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11.10.2013

15:27 Uhr

Dank Steuertrick

Google schiebt Milliarden auf die Bermudas

8,8 Milliarden Euro hat der Internetriese Google ins Steuerparadies Bermudas verschoben. Durch den Trick zahlt das Unternehmen weniger Steuern. Google betont, sich an alle Gesetze zu halten.

Steueroptimierung ist unter Technologiekonzernen verbreitet – Google verschiebt Lizenzzahlungen in Niedrigsteuerländer. ap

Steueroptimierung ist unter Technologiekonzernen verbreitet – Google verschiebt Lizenzzahlungen in Niedrigsteuerländer.

BerlinDer Internetriese Google hat einem Zeitungsbericht zufolge riesige Gewinne in das Steuerparadies Bermudas verschoben. Insgesamt seien 8,8 Milliarden Euro Lizenzzahlungen auf die Bermudas geflossen, ein Viertel mehr als noch 2011, berichtet die „Financial Times“ (Freitag). Daher zahle Google im Ausland nur etwa fünf Prozent Steuern. Die Zeitung berief sich auf Unterlagen einer Google-Tochterfirma in den Niederlanden.

Google betonte, dass sich das Unternehmen an die Steuergesetze in allen Ländern halte, in denen es operativ tätig sei. „Wenn Politikern diese Gesetze nicht gefallen, haben sie die politische Macht, sie zu ändern“, sagte ein Google-Sprecher. „Insgesamt lag unser effektiver Steuersatz im Jahr 2012 weltweit bei fast 20 Prozent.“

Der Internetkonzern steht insbesondere in Großbritannien wegen der Verlagerung seiner Gewinne in Länder, in denen kaum Steuerzahlungen fällig werden, in der Kritik. Der Anstieg der Zahlungen an die Bermudas gehe auch mit dem Umsatzwachstum von Google einher, schreibt die „Financial Times“.

Was US-Konzerne über ihre deutsche Steuerlast verraten

Amazon

Länderspezifische Zahlen weist das Unternehmen nicht aus. Man zahle aber alle anwendbare Steuern in jedem der Länder, in denen das Unternehmen tätig ist. Details für Großbritannien zeigen, dass der Konzern dort keinerlei Unternehmenssteuern zahlt.

Apple

Ein Apple-Sprecher macht es kurz: "Apple gibt keine regionalen Zahlen bekannt, daher kann ich Ihnen keine Gewinn- bzw. Steuerangaben für Deutschland nennen." Ähnlich wie bei Amazon erbringt die deutsche Apple GmbH lediglich Dienstleistungen für mit Apple verbundene Unternehmen.

Die Gesellschaft meldete einen Umsatz von 53 Millionen Euro im Geschäftsjahr bis Ende September 2011 und zahlte fast sieben Millionen Euro Steuern. Die Apple Retail GmbH machte im selben Zeitraum einen Umsatz von 174 Millionen Euro, meldete aber einen Verlust in Höhe von 3,5 Millionen Euro. Die GmbH verzeichnete eine Steuerrückzahlung von 201.493 Euro.

Google

Die Google Germany GmbH meldet für 2011 eine Umsatz in Höhe von 190 Millionen Euro und einen Gewinn in Höhe von 16,2 Millionen Euro. Die abgeführten Steuern betragen 5,3 Millionen Euro.

Microsoft

Das Unternehmen rechnet vor, 31 Prozent Unternehmenssteuer auf den Gewinn gezahlt zu haben. "Bei der Betrachtung der Steueraufkommens, das mit Microsoft insgesamt verbunden ist, ist zu beachten, dass der bei weitem größte Anteil des Umsatzes/Gewinns/Steueraufkommens über unsere 38.000 Partnerunternehmen erbracht wird", so ein Sprecher. Der Finanzbericht der Microsoft Deutschland GmbH (für das Geschäftsjahr bis Ende Juni 2011) weist einen Umsatz von 682 Millionen Euro aus und eine Steuerlast in Höhe von etwas über 29 Millionen Euro.

