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04.04.2013

12:55 Uhr

Computermarkt im Wandel

Tatschen statt klicken

VonChristof Kerkmann

Fass mich an: Tablet-Computer mit Touchscreen werden immer beliebter – schon bald dürften sie klassischen PCs mit Maus und Tastatur den Rang ablaufen. Für etliche Hersteller ist das eine schlechte Nachricht.

Dank niedriger Preise und großer Auswahl werden Tablet-Computer immer beliebter. dapd

Dank niedriger Preise und großer Auswahl werden Tablet-Computer immer beliebter.

DüsseldorfTatschen statt klicken: Der Computermarkt ist nach Ansicht von Experten inmitten einer fundamentalen Umwälzung. Tablet-Computer lösten den klassischen PC in den nächsten drei Jahren als beliebtestes digitales Gerät ab, erklärte das Marktforschungsunternehmen Gartner am Donnerstag.

Niedrigere Preise, eine große Auswahl an Gerätetypen und die Popularität von Apps lassen den Absatz von iPad, Galaxy Tab und Co demnach in den nächsten Jahren hochschießen. Dagegen sinkt die Nachfrage nach stationären PCs und Notebooks, weil Nutzer und Unternehmen solche Geräte immer seltener ersetzen. PC-Hersteller wie Dell und Hewlett-Packard dürfte dieses Ergebnis alarmieren.

Insgesamt werden in diesem Jahr voraussichtlich 2,4 Milliarden Computer verschiedenster Größen verkauft – ein Plus von 9 Prozent, wobei allein 1,88 Milliarden davon Handys und Smartphones sind. Tablet-Computern gelang erst 2010 der Durchbruch, inzwischen sind die flachen Geräte für viele Nutzer nicht mehr wegzudenken. Gartner erwartet, dass die Hersteller in diesem Jahr 197 Millionen Geräte verkaufen, im kommenden Jahr bereits 266 Millionen. 2017 sollen es sogar 468 Millionen Stück sein.

Tablet-Markt: Apple gegen den Rest

iPad

Apple hat mit dem iPad die Nase vorn: 2012 dürfte der Konzern nach Einschätzung des IT-Marktforschungsunternehmens Gartner 73 Millionen Geräte abgesetzt haben – das entspricht einem Marktanteil von gut 61 Prozent. Endgültige Zahlen für das Gesamtjahr liegen allerdings noch nicht vor.

Android

Bei den Smartphones ist Android das mit Abstand am häufigsten installierte Betriebssystem, nicht jedoch bei den Tablets. Die verschiedenen Hersteller verkauften 2012 zusammen voraussichtlich 38 Millionen Geräte, ein Marktanteil von 32 Prozent. Darin ist das Kindle Fire von Amazon, auf dem eine modifizierte Android-Version zum Einsatz kommt, enthalten. Immerhin bedeutet das eine deutliche Steigerung: 2011 verkauften die Android-Hersteller nur 17 Millionen Geräte (29 Prozent Marktanteil).

Windows 8

Windows spielt bei den Tablet-Computern noch keine Rolle, doch das sollte sich mit dem Start von Windows 8 im Herbst 2012 ändern. Das neue Betriebssystem von Microsoft eignet sich auch für die Touch-Steuerung der mobilen Geräte. Gartner geht davon, dass der Software-Konzern und seine Partner 2012 rund fünf Millionen Tablets verkauften – das entspräche 4 Prozent Marktanteil.

Playbook

Blackberry spielt mit seinem Playbook kaum eine Rolle. 2011 verkaufte Hersteller RIM weniger als eine Million Geräte mit dem Betriebssystem QNX, 2012 dürften es 2,6 Millionen gewesen sein (2,2 Prozent). Ob ein Gerät mit dem neuen Betriebssystem Blackberry 10 herauskommt, ist derzeit noch nicht bekannt.

Der Markt für klassische Rechner schrumpfe dagegen in den kommenden Jahren weiter. Der Absatz sinke von 315 Millionen Geräten in diesem Jahr auf 302 Millionen im kommenden Jahr. 2017 sollen es nur noch 272 Millionen sein. Diesen Niedergang dämpfen sogenannte ultramobile Computer – darunter verstehen die Marktforscher sehr leichte Notebooks sowie Hybridgeräte mit Touchscreen und Tastatur, die sich aufgrund ihrer Ausstattung auch für Produktivitäts-Software eignen. In diesem Jahr verkaufen die Hersteller davon nach Gartner-Einschätzung 24 Millionen Geräte, im kommenden Jahr 39 Millionen. Bis 2017 steige der Absatz auf 96 Millionen Stück.

