte Dungan.

Von

rtr

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