Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.05.2016

13:03 Uhr

Datenleck bei Linkedin

Millionen Nutzer brauchen neues Passwort

Ärger für Linkedin-Nutzer: Millionen Kunden des Karrierenetzwerks müssen ihr Passwort schnellstens ändern. Hacker bieten die Informationen aus einem Datenleck im Netz zum Verkauf auf.

Daten des Karriere-Netzwerks bieten Hacker zum Verkauf an. dpa

Online-Netzwerk Linkedin

Daten des Karriere-Netzwerks bieten Hacker zum Verkauf an.

San FranciscoDas Karriere-Netzwerk Linkedin fordert Millionen seiner Nutzer zu einem schnellen Passwort-Wechsel auf, nachdem ein Hacker Informationen aus einem Datenleck von 2012 online zum Verkauf gestellt hat. Er ist nach eigenen Angaben im Besitz von 177 Millionen Datensätzen unter anderem mit Benutzernamen und Passwörtern, wie zunächst die Website „Motherboard“ am Mittwoch berichtete. Linkedin betonte, es handelte sich nicht um Beute aus einem aktuellen Angriff, sondern aus dem bekannten Fall von 2012.

Allerdings ist das Ausmaß weitaus größer, als zunächst angenommen. Vor vier Jahren war noch von 6,5 Millionen Nutzerdaten die Rede. Das kalifornische Unternehmen hatte seine Nutzer schon damals aufgerufen, ihr Passwort zu ändern. Linkedin erklärte, wenn die Passwörter seitdem nicht erneuert wurden, würden sie nun ungültig. Die Betroffenen würden informiert.

Attacken aus dem Netz

Hacker im Hochofen

Bereits im Jahr 2014 waren Hacker in das Netzwerk eines Stahlwerks eingedrungen. Sie übernahmen die Steuerung des Hochofens und beschädigten die Anlage massiv. Laut einer Analyse des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sind die Hacker durch E-Mails in das System gekommen und haben sich nach und nach bis in das Innerste vorgearbeitet. Das BSI bewertete die Kenntnisse der Hacker als „sehr fortgeschritten“. Angriffe auf Industrieanlagen kommen auch im Ausland immer wieder vor, zuletzt etwa auf einen Energieversorger in der Ukraine.

Angriff auf Sony

Für Aufsehen sorgte auch ein Cyberangriff auf das Filmstudio Sony Pictures. Hacker waren im November 2014 in die Computersysteme des Unternehmens eingedrungen und hatten vertrauliche Informationen erbeutet, darunter Filmkopien. Die USA hatten Nordkorea im Verdacht, hinter den Attacken zu stecken, da sie mit Drohungen gegen den Film „The Interview“ verbunden waren. In der Komödie geht es darum, dass der nordkoreanische Machthaber von der CIA ermordet wird. Nordkorea bestreitet die Tat.

Sabotage beim Sender TV5 Monde

Im April 2015 sabotierten Unbekannte die Server des französischen Fernsehsenders TV5 Monde. Über Stunden konnte er sein Programm nicht ausstrahlen, auch die Webseite war nicht erreichbar. Parallel hatten die Hacker die Social-Media-Kanäle des Senders gekapert und darüber Propaganda der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) verbreitet. Noch ist nicht abschließend geklärt, wer die Täter waren, aber auch hier müssen mehrere Experten am Werk gewesen sein, glauben Ermittler.

Spionage im Bundestag

Im Sommer 2015 verschafften sich Hacker Zugang zu den Rechnern im Deutschen Bundestag. Die Täter schleusten unter anderem Schadprogramme wie Keylogger ein, die Tastatureingaben mitschneiden und Bildschirmfotos erstellen. ‧Aufgrund der Komplexität der Angriffe geht Innenminister Thomas de Maizière (CDU) davon aus, dass die Hacker für staatliche Stellen gearbeitet haben und es sich nicht um Privatleute handelte. Mehrere Medien zitierten aus Sicherheitskreisen, dass die Attacke vermutlich von russischen Diensten ausging. Cyberattacken auf die Bundesregierung und angeschlossene Behörden erfolgen immer häufiger. Während sie 2014 noch durchschnittlich fünfmal pro Tag angegriffen wurden, waren es im Jahr 2015 bereits 15 Attacken pro Tag, wie aus dem aktuellen Jahresbericht zur IT-Sicherheit hervorgeht.

Cyberschädlinge im Krankenhaus

In den vergangenen Wochen wurden Krankenhäuser in Deutschland vermehrt Opfer von Angriffen durch sogenannte Ransomware, etwa das Lukas-Krankenhaus in Neuss. Diese Schadsoftware schleicht sich in das Computersystem ein und verschlüsselt die dort gespeicherten Daten. Wer sie zurückhaben will, muss Lösegeld zahlen. In vielen Fällen reagierten die Krankenhäuser schnell und schalteten die Systeme sofort aus.

Nach einem Bericht des Bundesinnenministeriums gehören Cyberangriffe zur Erpressung von Geld inzwischen zum „typischen Angriffsspektrum von Cyberkriminellen“. Die Täter suchen sich gern kleinere Unternehmen, die eher bereit sind, Lösegeld zu zahlen, sagen Experten.

Laut dem Bericht auf „Motherboard“ bietet der Hacker namens „Peace“ die Datensätze auf der Darknet-Plattform „The Real Deal“ für 5 Bitcoins (etwa 2.000 Euro) zum Verkauf an. Im sogenannten Darknet (englisch für „Dunkles Netz“) können sich Internetnutzer unerkannt bewegen. Der nur über Anonymisierungsdienste wie TOR erreichbare Bereich des Internets wird vielfach von Kriminellen genutzt.

Bei Linkedin - ein Konkurrent des deutschen Anbieters Xing - können sich Nutzer in beruflichen Profilen vorstellen, nach neuen Jobs Ausschau halten und mit anderen Mitgliedern kommunizieren. Unternehmen nutzen das Portal bei der Suche nach Mitarbeitern. Im ersten Quartal 2016 kletterte die weltweite Nutzerzahl von 414 auf 433 Millionen. Im deutschsprachigen Raum überschritt LinkedIn die Marke von acht Millionen Mitgliedern.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×