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06.07.2015

15:50 Uhr

Der Medien-Kommissar

Blackbox Bavaria

VonHans-Peter Siebenhaar

Private Filmdienstleister werfen der Münchener ARD-Tochter Bavaria Film Wettbewerbsverzerrung vor. Die Lösung liegt auf der Hand: Die Studio-Töchter der öffentlich-rechtlichen Anstalten zu privatisieren.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Ausgerechnet Black Box hieß der Konferenzort beim Filmfest München, in dem sich die Bavaria Film erstmals öffentlich der Kritik der privaten Filmdienstleister wegen einer jahrelangen Wettbewerbsverzerrung stellt. Die Location war eine unfreiwillige Metapher auf die fehlende Transparenz und die undurchsichtige Marktsituation. Die privaten Kamera- und Ausrüstungsverleiher fühlen sich immer stärker von den Studiobetrieben von ARD und ZDF an die Wand gedrückt.

Der Branchenverband Allianz Unabhängiger Filmdienstleister legt dazu beeindruckende Marktzahlen vor: Demnach liegt der Marktanteil der Bavaria-Filmgerätetochter Cine Mobil bei der Vergabe von öffentlich-rechtlichen Aufträgen nach Verbandsangaben bei fast 80 Prozent im vergangenen Jahr.

Die offenbar einseitige Bevorzugung der eigenen Töchter der Bavaria Film und des Studios Hamburg hat Folgen: Zum einen verfallen die Preise immer mehr, zum anderen werden private Wettbewerber aus dem Markt gedrängt. Die mit ARD und ZDF verbundenen Dienstleister müssten nicht kostendeckend arbeiten, denn die Verlustübernahme sei durch Gewinnabführungsverträge gesichert, ärgern sich Marktteilnehmer.

Das öffentlich-rechtliche System gleicht einem Tanker auf hoher See. Der eingeschlagene Kurs kann nur extrem langsam korrigiert werden. So ähnlich ist es auch mit der Bavaria Film. Deren Geschäftsführer Achim Rohnke stellte sich erstmals öffentlich den kritischen Fragen der Wettbewerber auf dem Filmfest. Das ist zumindest eine minimale Kursänderung in dem ARD-Konzern. Denn über viele Jahre hatte die Tochter des Bayerischen Rundfunk (BR), Westdeutschen Rundfunk (WDR), Mitteldeutschen Rundfunks MDR), Südwestrundfunks (SWR) und des Freistaats Bayern schlicht die Kritik an den unfairen Wettbewerb ignoriert.

Auch wenn Rohnke, ein ehemaliger Manager des WDR, beim Filmfest München manche Zahlen der Konkurrenten bestritt, so war im Hintergrund der Mut zur Selbstkritik erkennbar. Gründe gibt es dafür genug: mit der Cinemedia war die Bavaria an einen börsennotierten Filmdienstleister beteiligt, der Pleite ging. Vor drei Jahren fuhr die ARD-Tochter unter anderen wegen überzogener Filmbudgets Millionenverluste ein. Der glücklose Co-Geschäftsführer der Bavaria, Matthias Esche, dessen Selbstgefälligkeit manchen bitter aufstieß, ist längst abgelöst. Seit Herbst führt Christian Franckenstein, zuvor CEO des privaten Produktionskonzern MME Moviement, die Geschäfte des Münchner Produktionskonzerns. Der Westfale ist auch Aufsichtsratschef des börsennotierten Studios Babelsberg. Unter seiner Regie hat die Bavaria – erstmals in ihrer Geschichte – sogar eine Bilanz-Pressekonferenz mit einem halben Dutzend Journalisten im Spatenhaus an der Münchner Oper veranstaltet. Ein kleiner Fortschritt zu mehr Transparenz. Der neue Bavaria-Chef will mehr Offenheit und Ehrlichkeit – ein Novum für die ARD-Tochter. Mit Erlösen von 181 Millionen Euro hat die Bavaria im vergangenen Jahr ihren Umsatzrückgang gestoppt. Mit einer Rendite von drei Prozent fällt allerdings der Gewinn ziemlich schmal aus.

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