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31.05.2013

19:04 Uhr

Datendrosselung

Telekom könnte Kunden auch von eigenem Filmdienst ausbremsen

Nicht nur die Festnetznutzung, auch der TV-Dienst Videoload könnte von der Datendrosselung der Telekom betroffen sein. Das bestätigte der Konzern am Freitag. Die Telekom erwägt zwei Methoden für den Videodienst.

Die Telekom will offenbar nicht nur die Festnetznutzung drosseln. dpa

Die Telekom will offenbar nicht nur die Festnetznutzung drosseln.

BerlinBei der Deutschen Telekom könnten auch Teile des eigenen TV-Dienstes Entertain von der Tempo-Bremse im Festnetz betroffen sein. Der Konzern bestätigte am Freitag entsprechende Informationen der Tageszeitung „Die Welt“. Dabei geht es konkret um den Dienst Videoload, bei dem Filme aus dem Netz abgerufen werden können. Der kostenpflichtige Video-on-Demand-Dienst wird im Rahmen von Entertain angeboten.

Es sei noch offen, ob Videoload wie etwa die TV-Übertragung als separat vergüteter „managed Service“ angeboten und damit nicht an dem Datenkontingent zehren werde, sagte ein Telekom-Sprecher. Die Alternative wäre, dass der Film-Dienst zu ähnlichen Konditionen wie Angebote der Wettbewerber als reiner Internet-Service läuft. Dann müsste er aus der heutigen Entertain-Tarifstruktur ausgekoppelt werden.

Die Telekom hatte zu Beginn der Diskussion um die Tempo-Bremse für Viel-Nutzer lediglich erklärt, Entertain werde als gesondert regulierter Mediendienst bei der Berechnung des Datenverbrauchs ausgenommen. Die Unterscheidung zwischen TV-Übertragungen und Videoload wurde bis Freitag nicht hervorgehoben. Einer der zentralen Kritik-Punkte in den vergangenen Wochen war, dass die Telekom mit der Ausnahme für Entertain gegen das Gebot der Netzneutralität gegenüber Konkurrenzdiensten etwa von Apple oder Amazon verstoße.

Q&A zur Tempodrosselung der Telekom

Für wen gelten die Obergrenzen?

Zunächst einmal geht es nur um Neukunden, die einen Vertrag nach dem 2. Mai 2013 abgeschlossen haben. „Bestehende Verträge sind von den Änderungen nicht betroffen“, versprach die Telekom im Mai. Allerdings wird spekuliert, dass auch viele Bestandskunden von der Neuregelung betroffen sein könnten: Weil die Telekom ihr Festnetz auf die IP-Technologie umstellt, müssen Nutzer, die weiter einen schnellen Internetanschluss wollen, womöglich den Tarif wechseln – dann wären sie ebenfalls von der Drosselung betroffen. Die Telekom erklärt, dass man heute angesichts der rasanten Entwicklung der Branche nicht seriös sagen könne, welche Tarifmodelle in einigen Jahren gelten werden. Nach dem Urteil des Landgericht Köln ist aber ohnehin fraglich, ob die Geschäftsbedingungen Bestand haben.

Wer überschreitet die Datengrenze?

Das lässt sich heute mit Blick auf das Jahr 2016 schwer sagen. Der Telekom zufolge kommt ein Kunde heute im Schnitt auf Datenvolumen von 15 bis 20 Gigabyte im Monat. Das passt zwar mehrfach in die niedrigste angekündigte Datenobergrenze von 75 Gigabyte, die für Anschlüsse mit einer Geschwindigkeit von bis zu 16 Megabit pro Sekunde (Mbit / s) gilt. Allerdings nimmt der Konsum von Online-Videos rasant zu. Neue TV-Geräte sind internettauglich, Sender bauen ihre Mediatheken aus, immer mehr Dienste bieten Streaming von Filmen und Serien an. Bis 2016 kann der Datenhunger der deutschen Haushalte also noch stark wachsen.

