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15.06.2015

14:05 Uhr

Der Medien-Kommissar

Bilderberg bleibt im Nebel

VonHans-Peter Siebenhaar

Die Entscheider aus Politik und Wirtschaft haben die Medien erfolgreich ausgesperrt. Die streng abgeschirmte Bilderberg-Konferenz hat die Chance vertan, Verschwörungstheoretikern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Die Nebelschwaden verziehen sich an diesem Montag auf den Hochplateau von Seefeld nur ganz langsam. Das miese Wetter am Ort der am Sonntag zu Ende gegangenen Bilderberg-Konferenz ist wie eine Metapher der streng abgeschirmten Konferenz in den österreichischen Alpen. Das Treffen von 140 Entscheidern aus Politik und Wirtschaft aus 22 Ländern hinter verschlossenen Türen hat es versäumt, für mehr Transparenz zu sorgen. Auch 61 Jahre nach der ersten Konferenz im niederländischen „Hotel de Bilderberg“ sperren die Mächtigen aus den westlichen Staaten die Medien erfolgreich aus und erweisen sich dabei einen Bärendienst. Mit ihrer Geheimnistuerei liefern die Bilderberger den Verschwörungstheoretikern quasi die Munition für ihre kruden Mutmaßungen.

Drei Tage diskutierten die handverlesenen Entscheider die globalen Probleme unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Liste der Themen ist lang, von Globalisierung über Griechenland, Freihandelsabkommen TTIP bis hin zu Cyberkriminalität. Die Teilnehmer wie Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg, die niederländische Ex-Monarchin Beatrix, Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner, Ex-US-Außenminister Henry Kissinger, Google-Verwaltungsratsvorsitzender Eric Schmidt oder EADS-CEO Thomas Enders hatten viel zu besprechen. Nur schade, dass von den einzelnen Positionen der Mächtigen nichts nach außen drang.

Dass es auch anders geht, zeigen Jahr für Jahr das Weltwirtschaftsforum in Davos oder die Münchner Sicherheitskonferenz. Dort wird vor laufenden Kameras und unter Beteiligung internationaler Medien um Lösungen der globalen Probleme gerungen. Mit dem Beharren auf absolute Verschwiegenheit über die Positionen der einzelnen Entscheider schadet sich hingegen die Bilderberg-Konferenz. Keine Pressekonferenz, keine Abschlusserklärung oder Zusammenfassung der Positionen – die Geheimnistuerei passen nicht mehr in die Zeit des digitalen Medienzeitalters, in der Informationen, Analysen und Meinungen weltweit geteilt werden.

Dabei war der internationale Informationsaustausch noch nie so wichtig wie heute. Denn die politischen und wirtschaftlichen Probleme in einer globalisierten Welt sind nur gemeinsam von allen Beteiligten zu lösen. Dafür ist ein ständiger Kommunikationsfluss unabdingbar. Deshalb sind informelle Treffen wie das der Bilderberger notwendiger denn je. Doch ohne den Mut zur medialen Offenheit stärken sie nur die teilweise absurden Spekulationen von politischen Populisten vom rechten und linken Rand. Schade, dass diese Chance von den Bilderbergern wieder einmal vertan wurde. Ein Wille zur Reform der anachronistischen Regeln ist nicht in Sicht. Damit droht die Konferenz in die Abseitsfalle zu laufen.

Kommentare (1)

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Herr C. Falk

15.06.2015, 16:03 Uhr

Na ja, Herr Siebenhaar, da müssen Sie wohl noch einmal 50 Jahre warten, bevor die Biderberger ihre Pressepoltik dergestalt ändern, dass man von Transparenz reden kann.

In anderer Hinsicht ist die Pressepolitik, das heißt Einflussnahme auf die "Qualitätsmedien" ja nicht ganz ohne Erfolge.

In einem alten Artikel über die Bilderberger, der über 50Jahre alt ist kann man lesen:
"DieNotwendigkeit der Arbeit unter Ausschluss der Öffentlichkeit begründet er (gemeint ist Prinz Bernhard der Niederlande) damit, es sei "schwierig, das Volk, das im Geist des Nationalismus erzogen sei, dahingehend umzuerziehen, dass es einen Teil seiner Souveränität an eine übernationale Körperschaft abtrete".

Daran hat sich auch nach dem Ablauff von 50 Jahren nichts grundlegend verändert.

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