Starbucks

Insgesamt 160 Filialen hat die Kaffeehaus-Kette Starbucks in Deutschland. Eine Sprecherin teilt mit: Starbucks [hat] es niemals umgangen, in Deutschland Steuern zu zahlen. In den vergangenen drei Jahren haben wir Steuern in Höhe von insgesamt mehr als 19 Millionen Euro bezahlt, unter anderem für Sozialversicherung und Unternehmenssteuer."

Das die Sozialversicherung in diese Angabe mit eingezogen wird, dürfte einen guten Grund haben. Denn für das Geschäftsjahr 2010/11 hat die Starbucks Coffee Deutschland GmbH einen deutlichen Verlust gemeldet und darin keine Hoffnung geweckt, dass sich die Lage bessern könnte. "Aufgrund des Jahresfehlbetrages des Geschäftsjahres sowie der Verlustvorträge ergibt sich kein Steueraufwand", heißt es im Jahresbericht.

Über die Konstruktion würden Gewinne zunächst über Google in Irland abgerechnet, wo das Unternehmen seinen Europasitz hat. Die irische Tochter überweise das Geld dann an eine niederländische, die es wiederum an eine weitere irische Tochterfirma mit dem Namen Google Ireland Holdings übertrage.

Diese Holding werde von den Bermudas aus kontrolliert, weswegen sie nach irischem Steuerrecht als dort ansässig gelte. Aufgrund der Wege über Irland mit Zwischenstopp in den Niederlanden sei dieser Steuertrick als „Double Irish with a Dutch Sandwich“ bekannt.

Von

dpa

Kommentare (17)

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Ludwig500

11.10.2013, 16:46 Uhr

Zitat:

"Wenn Politikern diese Gesetze nicht gefallen, haben sie die politische Macht, sie zu ändern“, sagte ein Google-Sprecher

Ja, und wenn grossen Konzernen die Politiker nicht gefallen haben sie die Macht, diese durch andere zu ersetzen. Gerade in den USA, wo ohne finanzielle Zuwendungen kein Wahlkampf zu gewinnen ist.

Google zahlt seine Steuern im Übrigen nicht in Geld, sondern mit interessanten Daten, aber das darf man natürlich nicht offiziell sagen.

wolfsziege

11.10.2013, 16:52 Uhr

Diese Verbrecher haben kein Heimatbewusstsein. Da geht die Heimat, in der sie reich wurden, bankrott und sie flüchten geschmackloser als Robin Hood auf eine Insel.

Account gelöscht!

11.10.2013, 17:10 Uhr

Sorry, aber das ist m.E. ein wenig zu kurz gesprungen. Betriebe, egal, ob der kleine Handwerksbetrieb um die Ecke oder der große, internationale Konzern, sind keine karitativen Einrichtungen. Man bezahlt Steuern, soweit man durch Gesetze dazu *gezwungen* wird, und nutzt ansonsten jede legale Möglichkeit, diese zu minimieren. Keiner, der seinen betriebswirtschaftlichen Verstand beisammen hat, zahlt auch nur einen einzigen Cent mehr an Steuern, als er unbedingt muß.
Nur haben eben weltweit agierende Konzerne mehr Möglichkeiten und beschäftigen eine Menge tüchtiger Steuerexperten, die diese Möglichkeiten systematisch suchen und ausnutzen.
Politiker, die darüber erzürnt sind, sind entweder naiv und unfähig oder sollten vielleicht mal überlegen, ob sie ihre Hausaufgaben richtig gemacht haben. Das der Staat üblicherweise ein Ausgaben- hat und kein Einnahmenproblem hat (vulgo Verschwendungssucht genannt), kommt noch dazu, hat aber nichts direkt mit Google zu tun.

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