Die sinkende PC-Nachfrage „spiegelt einen langfristigen Wandel im Nutzerverhalten wider“ und sei nicht etwa der konjunkturellen Delle geschuldet, betonte Gartner-Analystin Carolina Milanesi im Gespräch mit Handelsblatt Online: „Tablet-Computer werden immer leistungsfähiger und gleichzeitig billiger.“ Vielen Nutzern reiche das aus, zumal der Rechner immer häufiger für den Medienkonsum genutzt werde – also zum Lesen, Spielen, Musik hören oder Filme gucken. Daher sei es nicht mehr nötig, sich wie in der Vergangenheit alle zwei Jahre einen neuen PC anzuschaffen.

Laptop und Tablet in einem: Hybrid-Geräte werden nach Einschätzung von Marktforschern immer beliebter. ap

Laptop und Tablet in einem: Hybrid-Geräte werden nach Einschätzung von Marktforschern immer beliebter.

Die Umwälzung des Marktes stellt PC-Hersteller wie Dell und Hewlett-Packard vor große Herausforderungen. Während ihr Kerngeschäft bröckelt, tun sie sich mit den neuen Geschäftsfeldern schwer. „In der PC-Welt waren die Margen zwar niedrig, aber es gab eine feste Hackordnung“, sagt Carolina Milanesi. Nun werde der Wettbewerb noch härter, weil sich neue Anbieter im Markt tummeln.

Auch zwei Schwergewichte der alten PC-Welt kämpfen mit der mobilen Revolution: Microsoft und Intel. Da mobile Geräte immer beliebter werden, gerät der Software-Hersteller mit seiner Windows-Software gegenüber den mobilen Betriebssystemen von Apple sowie Android von Google ins Hintertreffen. „Um relevant zu bleiben, muss Microsoft seine Präsenz bei Tablets und Smartphones ausbauen“, sagt Milanesi. Der Konzern hatte im Herbst sein Flaggschiff Windows überarbeitet für die Bedienung per Touchscreen tauglich gemacht. Die PC-Flaute setzt auch Chiphersteller Intel unter Druck, der sich im Geschäft mit Tablets und Smartphones ebenfalls schwer tut.

PC-Markt Deutschland

Nicht gut in Form

Der PC-Markt in Deutschland ist umkämpft. Der Absatz ist im dritten Quartal 2012 um 19 Prozent auf 2,68 Millionen Computer gesunken, wie das auf IT-Themen spezialisierte Marktforschungsunternehmen Gartner ermittelt hat. Belebung könnte allerdings die Markteinführung des neuen Microsoft-Betriebssystems Windows 8 gebracht haben – diese schlägt sich in den Zahlen noch nicht nieder.

Nummer 1: Lenovo

Die Nummer 1 in Deutschland ist Lenovo. Das chinesische Unternehmen verkaufte zwischen Juli und September 421.000 Geräte, ähnlich viele wie im Vorjahreszeitraum. Da der Markt schrumpfte, konnte Lenovo seinen Anteil damit auf 15,8 Prozent steigern.

Nummer 2: Acer

Acer musste massive Einbußen von mehr als 11 Prozent hinnehmen, verzeichnet aber trotzdem mit 14,7 Prozent etwas mehr Marktanteil als noch vor einem Jahr. 392.000 Geräte verkaufte das taiwanische Unternehmen in Deutschland.

Nummer 3: Hewlett-Packard

Noch bitterer lief es für Hewlett-Packard, einst die Nummer 1 im PC-Markt: Der US-Hersteller verkaufte im dritten Quartal nur noch 336.000 PCs, fast ein Drittel weniger als im Vorjahr. Der Marktanteil schrumpfte auf 12,6 Prozent.

Nummer 4: Dell

Dell verkaufte 206.000 PCs, rund 35.000 weniger als im dritten Quartal des Vorjahres – da andere Hersteller größere Einbußen hatten, stieg der Marktanteil damit aber leicht auf 7,7 Prozent.

Nummer 5: Asus

Ein besonders schlechtes Jahr hatte Asus: Der Absatz brach um 37,8 Prozent auf 196.000 Geräte ein. Marktanteil: 7,3 Prozent.

Große Auswirkungen des Tablet- und Smartphone-Booms erwartet Milanesi in den Schwellenländern. Viele Nutzer schafften sich dort als ersten Computer nicht einen PC an, sondern ein Smartphone oder Tablet. Damit seien sie an eine ganz andere Computer-Erfahrung gewöhnt: Für die meisten sei daher Googles Android das typische Gesicht eines Computers.

Kommentare (1)

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Harry-Wessling

04.04.2013, 14:18 Uhr

Unternehmen, die mit Apple-Lösungen das eigene Wachstum forcieren möchten, brauchen jetzt keine zweitklassige Microsoft-Lösung, sondern die Premium-Lösungen von Apple. "Doch diese Lösungen erfordern eine ganz andere Expertise, als sie derzeit von den Systemhäusern und Integratoren geliefert wird, damit der Philosophie- und Kulturansatz aufgeht", so Mac-Harry.

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