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02.01.2009

14:46 Uhr

Computerhersteller

Michael Dells Hoffungsträger müssen gehen

Nach der Umstruktierung ist vor der Restrukturierung: Der weltweit zweitgrößte Computerhersteller Dell baut wieder um. Zwei Jahre nach der Rückkehr von Gründer Michael Dell kämpft der PC-Hersteller mit einer anhaltender Absatzschwäche. Nun haben sogar zwei einstige Hoffungsbringer ausgedient.

Gründer Michael Dell kämpft mit dem Kurs des Unternehmens. Nun müssen zwei von Dell geholte Führungskräfte das Unternehmen verlassen. Foto: ap Quelle: ap

Gründer Michael Dell kämpft mit dem Kurs des Unternehmens. Nun müssen zwei von Dell geholte Führungskräfte das Unternehmen verlassen. Foto: ap

FRANKFURT. Der weltweit zweitgrößte Computerhersteller Dell will sich mit einer neuen Struktur gegen die Absatzschwäche stemmen. Nachdem das Privatkundengeschäft umgebaut wurde, soll nun das Geschäft mit Firmenkunden zentralisiert werden, teilte der Konzern mit. Gleichzeitig verlassen zwei Spitzenmanager das Unternehmen.

Das Geschäft mit Firmenkunden wird laut Dell in drei Bereiche aufgeteilt, die sich an der Kundengröße orientieren. Damit wird es künftig keine einzelnen Landesgesellschaften geben, sondern weltweite Bereiche für Großkunden, für kleinere und mittlere Unternehmen. Hinzu kommt als vierter Bereich die öffentliche Hand.

Der Umbau zeigt, dass der vor zwei Jahren an die Konzernspitze zurückgekehrte Gründer Michael Dell immer noch Schwierigkeiten hat, den einstigen Star unter den PC-Herstellern wieder auf Kurs zu bringen. Deutlichstes Indiz dafür: Produktionsvorstand Mike Cannon und Marketingvorstand Mark Jarvis, beide hatten erst 2007 in der neuen Ära von Michael Dell ihren Job begonnen, verlassen denKonzern.

Cannon, der zuvor Vorstandsvorsitzender des Auftragsfertigers für die Technologieindustrie Solectron war, sollte das Bestreben des Konzerns umsetzen, verstärkt auf Vertragsfertiger zurückzugreifen, um die Produktionskosten zu senken. So ist der Konzern gerade dabei, einen Produktionsstandort für Desktop-PCs in Austin, Texas zu schließen. Cannon wird sich zum 31. Januar in den Ruhestand verabschieden. Sein Nachfolger wird Jeff Clarke. Der Leiter der Geschäftskundensparte wird zusätzlich die Sparte Global Operations verantworten. Jarvis, der von dem Softwarekonzern Oracle kam, sollte Dells Image als Hersteller langweiliger Massenwaren hin zu innovativen Computern vorantreiben. Jarvis geht zum Ende dieses Quartals und wird von Erin Nelson ersetzt, der bisher das Marketing in Europa leitet. Laut Konzernchef Dell bleiben sowohl Cannon als auch Jarvis den Unternehmer in beratender Funktion verbunden – wie es so schön heißt.

„Das ist eine große Restrukturierung“, sagte Tim Ghriskey, Investmentmanager bei Solaris Asset Management, dem Wall Street Journal. Er rechnet mit positiven Effekten aus den Veränderungen. Ben Reitzes von der Investment Bank Barclays Capital dagegen bewertet den Abgang von Vorstandsmitgliedern negativ: „Der Weggang der Vorstandsmitglieder könne darauf hinweisen, dass Dells Richtungsänderung stockt.“

Dell, das einstige Vorzeigeunternehmen in der Computerbranche, steckt mitten in einem Sparprogramm. Von mittlerweile rund 9000 Mitarbeitern hat sich der Konzern getrennt. Shannon Cross von dem Finanzanlayse-Unternemens Cross Research Group erwartet weitere Entlassungen in der ersten Jahreshälfte und warnt davor, dass die Restrukturierung Verbraucher verprellen und die bestehende schlechte Hardware-Nachfrage verschärfen könnte.

Dell hat an der Börse alleine im Jahr 2008 fast 60 Prozent an Wert verloren. Im vergangenen Quartal waren Umsatz und Ergebnis gegenüber dem Vorjahresquartal erneut gesunken. Am Mittwoch stieg die Dell-Aktie zweitweise um 1,6 Prozent auf 10,40 Dollar.

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