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16.04.2014

01:07 Uhr

Dank Alibaba

Yahoo-Aktien nach Quartalsbilanz im Hoch

VonAxel Postinett

Die Papiere des Tech-Veteranen machten nachbörslich einen gewaltigen Sprung. Yahoo selbst machte zwar bloß einen kleinen Schritt vorwärts. Doch Beteiligungen in China und Japan geben Chefin Mayer noch ein wenig Zeit.

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Wie Yahoo sich für die Zukunft fit machen will

Neue Strategien: Wie Yahoo sich für die Zukunft fit machen will

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New YorkEin Grund zum Feiern? Erstmals seit über einem Jahr wächst Yahoo wieder. Einen Anstieg des Umsatzes im ersten Quartal um ein Prozent auf netto 1,09 Milliarden Dollar konnte eine stolze Vorstandschefin Marissa Mayer am Dienstag vermelden. Die Aktie zog nachbörslich um fast neun Prozent an. Aber das ist nicht ihr Verdienst. Es ist Alibaba-Chef Jack Ma, der die Fäden in der Hand hält.

Einmal mehr zeigt der chinesische Webunternehmer Ma der früheren Google-Managerin wie man Geld verdient. Der Gewinn von Chinas größter E-Commerce-Seite Alibaba, an der Yahoo 24 Prozent hält, explodierte im vierten Quartal 2013 gegenüber Vorjahr um 110 Prozent auf 1,349 Milliarden Dollar. Der Gewinnanteil von 24 Prozent, der immer im Folgequartal Yahoos Kassen füllt, sorgte zusammen mit Yahoo Japan für einen Nettoertrag von 301 Millionen Dollar aus Kapitalanlagen, ein Plus von 39 Prozent.

Die heißen Smartphone-Dienste

Snapchat

Mit der Snapchat-App können Nutzer Textnachrichten, Fotos und Videos verschicken, die sich nach einem kurzen Zeitraum selbst löschen. Gerade unter Jugendlichen ist die Anwendung beliebt – vermutlich nicht selten für Anzüglichkeiten. Die Gründer lehnten mehrere milliardenschwere Übernahmeangebote ab, auch Facebook ließen sie abblitzen.

Instagram

Ein Produkt des Smartphone-Zeitalters ist der Foto-Dienst Instagram: Er war von vornherein nur für mobile Geräte ausgelegt. Nutzer können Fotos und Videos aufnehmen, mit Filtern aufpeppen und hochladen. Das Prinzip von Instagram erinnert an Twitter, nur dass es hier ausschließlich um Bilder geht. Facebook übernahm den Dienst 2012 für umgerechnet eine Milliarde Dollar.

Pinterest

Beim Fotodienst Pinterest sammeln die Nutzer Bilder von verschiedenen Websites in digitalen Notizbüchern – meistens mit dem Smartphone. Die Entwicklung von Pinterest wird von Urheberrechtssorgen begleitet: Die öffentlichen Sammlungen könnten nach Ansicht einiger Experten als Urheberrechtsverletzung ausgelegt werden. Das Unternehmen hat inzwischen eine Milliardenbewertung.

Whatsapp

In immer mehr Ländern wird Whatsapp zum SMS-Ersatz. Der Dienst erlaubt es, Kurznachrichten, Bilder und Videos über Internet zu verschicken. Die App läuft auf sämtlichen Betriebssystemen. Trotz etlicher Sicherheitspannen gehört Whatsapp zu den beliebtesten Smartphone-Anwendungen, sie hat nach Unternehmensangaben 500 Millionen Nutzer. Facebook hat das Start-up für 22 Milliarden Dollar übernommen.

Line

Ähnliche wie Whatsapp funktioniert Line, eine App mit asiatischem Ursprung. Sie bietet Instant Messaging für Smartphone und PC. Nutzer können nicht nur Textnachrichten, Fotos und Videos tauschen, sondern auch Telefonate führen. Eine Besonderheit sind virtuelle Sticker, die man in einem Shop kaufen kann.

Vine

Mit dem Dienst Vine können Nutzer bei Twitter sechs Sekunden kurze Videoschnappschüsse hochladen, die in einer Endlosschleife laufen. Der Zwitscherdienst übernahm das Start-up nur wenige Monate nach dessen Gründung im Sommer 2012. Vine hat nach Angaben vom Sommer 40 Millionen Nutzer.

Periscope

Videoübertragungen in Echtzeit ermöglicht der Dienst Periscope, der zu Twitter gehört. Die Bedienung ist bewusst einfach gehalten: App öffnen, „Broadcast“ klicken – schon beginnt der Live-Stream. Ein konkurrierendes Angebot ist Meerkat.

Tumblr

Twitter ist kurzatmige Internet-Kommunikation, Blogs lassen sich mehr Zeit. Irgendwo dazwischen befindet sich Tumblr, ein 2007 gegründeter Web-Dienst für das unkomplizierte Veröffentlichen im Netz. Ähnlich wie bei Twitter kann man bei Tumblr anderen Nutzern folgen und sieht dann deren Beiträge im sogenannten Dashboard, einer Übersichtsseite. 2013 übernahm Yahoo das Start-up für 1,1 Milliarden Dollar.

Zum Vergleich: der gesamte Nettogewinn Yahoos im Quartal lag bei 312 Millionen Dollar, ein Minus von 20 Prozent. Mit anderen Worten: Ohne das gesamte eigene Geschäft hätte es wohl nicht viel schlechter ausgesehen um Yahoo. Für Mayer ist es trotzdem ein Erfolg. Sie hat zumindest bewiesen, dass sie in der Lage ist das Geschäft zu stabilisieren. Das war das „erste Quartal“ auf dem Weg zum Turnaround, von dem sie schon lange sage, dass er Jahre dauern werde, erklärte sie am Dienstag.

Die Sorgenkinder sind noch immer die Gleichen. Das Geschäft mit Displayanzeigen wie Banners und Videowerbung stagniert. Einem Plus von sieben Prozent bei verkauften Anzeigen stand ein Minus von fünf Prozent bei den Preisen gegenüber. Das Suchmaschinengeschäft erholt sich mit plus neun Prozent auf netto 444 Millionen Dollar nur langsam. Zur Milliarden-Aquisition Tumblr gab es keine erhellenden Erkenntnisse, was den finanziellen Beitrag angeht. Hier warten die Analysten begierig auf Klarheit. Einziger Hinweis: die Zahl der monatlichen aktiven Nutzer per Mobile wuchs bei der Blog-Plattform im Quartal um 71 Prozent.

Schwacher Mobil-Umsatz

Überhaupt hat Yahoo mittlerweile 430 Millionen mobile Nutzer, was eigentlich nur die Frage in den Raum stellt, warum damit nicht so viel Geld verdient wird wie drüben bei der Konkurrenz Facebook? Da kommt mittlerweile die Hälfte des Umsatzes aus dem Mobile-Bereich.

Kaum Fortschritte bei der Monetarisierung, anämisches Wachstum in Boomzeiten, unklare Strategie. Das alles ist aber Nebensache, so lange die Alibaba-Phantasie den Kurs auf immer neue Höhen treibt. Bis zu 15 Milliarden Dollar könnte der kommende Börsengang des chinesischen Webriesen einspielen, und ein guter Teil davon würde bei Yahoo landen. Keine Frage, dass Investoren-Aktivisten auf eine zügige Ausschüttung des Geldregens drängen werden. Bis dahin hat Marissa Mayer Schonfrist.

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