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06.05.2011

09:44 Uhr

Datenpanne

Sony-Chef Stringer entschuldigt sich

Mehr als 100 Millionen Sony-Kunden sind von den Hackerangriffen auf die Systeme des Elektronikriesens betroffen. Jetzt hat sich Konzernchef Howard Stringer erstmals öffentlich entschuldigt.

Howard Stringer: Der Sony-Chef entschuldigte sich via Blog bei seinen Kunden. Quelle: Reuters

Howard Stringer: Der Sony-Chef entschuldigte sich via Blog bei seinen Kunden.

TokioSony-Chef Howard Stringer hat sich erstmals nach den Datenschutzpannen bei Millionen Online-Kunden zu den Vorfällen geäußert und entschuldigt. "Ich weiß, einige denken, dass wir unsere Kunden eher hätten informieren müssen. Das ist eine angemessene Frage", wurde Stringer in dem US-Blog der Spielekonsole Playstation zitiert. Die Analyse des Datendiebstahls sei jedoch komplex gewesen und habe einige Zeit in Anspruch genommen.

Erneut nannte der japanische Elektronikriese keinen genauen Zeitpunkt, wann Kunden den Online-Service wieder nutzen können. Die Sperrung der Dienste werde in den kommenden Tagen aufgehoben, hieß es.

Stringer betonte, es gebe keine Hinweise, dass Informationen von Kreditkarten sowie persönliche Daten von den Hackern missbraucht worden seien. Sony habe Policen gegen Diebstahl für die Kunden seines Playstation-Netzwerkes und der Online-Multimediaplattform Qriocity abgeschlossen. Der Sony-Chef war zuletzt heftig für sein Schweigen im Daten-Skandal kritisiert worden. Am Wochenende hatte er seinen Vize und wahrscheinlichen Nachfolger, Kazuo Hirai, vorgeschickt, um vor der Presse für den Datenklau Verantwortung zu übernehmen.

Die Techniken der Datendiebe

Trojanische Pferde

Eine der gebräuchlichsten Methoden, Daten abzufangen, ist die Einschleusung sogenannter Trojanischer Pferde, meist schlicht Trojaner genannt. Dabei wird eine schädliche Software meist per E-Mail oder über infizierte Webseiten auf dem Computer installiert, die dort Daten – etwa die Kontonummer – meist ohne Wissen des Benutzers abruft und weiterschickt. Trojaner können sich auch in Fotos, Dokumenten oder auf Speichermedien verbergen.

Phishing

Beim sogenannten Phishing versuchen Datendiebe, sich über gefälschte Webseiten Konten- oder Kreditkartennummern, TANs, PINs oder Passwörter der Opfer zu angeln. Häufig bauen sie dafür bis ins Detail den Internetauftritt von Banken, Versicherungen oder anderen Institutionen nach. Danach verschicken sie E-Mails, um Kunden per Klick auf einen enthaltenen Link auf die getürkte Seite zu führen. Dabei wird das Opfer aufgefordert, sensible Daten einzugeben, die dann zusammen mit der Identität der Opfer missbraucht werden.

Keylogger

Diese Art von Schadsoftware wandert über ähnliche Wege wie Trojaner in den Computer ein und zeichnet die Tastenanschläge des Benutzers auf, um sie an Datendiebe weiterzuleiten. Diese Tasten-Speichersysteme machen für die Täter Passwörter ersichtlich, selbst wenn die Übermittlung an die passwortgeschützte Webseite verschlüsselt erfolgt.  An öffentlich zugänglichen Computern können Datengangster auch kleine Geräte zwischen Tastatur und Rechner schalten, die dann die Eingaben des Benutzers zeigen und so Daten und Zugänge erschließen lassen.

Klassisches Hacking

Dabei versuchen die Hacker über Programmierattacken in Zentralrechner oder Netzwerke einzudringen. In offenen Netzwerken wie unverschlüsselten WLANs ist dies sehr einfach, in geschützten Bereichen gestaltet sich das schwieriger. Immer wieder hatten solche Angriffe auf Behörden wie die NASA oder das US-Verteidigungsministerium für Schlagzeilen gesorgt. Selbst Industrieanlagen können damit theoretisch lahmgelegt werden, wie die Attacke des Stuxnet-Wurms auf Urananreicherungsanlagen im Iran zeigt.

Zufall und Schlamperei

Zwischenfälle mit sensiblen Daten sind allerdings nicht nur auf professionelle Hacker-Software zurückzuführen, sondern mitunter auch den blanken Zufall oder Unaufmerksamkeit. Dazu zählen auf EC-Karten notierte Geheimzahlen, Haftnotizen mit Passwörtern am Computerbildschirm oder fehlgeleitete Informationen. Ein Beispiel: Vor einigen Jahren erregte eine Panne der Landesbank Berlin Aufsehen. Zwei Kurierfahrer hatten sich über einen von der LBB verschickten Christstollen hergemacht und dann Etiketten von Päckchen vertauscht, um ihren Mundraub zu vertuschen. Prompt landeten tausende Kreditkartendaten in der Redaktion der „Frankfurter Rundschau“, für die eigentlich die Weihnachtsleckerei gedacht war.

Die Sony-Aktie schloss in einem schwachem Marktumfeld mit einem Minus von 2,3 Prozent. "Es gibt große Sorgen, dass das Vertrauen in das Geschäft von Sony sinkt", sagte Analyst Kota Ezawa von Citigroup. Zwar mache das Netzwerk-Geschäft nur einen kleinen Anteil am Umsatz aus, es könnte jedoch auch zu einem Absatzrückgang bei der Hardware kommen, befürchtete Ezawa. Insgesamt sind mehr als 100 Millionen Sony-Kunden von den Hackerangriffen auf die Systeme des Elektronikriesens betroffen.

Zunächst wurden Daten von 77 Millionen Nutzern des Online-Angebots der Spielekonsole Playstation gestohlen, dann Daten von 25 Millionen Kunden des Online-Spiele-Angebots Sony Online Entertainment.

Von

rtr

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