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08.01.2009

15:57 Uhr

Dell und Lenovo

Kahlschlag in der PC-Branche

Die Computerproduzenten stellen sich auf eine lange, schwere Krise ein und streichen deshalb weltweit mehrere Tausend Stellen. Am Donnerstag kündigten mit Lenovo aus China und dem US-Konzern Dell gleich zwei der weltgrößten Hersteller massive Einschnitte an.

jojo MÜNCHEN. Lenovo teilte mit, dass elf Prozent der Mitarbeiter gehen müssen. Damit verlieren rund 2 500 Beschäftigte ihren Job. Gehälter und Prämien für Spitzenmanager werden zudem um 30 bis 50 Prozent gekürzt. Mit den Umstrukturierungen will Lenovo die Kosten bis März 2010 um rund 300 Mio. Dollar senken. Das chinesische Unternehmen begründete die Einschnitte mit einem „bedeutenden Verlust“ im vierten Quartal. Details zum Weihnachtsgeschäft nannte die Firma aber nicht.

Genauso düster sieht es für die Mitarbeiter von Dell in Irland aus. Der Konzern aus Texas wird seine Fabrik auf der Insel schließen und deshalb 1 900 der 3 000 Arbeitsplätze dort abbauen. Die Produktion für Europa werde ins neue Werk in Polen verlagert oder an Subunternehmen abgegeben. Der Schritt sei Teil des weltweiten Sparprogramms, mit dem Dell seine Kosten um drei Mrd. Dollar senken will, hieß es gestern.

„Die Maßnahmen, die wir heute ergreifen, sind nicht einfach“, sagte Lenovo-Präsident William Amelio. Dennoch seien die Schritte notwendig, um angesichts der Wirtschaftskrise im Wettbewerb bestehen zu können. In Hongkong fiel der Kurs der Lenovo-Aktie, deren Handel am Mittwoch in Erwartung der Verlustwarnung ausgesetzt war, um knapp 26 Prozent. Das Unternehmen hatte 2004 die PC-Sparte von IBM übernommen.

Schon voriges Jahr haben die PC-Produzenten viele Jobs abgebaut. Alleine Dell hat 2008 rund 8 000 Stellen gestrichen. Fujitsu Siemens Computers (FSC) hat Ende November angekündigt, dass 700 Leute gehen müssen. Europas größter Computerbauer begründete dies unter anderem mit der angespannten Wirtschaftslage.

Wie schlecht es um die PC-Hersteller steht, zeigen auch die Zahlen von Intel. Der weltgrößte Halbleiterproduzent musste im vierten Quartal einen Umsatzeinbruch von rund einem Viertel hinnehmen. Die Chips des US-Konzerns werden in vier von fünf PCs weltweit eingebaut. Damit ist Intel ein relativ verlässlicher Indikator für den Zustand der Computerbranche.

Eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht. In einer Telefonkonferenz von Lenovo mit Analysten hieß es, bis zum Ende des Geschäftsjahrs im März würden die Umsätze nicht anziehen. Schwierig sei das Geschäft auch in China, dem mit Abstand wichtigsten Markt des Konzerns.

Bislang waren Schwellenländer wie die Volksrepublik, Indien und Russland die großen Wachstumstreiber im PC-Geschäft. Doch auch in diesen aufstrebenden Staaten spüren Firmen und Konsumenten die Finanzkrise und machen deshalb einen großen Bogen um die Elektronikläden.

Lenovo ist mit einem Marktanteil von fast acht Prozent die Nummer vier auf dem weltweiten PC-Markt. Dell kommt nach Angaben der Marktforscher von I-Suppli auf knapp 14 Prozent und steht damit auf Rang zwei hinter Branchenprimus Hewlett-Packard (HP). Auf Platz drei steht Acer aus Taiwan mit etwa zwölf Prozent.

Allerdings gibt es zwischen den Konzernen einen wesentlichen Unterschied. HP ist einer der größten Anbieter von IT-Dienstleistungen der Erde. Außerdem vertreiben die Amerikaner Software. Diese Geschäfte sind wesentlich stabiler als die mit PCs und Notebooks. Lenovo und Dell hingegen leben fast ausschließlich von der Hardware. Deshalb trifft sie die Krise jetzt am stärksten.

Die Computerproduktion ist ausgesprochen wettbewerbsintensiv, die Margen sind dünn. Dies war auch der Grund, warum sich IBM aus diesem Feld zurückgezogen hat. Siemens verabschiedet sich gerade davon. Ihren 50-Prozent-Anteil an FSC haben die Münchener jüngst an Fujitsu verkauft.

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