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17.05.2016

11:14 Uhr

Der Medien-Kommissar

ARD ist „Erster von hinten“

VonHans-Peter Siebenhaar

Schon wieder erlebt die ARD beim Eurovision Song Contest ein Desaster. Warum verzichtet das Gebührenfernsehen nicht auf diese teure Show? Denn Musikwettbewerbe können die Privaten besser und dazu noch günstiger.

Die deutsche Kandidatin Jamie-Lee landete auf dem letzten Platz. dpa

ESC

Die deutsche Kandidatin Jamie-Lee landete auf dem letzten Platz.

Die Frustration und der Sarkasmus in den sozialen Medien über das Abschneiden Deutschlands beim Eurovision Song Contest (ESC) kennen keine Grenzen. Am witzigsten hat es der Tele-5-Fernsehkritiker Oliver Kalkofe im Kurznachrichtendienst Twitter formuliert: „Mit Mut & Power den letzten Platz verteidigt und gewonnen! Erster von hinten!“

Daran konnte auch die Moderation von Peter Urban nichts ändern. Der 68 Jahre alte Plauderer des Norddeutschen Rundfunks (NDR) kommentiert seit fast zwei Jahrzehnten den ESC. Der NDR-Musikexperte zeigte sich noch kurz vor dem Wettbewerb gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ optimistisch, was die Aussichten der deutschen Sängerin Jamie-Lee Kriewitz betrifft: „Ich denke, ihre Chancen sind nicht schlecht.“ Weit gefehlt.

Mal wieder hat der NDR, der innerhalb der ARD für den europäischen Gesangswettbewerb zuständig ist, eine Pleite erlebt. In diesem Jahr ist das 18-jährige Manga-Girl Jamie-Lee Kriewitz mit ihrem Lied „Ghost“ in Stockholm auf dem letzten Platz gelandet. Im Vorjahr in Wien war Ann Sophie Dürmeyer mit „Black Smoke“ auch „Erste von hinten“. Arme Sängerinnen!

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

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Doch an Künstlern herumzumäkeln, wäre unfair. Ohnehin waren sie in beiden Fällen nur zweite Wahl. Denn eigentlich wollte der NDR den erfahrenen Xavier Naidoo ins Rennen nach Stockholm schicken. Doch wegen zweifelhafter politischer Äußerungen musste der NDR angesichts massiver Kritik auf den Musikprofi verzichten. Daher ging die Notlösung Jamie-Lee auf die Bühne.
Bereits im Jahr zuvor wollte die Hamburger Rundfunkanstalt den Rocksänger und Songwriter Andreas Kümmert zum ESC nach Wien schicken. Doch das Musiktalent aus Franken lehnte dankend ab. So kam Ann Sophie Dürmeyer zum Zug. Eine Erfahrung, die sich die junge Künstlerin angesichts ihrer null Punkte sicher gerne erspart hätte.
Der Schock beim NDR über die abermalige Katastrophe beim ESC saß offenbar so tief, dass eine geplante Pressekonferenz nach dem Wettbewerb in Stockholm in der Nacht zum Sonntag abgesagt wurde. Wollten sich die Oberen des Gebührenfernsehens nicht den unangenehmen Fragen von Journalisten stellen?

Kommentare (7)

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Herr Thomas Ebert

17.05.2016, 11:58 Uhr

Was soll´s? Der ESC ist künstlerisch ein Leichtgewicht. Allenfalls die Vermarktung ist professionell. Das Liedchen von Jamie-Lee habe ich ein Mal im Radio gehört. Da war nichts woran man sich erinnern würde. Blasser, absolut unauffälliger Pop. Massenware ohne Qualitätsanspruch! Damit den letzten Platz zu belegen ist dann auch irgendwie konsequent.
Also ist das neue Motto : "2017- Auf zum Tripel"!

Lothar dM

17.05.2016, 12:22 Uhr

Der ESC ist eher eine politische, denn eine musikalische Veranstaltung. Die "Qualität" der Beiträge unterstützt klar diese Vermutung.
Schon im Vorfeld, der deutschen Beitragsauswahl, wurde das klar ersichtlich. Ein durchaus erprobter erfolgreicher und erfahrener Komponist Songwriter Sänger Xavier Naidoo wurde aufgrund seine privaten politischen Ansichten, die einigen Links-grünen nicht gefallen, wieder entfernt. Schlimm genug! und unfassbar für echte Demokraten.
Beim ESC selbst wurde insb. ein Beitrag mit hoch politischen Hintergrund und anti-russischen Ressentiments zum Sieger erkoren, nicht von Publikum sondern von öffentlich-rechtlichen Vertretern, da bleibt mehr als ein Geschmäckle.

Tiefer sinken kann ein Event kaum. Man kann auch sagen, der ESC hat endlich EU-Niveau erreicht, lol.

Account gelöscht!

17.05.2016, 12:24 Uhr

Ich habe mich die Ganze Woche auf den ESC gefreut und wurde nicht enttäuscht.
Ein gelungener Abend mit zum Teil sehr schönen Liedern.

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