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04.10.2017

06:45 Uhr

Datenleck in 2013

Hacker knackten drei Milliarden Yahoo-Konten

Es ist das größte Datenleck der Geschichte: Yahoo gibt zu, dass bei dem Hackerangriff im Jahre 2013 alle drei Milliarden Nutzer betroffen waren. Die Angreifer klauten Namen, E-Mail-Adressen und Telefonnummern.

San FranciscoVom massiven Datenklau bei Yahoo im Jahr 2013 waren alle drei Milliarden Nutzerkonten bei dem Internet-Konzern betroffen. Bisher war von einer Milliarde Accounts die Rede gewesen - und schon damit war es der Daten-Diebstahl mit dem größten Ausmaß.

Man habe kürzlich neue Informationen erhalten, die auf mehr Betroffene schließen ließen, teilte der neue Yahoo-Eigentümer, der Telekom-Anbieter Verizon, in der Nacht zum Mittwoch mit. Unter den gestohlenen Daten seien keine Passwörter im Klartext sowie keine Kreditkarten- oder Kontoinformationen, bekräftigte Verizon.

Nach bisherigen Informationen verschafften sich die Angreifer aber Zugriff auf Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern sowie unkenntlich gemachte Passwörter. Ein Problem ist, dass auch Antworten auf Fragen bei vergessenen Passwörtern betroffen sein könnten, die auch auf anderen Websites vorkommen könnten.

Wichtige Momente der Yahoo-Geschichte

1994

Die Studenten Jerry Yang und David Filo gründen „Jerry und Davids Wegweiser für das World Wide Web“, ein nach Themen geordnetes Verzeichnis von Webseiten. Wenig später ändern sie den Namen in Yahoo.

1996

Yahoo geht an die Börse.

2000

Yahoo ist zeitweise mehr als 120 Milliarden Dollar wert. Anders als der Konkurrent AOL, der Time Warner übernehmen will, nutzt der Internet-Pionier die Bewertung nicht für einen großen Deal. Mit dem Platzen der Internet-Börsenblase fällt die Aktie um rund 90 Prozent.

2002

Yahoo-Chef Terry Semel versucht, für drei Milliarden Dollar Google zu kaufen. Die Gründer Larry Page und Sergey Brin lehnen ab.

2004

Yahoo versucht, ein eigenes Suchmaschinengeschäft aufzubauen.

2006

Semel, ein früherer Chef des Filmstudios Warner Brothers, will Mark Zuckerberg für eine Milliarde Dollar Facebook abkaufen. Zuckerberg überlegt, entscheidet sich aber gegen einen Verkauf.

2008

Microsoft bietet rund 45 Milliarden Dollar für Yahoo, um sein Web-Geschäft im Konkurrenzkampf mit Google aufzurüsten. Mitgründer Yang, der Semel inzwischen an der Spitze abgelöst hatte, lehnt ab.

2009

Microsoft liefert in einem auf zehn Jahre ausgelegten Deal die Suchmaschinen-Technologie für Yahoo.

2012

Nachdem mehrere Top-Manager scheitern, holt sich Yahoo Google-Managerin Marissa Mayer an die Spitze. Sie will das Mediengeschäft ausbauen und wieder in die Websuche zurückkehren.

2013

Mayer kauft für rund eine Milliarden Dollar die Blogplattform Tumblr, um jüngere Nutzer anzulocken.

2015

Yahoo will den rund 30 Milliarden Dollar teuren Anteil von 15 Prozent am chinesischen Online-Riesen Alibaba steuerfrei für die Aktionäre abspalten. Die US-Steuerbehörde signalisiert jedoch, dass sie den geplanten Deal nicht durchgehen lassen wird.

2016

Yahoo stellt sein Web-Kerngeschäft zum Verkauf, die Beteiligungen an Alibaba und Yahoo Japan sollen in der alten Gesellschaft bleiben. Der US-Telekommunikationskonzern Verizon übernimmt im Juli das Kerngeschäft für 4,83 Milliarden Dollar (4,4 Milliarden Euro).

Nach wie vor ist unklar, hinter wie vielen der Accounts zum Zeitpunkt der Attacke noch aktive Nutzer steckten. Die betroffenen Nutzerkonten verteilten sich auf diverse Yahoo-Dienste. Yahoo hatte im vergangenen Jahr erst einen Hackerangriff im Jahr 2014 eingeräumt, von dem 500 Millionen Nutzerkonten betroffen waren.

Yahoos-Chefin Marissa Mayer: Goodbye, Bonus

Yahoos-Chefin Marissa Mayer

Premium Goodbye, Bonus

Die schlechten Nachrichten für Yahoo-Chefin Marissa Mayer werden einfach nicht weniger. Nun wird sie auf ihren Bonus in Höhe von 14 Millionen Dollar verzichten und verteilt das Geld unter ihren Mitarbeitern.

