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28.10.2013

11:57 Uhr

Der Medien-Kommissar

Angstzustände in Gütersloh

VonHans-Peter Siebenhaar

Überforderung und Panikattacken: Der frühere Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski gibt zu, dass er unter seiner Aufgabe litt. Ein einmaliger Vorgang in der deutschen Wirtschaft – und ein Vorbild für mehr Ehrlichkeit.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Die 100.000 Mitarbeiter des Medienkonzerns Bertelsmann waren geschockt, als der ihr damaliger Vorstandschef Hartmut Ostrowski im Oktober 2011 völlig überraschend verkündete, er trete zurück. Der Vertraute der Eigentümerfamilie Mohn war seit Monaten müde und ausgebrannt. Schon lange schleppte er sich durch das schwierige Amt in Gütersloh. Er hetzte zu tausend Terminen. Bei öffentlichen Auftritten wie auf der Kölner Dmexo wirkte er fahrig und leer.

Doch bereits seit Wochen hatte er innerlich einen Schlussstrich gezogen. Gesundheit vor Macht, war seine Devise für den Rücktritt vor zwei Jahren.

Der heute 56-Jährige hat sich nun in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin „Brand eins“ erstmals zu einer (Not-)-Lüge im Interesse der Mohns während seiner Amtszeit bekannt. Denn als er im August 2011 gefragt wurde, ob er weitermachen würde, widersprach der CEO nicht.

„Als Obersekundaner habe ich einen Aufsatz über verschiedene Arten von Lügen geschrieben. Eine war die Notlüge, die ist zulässig“, rechtfertigt Ostrowski heute die Schwindelei. „In einer derart exponierten Position können Sie, um ein Bild aus dem Skatspiel zu benutzen, nicht ouvert, also offen spielen. Sie müssen Ihr Blatt behalten.“ Alle Beteiligten im Konzern hätten einen „ruhigen, geregelten Übergang“ gewollt.

Das öffentliche Bekenntnis zur (Not-) Lüge ist in der deutschen Wirtschaft ein einmaliger Vorgang. Noch nie hat ein Vorstandschef eines Unternehmens in der Größe von Bertelsmann sich öffentlich selbst der Lüge bezichtigt. Diese Ehrlichkeit mit sich und dem Konzern besitzt Vorbildcharakter. Der Fall Ostrowski macht klar: statt die Probleme im Umgang mit der Macht totzuschweigen, zu vertuschen oder wegzudrücken, braucht es den Mut zur Wahrheit. Das schützt den Betroffenen und natürlich auch das Unternehmen.

Noch immer glauben Unternehmenskommunikatoren, mit (Not-) Lügen eine heile Welt an der Konzernspitze vorgaukeln zu können. Das war im Fall von Hartmut Ostrowski besonders augenfällig. Selbst unwissende Beobachter konnten schnell erkennen, wie ihm Angst und Überforderung ins Gesicht geschrieben stand. Dabei schadet das Überpinseln von Problemen im Umgang der Macht nicht nur den Führungskräften, sondern auch den Eigentümer und vielen Tausend Mitarbeitern. Das war bei Bertelsmann, das unter großen Wachstumsschwierigkeiten und mangelnder unternehmerische Phantasie litt, nicht anders.

„Es war eine sehr schwierige Zeit, eine Belastung, die dann auch zu psychosomatischen Belastungen führte. Zum Beispiel in Form von Beklemmungsgefühlen, plötzlichem Herzklopfen, Angstzuständen bis hin zu Panikattacken“, berichtet Ostrowski in „Brand eins“ ehrlich. Zurück zur Macht will der gebürtige Bielefelder nicht.

Kommentare (2)

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28.10.2013, 22:07 Uhr

Sicher war Ostrowski nicht der ganz große Wurf für Gütersloh. Aber nach dem Blender Mitteldoof und dem Höll-Fleischer doch besser als gedacht. Gescheitert ist Ostrowski nicht an sich - sondern an seiner Chefin. Die hat das mit der Frauenquote selber noch nicht verstanden: Können vor Quote. Das fängt meist bei der (Aus-) Bildung an. Telefonistin reicht ganz sicher nicht. Auch nicht Zahnarzthelferin.

FriRo

29.10.2013, 11:56 Uhr

...interessanter Artikel, aber offensichtlich ein "Montagsprodukt". Beim 6. Grammatikfehler habe ich aufgehört zu zählen. Ist eine korrekte Schreibe im digitalen und globalen Zeitalter gar nichts mehr wert?

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