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09.05.2017

16:40 Uhr

Daimler, Allianz, Deutsche Bank

Der lange Weg zum Generalschlüssel fürs Web

VonIna Karabasz

Allianz, Daimler und andere deutsche Konzerne wollen einen Generalschlüssel für Online-Angebote schaffen. Doch dafür gibt es praktische und kartellrechtliche Hürden. Zudem sollten sich die Unternehmen beeilen.

Deutsche Konzerne wollen eine gemeinsame Plattform für ihre Internetdienste schaffen.

Generalschlüssel fürs Internet

Deutsche Konzerne wollen eine gemeinsame Plattform für ihre Internetdienste schaffen.

DüsseldorfDie Idee klingt einfach: Internetnutzer sollen es leichter haben, sich bei den verschiedenen Diensten anzumelden. Statt jedes Mal ein neues Benutzerprofil anzulegen, soll es eine Art Generalschlüssel für alle Websites geben. Dazu haben mehrere deutsche Konzerne, darunter die Allianz, Daimler und die Deutsche Bank, eine Kooperation geschlossen und diese am Montag präsentiert.

Wie dieses Ziel erreicht werden soll, ist jedoch noch unklar. Bisher ist das Projekt eine Absichtserklärung, die laut Unternehmen auch der Zustimmung der zuständigen Wettbewerbsbehörden bedarf. Welche genau das sind, steht offenbar noch nicht fest. Eine offizielle Anfrage beim Bundeskartellamt gibt es noch nicht. Aber vielleicht ist die Behörde auch gar nicht zuständig. Falls der Generalschlüssel nicht nur in Deutschland, sondern auch im Rest Europas angeboten werden soll, müssten sich die EU-Wettbewerbsbehörden wohl damit befassen.

Sechs Entwicklungen, die die kommenden Jahre beherrschen

Computing überall

Mobile Geräte bieten ständigen Online-Anschluss. Dadurch ist die kontinuierliche und damit aktuelle, weltweite Information der Nutzer, auch in der Produktion und im Handel, möglich.

Internet der Dinge (IoT)

Geräte tauschen untereinander und mit den Nutzern automatisch Infos aus. Etwa die Haushaltsgeräte mit dem Stromzähler, um die günstigsten Verbrauchszeiten herauszufinden.

3-D-Druck

Die neuen Drucker können fast jedes dreidimensionale Objekt herstellen. Typische Materialien sind Kunststoffe, Kunstharze, Keramiken und Metalle.

Big Data

Große Datenmengen, etwa aus dem IoT, von Social Media oder aus mobilen Geräten, werden automatisch analysiert und sind in Anwendungen eingebettet.

Intelligente Maschinen

Sie lernen selbstständig und handeln entsprechend dem Trends zur Industrie 4.0. Die smarten Maschinen gelten als Technologie, die vorhandene Geräte weitgehend ersetzt.

Systeme mit Umgebungsdaten

Sie erfassen, etwa via Sensoren, den Kontext der Nutzer und der Geräte und liefern ausgewählte Daten. Damit lassen sich zum Beispiel Sicherheitssysteme verstärken.

Quelle: Creditreform 1 2017

Ganz ohne behördliche Genehmigung wird es eher nicht gehen: „Wahrscheinlich wird eine Kartellbehörde der Kooperation zustimmen“, erklärt Dario Struwe, Kartellrechtler bei der Kanzlei FPS. „Einige der Teilnehmer sind riesige Konzerne, die Millionen Kunden haben. Die Behörden müssen in dem Fall dafür sorgen, dass der Markt offen bleibt.“

Allerdings haben die Konzerne mit ihrer Plattform so starke Konkurrenten, dass ihnen reichlich Spielraum bleibt. „Bei der Frage, ob eine Kooperation möglich ist, wird auch die Marktmacht der amerikanischen Anbieter wie Google oder Facebook betrachtet“, sagt Struwe. Da sei es wahrscheinlich, dass die Behörden einen großen Gegenspieler zu den Marktführern aus dem Silicon Valley zulassen.

2008 stellte Facebook seinen Generalschlüssel „Connect“ vor. Dieser hat seitdem offene Standards, auf die alle Unternehmen zugreifen können, zunehmend verdrängt. Auch zahlreiche andere Firmen bieten sich als Verwalter digitaler Identitäten an – unter anderem Google, Twitter, Microsoft, Linkedin und chinesische Konzerne. „Wir haben es im Moment mit einem Markt zu tun, der zur Ausbildung von monopolartigen Strukturen neigt“, erklärte Mirko Schiefelbein vom Thinktank Core, der die Plattform mitkonzipiert hat, dem Handelsblatt. Ziel sei es, „überhaupt einen Wettbewerb in Gang zu setzen.“

Anwalt Struwe schätzt deswegen die Chancen, dass die Kooperation durchgeht, sehr hoch ein. „Beim Online-Bezahlsystem Paypal konnte man sehen, wie schnell ein solches Angebot markbeherrschend ist“, sagt er. Deswegen hätten die Kartellbehörden auch den Zusammenschluss deutscher Banken für den konkurrierenden Dienst Paydirekt zugelassen.

