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02.02.2005

10:12 Uhr

Der Bezahlsender macht erstmals in seiner Geschichte operativ Gewinn

Premiere schafft die Wende

VonHans-Peter Siebenhaar

Premiere für Premiere: Der Bezahlsender hat erstmals in seiner Geschichte ein Geschäftsjahr operativ mit einem Plus abgeschlossen. Georg Kofler, ehrgeiziger Chef des Pay-TV-Unternehmens, strotzt daher vor Selbstbewusstsein.

DÜSSELDORF. Der Sender erzielte ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 82,9 Mill. Euro (Vorjahr: minus 21,2 Mill. Euro). Vergangenes Jahr hatte der Börsenkandidat seinen Umsatz um über sieben Prozent auf 985 Mill. Euro gesteigert. Zusätzlich verzeichnete der Bezahlsender zum Jahresende rund 3,25 Millionen Abonnenten – so viel wie nie zuvor in der Firmengeschichte. Für potenzielle Aktionäre klingt das wie Musik in den Ohren.

Doch nicht alles, was glänzt, ist auch aus Gold. Denn wie viele Karteileichen sich hinter der Rekordzahl verbergen, ist unklar. Der Fall des Premiere-Abonnenten Thomas Bach aus Niederkassel bei Bonn ist nur ein Beispiel, wie die Kundenpflege bei Premiere aussehen kann. Nach der Kündigung seines einjährigen Premiere-Abos bekam der 27-Jährige kostenlos und ungefragt eine Verlängerung um zwei Monate. Danach gewann er plötzlich eine Auslosung, die ihm ein einjähriges Gratis-Abo eintrug. Derzeit wird der Vielseher wieder mit einem kostenlosen Monatsabo bedacht. „Ich habe für 124 Euro Geldeinsatz einen Premiere-Decoder und für umgerechnet 400 Euro Premiere-Programm bekommen“, frohlockt der Rheinländer.

Doch Dauer-Optimist Kofler, für den es auch privat um viel Geld geht, will ungeachtet der skeptischen Stimmen selbst in den eigenen Reihen die über zweijährige Sanierungsarbeit mit dem Börsengang vergolden. Bereits in zwei Wochen soll der Zeitplan für das Initial Public Offering (IPO) publiziert werden. Der energische TV-Manager forciert den größten Börsengang der Medienbranche seit Jahren trotz Bedenken von Mitgesellschaftern. Erst Anfang Januar hatte Thomas Krenz, Chef des größten Anteilseigners Permira, seine Bedenken in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ gegen einen zu frühen Börsengang öffentlich gemacht. Genützt haben die mahnenden Worte nichts.

An Unterstützung für Kofler mangelt es derzeit nicht. Hollywood blickt hoch erfreut nach Unterföhring, dem Firmensitz des Bezahlsenders Premiere. „Für die Studios entsteht finanziell ein potenter Partner, mit dem man schöne Deals machen kann“, sagte gestern Fernsehmanager Wolfram Winter vom US-Mediengiganten NBC Universal, der auf Premiere zwei Filmkanäle betreibt. Für die Studios spielt der Markterfolg des Pay-TV-Unternehmens eine zentrale Rolle. Denn das Bezahlfernsehen in Europa ist eine der verlässlichsten Geldquellen für Medienriesen wie Time Warner oder Disney. Kofler, der lebensfrohe Südtiroler, der einst Pro Sieben an die Börse brachte, ist ganz nach dem Geschmack der Amerikaner: Er ist ein glänzender Verkäufer. Selbst nach dem teuren Zusammenbruch seines Einkaufssender-Imperiums Hot Networks steht Kofler wieder auf und kämpft an einer neuen Front namens Bezahlfernsehen.

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