Kurz darauf wurde die vorherige, größere Attacke von 2013 bekannt. Die Enthüllungen führten dazu, dass der Kaufpreis für Yahoo um 350 Millionen Dollar gesenkt wurde. Verizon zahlte immer noch knapp 4,5 Milliarden Dollar. Die damalige Yahoo-Chefin Marissa Mayer verzichtete auf Bonuszahlungen.

Auch wenn der Yahoo-Hack die meisten Betroffenen hat, könnte die jüngste Cyberattacke auf die Wirtschaftsauskunftei Equifax noch schwerwiegendere Folgen haben. Denn bei den dort betroffenen 145,5 Millionen Amerikanern könnte auch die Sozialversicherungsnummer gestohlen worden sein. Mit der kann man sich in den USA bei Vertragsabschlüssen identifizieren.

Yahoo - Einmal Star und zurück

Ein Katalog fürs Internet

Als immer mehr Menschen online gingen, sorgt Yahoo für Orientierung: Das Unternehmen, 1994 von den Stanford-Doktoranden Jerry Yang und David Filo gegründet, führte in seinen Anfangsjahren einen Katalog mit interessanten Webseiten. Die Einträge erstellten zunächst nicht Suchroboter, wie es heute üblich ist, sondern Menschen. Um die Suche baute Yahoo bald ein Portal mit weiteren Diensten auf.

Profiteur des Dotcom-Booms

Bereits 1996, zwei Jahre nach der Gründung, ging Yahoo an die Börse. In den folgenden Jahren gehörte die Firma zu den Lieblingen der Anleger, der Aktienkurs stieg auf dem Höhepunkt des Dotcom-Booms auf den Höchstkurs von 119 Dollar. Als die Blase platzte, brachen jedoch auch die Werbeeinahmen ein – und der Kurs stürzte auf gut 8 Dollar ab.

Zu zweit gegen Google

Allein kamen Yahoo und Microsoft nicht gegen den Suchmaschinen-Riesen Google an – also taten sie sich 2009 zusammen. Seitdem nutzt Yahoo etwa die Suchmaschinen-Technologie von Microsoft („Bing“). Die Werbeumsätze teilen sich die Unternehmen. Echte Konkurrenz machen die beiden dem Primus aber auch gemeinsam nicht. Zuvor hatte Microsoft versucht, Yahoo komplett zu übernehmen, allerdings vergeblich.

Profitables Engagement in China

2005 beteiligte sich Yahoo am chinesischen Web-Portal Alibaba. Von dieser Partnerschaft profitiert das US-Unternehmen bis heute: Mit dem Verkauf von Anteilen nahm es 2012 4,3 Milliarden Dollar ein. Sollte Alibaba wie erwartet an die Börse gehen, könnte Yahoo weitere Milliarden erlösen.

Konzern ohne Führung

2007 stieg Yahoo-Mitgründer Jerry Yang zum CEO auf. Doch er hatte kein glückliches Händchen und übergab die Geschäfte bereits ein Jahr später an Carol Bartz. Die Saniererin eckte jedoch mit ihrer burschikosen Art so an, dass der Verwaltungsrat sie feuerte. Es folgten drei Kurzzeit- oder Interims-Chefs bis 2012 die langjährigere Google-Managerin Marissa Mayer die Geschäfte übernahm.

Marissa Mayer übernimmt

Es war ein Coup: Im Juli 2012 vermeldete Yahoo, dass die prominente Google-Managerin Marissa Mayer neue Chefin wird. Die wirbelte das Unternehmen in den ersten Monaten kräftig durcheinander, übernahm diverse Startups und sorgte auch sonst für Schlagzeilen. Die Schwäche im Kerngeschäft mit Anzeigen – vor allem Bannern – konnte sie aber nicht abstellen.

Mail, Suche, Nachrichten

Yahoo hat monatlich mehr als 700 Millionen Nutzer. Zu den beliebtesten Angeboten des Konzerns gehören Nachrichten, Suchmaschine und der E-Mail-Dienst. Eine treue Fangemeinde hat auch der Fotodienst Flickr. Zudem übernahm Yahoo 2013 für 1,1 Milliarden Dollar die Blogging-Plattform Tumblr, deren Community rasant wächst.

Altavista, Delicious, Alltheweb

Viele Dienste stellte Yahoo über die Jahre wieder ein, etwa die Suchmaschinen Altavista und Alltheweb. Den Social-Bookmarking-Dienst Delicious verkaufte das Unternehmen 2011 wieder.

Von

ap

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