Wie weit kommt man mit 75 Gigabyte?

Laut Telekom reicht das neben dem Surfen im Netz und dem Bearbeiten von Mails zum Beispiel für zehn Filme in herkömmlicher Auflösung sowie drei HD-Filme, 60 Stunden Internetradio, 400 Fotos und 16 Stunden Online-Gaming. Wenn solche Onlinedienste insbesondere in einem Haushalt mit mehreren Personen fest zum Alltag gehören, häuft sich locker eine höhere Nutzung an. Allerdings: Der hauseigene Telekom-Videodienst Entertain zehrt nicht an dem geplanten Datenkontingent.

Was ist mit anderen Anbietern?

Nach aktuellem Stand würden die Nutzung von Entertain-Konkurrenten wie Apples iTunes-Plattform, Amazons Streaming-Dienst Lovefilm oder des ähnlichen Angebots Watchever sowie von YouTube das Inklusivvolumen verbrauchen. Bis 2016 könnten die Anbieter aber noch Partnerschaften mit der Telekom abschließen, die ihnen für gesonderte Bezahlung einen „Managed Service“ garantiert. Dienste solcher Partner tasten das Datenkontingent ebenfalls nicht an. Oder die Anbieter könnten sich zum Kampf gegen die Regelung entschließen.

Was passiert nach Ausschöpfung des Volumens?

Entweder man begnügt sich mit zwei Megabit pro Sekunde, oder man bucht mehr Datenvolumen hinzu. Die Tarife dafür wurden von der Telekom noch nicht genannt.

Gibt es noch eine echte Flatrate?

Die Telekom betont, weiterhin eine echte Flatrate anzubieten, also einen Tarif ohne jede Begrenzung. Dafür will das Unternehmen 10 bis 20 Euro Aufschlag im Vergleich zu heute verlangen – den genauen Preis legt es erst später fest.

Drosseln andere Anbieter auch?

Telekom-Konkurrent Vodafone will nicht mitziehen: „Wir haben keine Pläne, die DSL-Geschwindigkeit unserer Kunden zu drosseln.“ Auch Unitymedia Kabel Baden-Württemberg erteilte einer Drosselung eine Absage: Bereits heute könnten Datenübertragungsraten von 150 Megabit pro Sekunde angeboten werden, die mit wenigen technischen Anpassungen auf 400 MBit/s erhöht werden könnten.

Bei Kabel Deutschland dagegen gibt es bereits Datengrenzen, sie funktionieren aber anders als bei der Telekom. So ist ein Tages-Volumen von 10 Gigabyte vorgesehen, nach dem das Tempo gedrosselt werden kann. Derzeit passiert es aber erst ab 60 GB am Tag. Und zum Beispiel bei 1&1 gehört das Prinzip fest zum günstigsten Tarif dazu: Bis 100 GB im Monat surft man mit bis zu 16 MBit pro Sekunde, danach nur noch mit der langsamsten DSL-Geschwindigkeit von 1 MBit/Sekunde.

Die Telekom hatte zum 2. Mai in den Geschäftsbedingungen für Neukunden eine Obergrenze für das monatliche Datenvolumen bei Festnetz-Flatrates eingeführt. Wird der Wert überschritten, kann die Geschwindigkeit der Internet-Verbindung drastisch gedrosselt werden. Die Telekom betont, dass die Tempo-Bremse frühestens im Jahr 2016 greifen solle. Auch danach solle es für einen Aufpreis von voraussichtlich 10 bis 20 Euro noch Flatrates mit unbegrenztem Hochgeschwindigkeits-Datenvolumen geben.

Die Telekom begründet die Daten-Obergrenze mit hohen Investitionen in den Ausbau der Netze bei sinkenden Umsätzen. Zugleich betont sie, dass die konkreten Eckpunkte bis 2016 noch an die Marktentwicklung angepasst werden sollen.

Von

dpa

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