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13.02.2013

13:21 Uhr

Dell-Übernahme

Großaktionäre wollen mehr Geld sehen

Der Dell-Gründer Michael Dell bietet für den drittgrößten PC-Hersteller gut 24 Milliarden. Doch Großaktionären ist das zu wenig. Muss der Michael Dell sein Angebot doch noch erhöhen?

Ein Mitarbeiter reinigt eine Dell-Leuchtsäule. Großaktionäre machen bei der Übernahme Druck. Reuters

Ein Mitarbeiter reinigt eine Dell-Leuchtsäule. Großaktionäre machen bei der Übernahme Druck.

New YorkDell-Gründer Michael Dell bekommt wachsenden Druck von Großaktionären, den Preis bei der geplanten Übernahme des drittgrößten PC-Herstellers zu erhöhen. Auch der zweitgrößte außenstehende Aktionär, die Investmentfirma T. Rowe Price, findet Dell bei dem 24,4 Milliarden Dollar schweren Deal unterbewertet. Damit sprachen sich rund eine Woche nach dem Übernahmeangebot Investoren mit einem Anteil von fast 15 Prozent dagegen aus.

Michael Dell will die von ihm 1984 gegründete Firma mit Hilfe von Investoren übernehmen und von der Börse nehmen. Dann plant er einen radikalen Umbau des Computer-Herstellers. Dell leidet schwer unter dem Wandel der Branche: Die Kunden greifen immer mehr zu Smartphones und Tablets statt zum klassischen Personal Computer.

Bleibt es bei der gegenwärtigen Opposition, wäre das Geschäft noch nicht in Gefahr. Nach Informationen der Finanznachrichtenagentur Bloomberg brauchen Michael Dell und seine Partner eine Mehrheit nach Abzug seines Anteils von rund 14 Prozent. Das heißt, die Gegner der Übernahme müssten schon deutlich über 40 Prozent kommen, um sie zu kippen.

Die Geschichte von Dell

Firmengründung

Michael Dell gründet seine erste Firma 1984 – da ist er gerade 19 Jahre alt und bereitet sich auf ein Medizinstudium in Austin im US-Bundesstaat Texas vor. PC's Limited baut Computer zusammen, die die Kunden – Firmen und Bastler – selbst konfigurieren können. Nach einem Jahr bricht der Jungunternehmer die Uni ab und macht sich mit einem Zuschuss der Familie selbständig.

Erster Computer

1985 gestaltet die Firma ihren ersten eigenen Computer, den Turbo PC. Er hat einen acht Megahertz schnellen Intel-Prozessor und eine Zehn-Megabyte-Festplatte an Bord, außerdem ein Floppy-Laufwerk für 5,25-Zoll-Disketten. Michael Dell verkauft die Geräte direkt an die Nutzer – in Fachmagazinen wirbt er mit niedrigen Preisen. Bestellt wird per Telefon.

Börsengang

Der Direktverkauf zieht dank niedriger Preise viele Kunden an – die Firma wächst rasant und geht bereits 1988 unter dem Namen Dell Computer an die Börse. Sie sammelt 30 Millionen Dollar ein und wird mit 85 Millionen Dollar bewertet.

Erstes Laptop

Das erste Laptop der Firma Dell kommt 1989 auf den Markt: Das 316LT wiegt rund 6,8 Kilogramm. Bei den bald sehr populären mobilen Rechnern setzen allerdings zunächst andere Hersteller die Trends.

Vertrieb übers Internet

Als eines der ersten Unternehmen nutzt Dell die Möglichkeiten des World Wide Web, bereits 1996 geht die Website dell.com online. Schon bald macht die Firma damit ordentliche Umsätze.

Die Nummer 1

Anfang des Jahrtausends macht Dell alles richtig: Die Lieferkette ist schlank, der Vertrieb effizient. Im Jahr 2000 ist Dell der größte PC-Hersteller der Welt. Allerdings zeichnet sich bereits ab, dass die Konkurrenz dazulernt.

Der Gründer tritt ab und kehrt zurück

2004 zieht sich Michael Dell aus dem operativen Geschäft der Firma zurück. Den Chefposten übernimmt Kevin Rollins. Er hat allerdings wenig Glück: Die Resultate enttäuschen. 2007 muss er gehen – und Gründer Michael Dell kehrt an die Spitze zurück.

Der Konsument im Fokus

Der neue alte Chef versucht, attraktive Geräte für Verbraucher zu entwickeln. Zudem verkauft Dell seine Rechner nun auch im Einzelhandel – allerdings zulasten der Marge. Im Wettbewerb mit Hewlett-Packard, Apple und etlichen asiatischen Anbietern verliert Dell allerdings immer mehr an Boden. Den Trend zu Smartphones und Tablets verschläft Dell fast komplett.

Vorstoß ins Service-Geschäft

Um sich breiter aufzustellen, kauft Dell mehrere Anbieter von IT-Dienstleistungen. So übernimmt der Konzern 2009 Perot Systems für 3,9 Milliarden Dollar.

T. Rowe Price kontrolliert nach jüngsten Angaben 4,4 Prozent von Dell. Die Firma nannte keine eigenen Preisvorstellungen. Dagegen hatte der größte außenstehende Anteilseigner, der US-Vermögensverwalter Southeastern Asset Management mit einem Anteil von knapp 8,5 Prozent, am Wochenende 24 Dollar je Aktie als „fairen“ Preis errechnet. Dell und seine Partner bieten 13,65 Dollar pro Anteilsschein. Die Aktie schloss am Montag über dieser Marke bei 13,79 Dollar - das heißt, die Anleger spekulieren inzwischen darauf, dass der Preis noch angehoben werden könnte.

Der Widerstand der Aktionäre verstärkt den Zeitdruck für Michael Dell und seine Partner. Das Käuferkonsortium setzte sich den 5. November als Frist, bis zu der das Geschäft abgeschlossen sein muss. Michael Dell will bei dem Deal seinen Anteil einbringen, das Geld für den Kauf der restlichen Aktien kommt von Partnern und Großbanken. Hauptpartner ist dabei der Finanzinvestor Silver Lake. Auch der Windows-Riese Microsoft beteiligt sich mit einem zwei Milliarden Dollar schweren Kredit an dem Geschäft.

Von

dpa

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