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12.01.2005

07:53 Uhr

Das britische Beteiligungsunternehmen 3i steigt beim Kölner Großhändler Zanolli ein

Frisches Kapital für Billigbuchhändler

VonChristoph Schlautmann

Die britische Investmentgesellschaft 3i steigt über ihre Deutschlandtochter in den deutschen Buchmarkt ein und übernimmt eine 25-Prozent-Beteiligung am Kölner Billigbuchlieferanten Zanolli.

DÜSSELDORF. „Wir haben uns kurz vor Weihnachten auf ein Finanzierungspaket geeinigt, das 20 Mill. Euro umfasst“, sagte 3i-Deutschlanddirektor Robert Stein dem Handelsblatt.

Damit dürfte der Boom der Billigbücher einen neuen Schub erhalten: Zanolli hat sich in den sechs Jahren seit seiner Gründung, weitgehend unbemerkt von den Endkunden, in der Branche zu einer großen Nummer entwickelt. Der Großantiquar beliefert nicht nur Buchketten wie Hugendubel, Meyersche Buchhandlung, Weltbild oder Bertelsmann- Clubs mit preisreduzierter Lektüre. Zu den Hauptkunden zählen auch branchenfremde Anbieter wie die Metro-Tochter Real, Häuser von Rewe, Toys’R’Us sowie Karstadt und Kaufhof.

„Wir sind gerade dabei, im siebten Jahr in Folge unseren Umsatz zu verdoppeln“, sagt Unternehmensgründer Guido Zanolli, 45, der gemeinsam mit seinem Bruder Bruno, 39, die restlichen Firmenanteile hält. „Dabei haben wir nicht einen einzigen Kunden aktiv akquiriert.“ Die Zahl der Mitarbeiter stieg inzwischen auf 300. Mit Hilfe von 3i will Zanolli nun seine Organisation der neuen Größe anpassen.

Das Credo aber bleibt: Nur was billig ist, passt ins Sortiment. 12 500 bis 15 000 Artikel hat Zanolli permanent in seinen 45 000 Quadratmeter großen Hallen auf Lager, hauptsächlich Remittenten und Produktionsüberhänge fremder Verlage, die nicht mehr der Preisbindung für Bücher unterliegen.

Vor vier Jahren haben die Brüder zudem den Karl-Müller-Verlag erworben, in dem abgelaufene Drucklizenzen zweitverwertet werden. Eine Belletristik-Erstausgabe etwa von Random House, die ursprünglich für 19,90 Euro zu haben war, bieten die Kölner nun unter dem Label „Candide“ für weit unter zehn Euro. Im Programm sind neben Bildbänden auch Kochbücher, Kinderbücher und Kalender. „Wir führen über 1 000 Titel mit Startauflagen von bis zu 200 000 Exemplaren“, berichtet Guido Zanolli.

Artikel wie diese haben sein Unternehmen zum größten Billigbuchlieferanten von Amazon.de gemacht. Schließlich liegen die Zweitverwertungen 50 bis 70 Prozent unter dem bisherigen Ladenpreis.

Umsatzzahlen gibt der Buchgroßhändler nicht bekannt, doch die Erlöse dürften beachtlich sein. Mit einer Jahresleistung von 34 Mill. Büchern stammte bereits jedes zwanzigste Werk, das zuletzt in Deutschland über den Ladentisch ging, aus der Hand der Zanolli-Brüder.

Der Vormarsch der Billigbuch- anbieter, zu denen inzwischen auch die Zeitungsverlage von „Bild“ und „Süddeutscher Zeitung“ (SZ) zählen, machte sich in dem neun Mrd. Euro schweren Gesamtmarkt bemerkbar. Der Durchschnittspreis verkaufter Hardcover ist laut Fachblatt „Buchreport“ im vergangenen Jahr um 13 Prozent gesunken.

Doch während die Verlage von „Bild“ und „SZ“ in der Branche auf scharfe Kritik stoßen, weil sie die Lizenzen aktueller Bestseller erwerben und anschließend mit Schleuderpreisen auf den Markt gehen, pflegen viele Buchhändler mit Zanolli ein partnerschaftliches Verhältnis. „Der Großhändler vermarktet im Gegensatz zu den Zeitungs-Bibliotheken schließlich nur Produktionsüberhänge“, sagt Thalia-Geschäftsführer Michael Busch. Damit könne man nicht nur gut leben, berichtet Deutschlands größter Buchhändler, man beziehe auch selbst regelmäßig Ware von den Kölnern.

Der Beteiligungsfirma 3i eröffnet das rasche Wachstum des Billigbuchhändlers lukrative Perspektiven. „Auch ein Börsengang ist demnächst denkbar“, heißt es in der Düsseldorfer Niederlassung.

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