Für das Bundeskartellamt ist es bei solchen Initiativen, die einen gemeinsamen Standard entwickeln wollen, generell wichtig, dass sie diskriminierungsfrei sind und keine Unternehmen außen vor bleiben, erklärt ein Sprecher. Allerdings könne sogar das gerechtfertigt sein, wenn es im Sinne des Verbrauchers sei. Größe an sich sei nicht verboten, solange andere nicht ausgeschlossen würden oder eigene Dienste bevorzugt werden.

Fünf Einfallstore für Hacker

„Todsichere Tipps“

Digitale Kompetenz ist im Mittelstand weiterhin ungleich verteilt. Der IT-Sicherheitsdienstleister Nexus hat fünf "todsichere Tipps" zusammengestellt für alle, die Opfer eines Hackerangriffs werden möchten.

Passwort mit weniger als acht Zeichen

Das zu knacken, dauert in der Regel nicht einmal eine Minute. Längere Passwörter sind zwar sicherer, empfehlenswert ist dennoch die Kombination mit einer weiteren Authentifizierungsmethode - beispielsweise einer Smartcard. Eine solche Zwei-Faktor-Authentifizierung bietet einen zuverlässigen Schutz und hilft, Sicherheitsrisiken zu vermeiden.

Verschiedene Schlüssel

Wer schon einmal seine Geldbörse oder seine Schlüssel verloren hat, weiß: Je mehr Schlüssel und je mehr Karten man besitzt, desto mehr Schlösser sind im Fall eines Verlusts oder Diebstahls auszutauschen und desto mehr Karten zu sperren. Wer sämtliche Zugänge auf einer geschützten Karte speichert, hat nicht nur eine bessere Übersicht über seine Datenträger, sondern muss sich bei Verlust auch nur noch um die Sperrung einer einzigen Karte kümmern.

Das passiert nur den anderen

Kein Unternehmen ist zu klein oder zu unwichtig für einen Cyberangriff. Zwar setzen viele IT-Chefs als gefährlich eingestufte Webseiten und Programme auf eine Blacklist - sicherer aber ist es, die als ungefährlich geltenden Programme über Whitelists zu erlauben und alle anderen Programme grundsätzlich zu blockieren. Whitelisting eignet sich besonders für vernetzte Geräte, die nur zu bestimmten Zwecken, aber von vielen verschiedenen Personen genutzt werden und selten Updates benötigen, etwa Drucker.

Unbekannte Links

Wer sie anklickt, lädt Erpresser geradezu ein: Die Wahrscheinlichkeit, Opfer dieser Form von Schadsoftware zu werden, hat sich 2016 noch einmal deutlich erhöht. Entdeckt wird eine Infektion mit Ransomware jedoch meist erst, nachdem das Programm die Daten des Nutzers verschlüsselt und unzugänglich gemacht hat. Um wieder auf die Daten zugreifen zu können, muss der Nutzer ein Lösegeld zahlen.

Updates alle drei Jahre

Eine Site, die nicht aktualisiert wird, ist ein Einfallstor für Datendiebe. Wer die Wartung und das Aktualisieren von Plug-Ins ignoriert und sich auf Instandhaltungsarbeiten alle drei Jahre verlässt, macht sich selbst zur Zielscheibe für alle, die Geheimnisse stehlen wollen. Also bitte keine Website online stellen und sie dann sich selbst überlassen.

Quelle: Creditreform 02 2017

Allerdings muss sich die Kooperation beeilen. Sie will beim Kunden auch mit den besonders starken europäischen Regeln zum Schutz ihrer Daten punkten. „Wir wollen, dass Nutzer die Kontrolle über ihre Daten behalten oder sie ihnen zurückgeben“, sagte Schiefelbein. Die amerikanischen Konkurrenten müssen es ihnen bald gleichtun. Ab Ende Mai 2018 gilt die EU-Datenschutzgrundverordnung, nach der sich Google, Facebook und Co. an hiesiges Recht halten müssen, auch wenn sie ihren Stammsitz in den USA haben.

Im Wettbewerb mit einer europäischen Konkurrenz könnte ihnen das sogar helfen, selbst wenn diese stark ist. „Wenn die amerikanischen Unternehmen ihren Datenschutzmalus los sind, gibt es kaum noch einen Grund für die europäischen Nutzer, von ihnen wegzugehen“, sagt Dario Struwe.

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