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28.07.2014

07:35 Uhr

Der Medien-Kommissar

Das Ende der Fernseh-Gemütlichkeit

VonHans-Peter Siebenhaar

Netflix mischt die Karten im deutschsprachigen Fernsehmarkt neu: Der US-Videodienst greift im September hierzulande an. Die TV-Konzerne, die auch auf Hollywood-Ware setzen, unterschätzen die Gefahr.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Netflix jubelt. Der amerikanische Videodienst hat in seinen Heimatmarkt die psychologisch wichtige Marke von 50 Millionen Abonnenten spielend übersprungen. Reed Hastings, Chef und Mitbegründer von Netflix, weiß haargenau, dass in den USA schon bald die natürliche Wachstumsgrenze erreicht sein wird. Deshalb setzt der vor Selbstbewusstsein strotzende Medienmanager nun auf die großen Märkte in Kontinentaleuropa, auch wenn das erstmal viele Millionen Dollar kosten wird. Im September kommt Netflix nach Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich, Belgien sowie Luxemburg.

Die Expansion kommt nicht unerwartet. Bereits seit Monaten wurden in den Chefetagen der deutschen TV-Konzerne spekuliert, wann die Amerikaner hierzulande angreifen werden. Die einheimischen Platzhirsche geben sich noch betont gelassen – nach dem Motto: Im komplizierten deutschen Markt hat sich schon mancher US-Player für teuer Geld die Zähne ausgebissen. Doch sie unterschätzen die Gefahr durch Netflix.

Mit dem Markteintritt des kalifornischen Videodienstes steht den privaten Fernsehunternehmen und öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten aber eine Bewährungsprobe bevor. Denn Netflix fordert das Geschäftsmodell des linearen Fernsehens heraus.

Längst stößt das herkömmliche Fernsehen an Wachstumsgrenzen. Vor allem bei jüngeren Zielgruppen laufen Videoportale wie Netflix offene Türen ein. Immer weniger Zuschauer, sprich Nutzer, wollen sich von Programmdirektoren diktieren lassen, was wann und wo gesendet wird. Eine einziges, gemeinsames Videoabrufportal als mächtige Gegenwehr bleibt RTL, Pro Sieben Sat 1, ARD und ZDF vom Kartellamt verwehrt.

Netflix wird zu Beginn ausschließlich auf amerikanische Serien und Filme setzen. Das muss kein Nachteil sein. Denn die einheimische TV-Kosten spricht ohnehin vor allem die Kundschaft jenseits der werberelevanten Zielgruppe von bis zu 49 Jahren an. Mit der Hollywood-Ware wird der Videodienst versuchen, vor allem das wirtschaftlich jüngere Publikum von den hoch rentablen Sendern wie Pro Sieben und RTL wegzulocken.

Hinzu kommt, dass die Amerikaner auf Dauer nicht nur eine Abspielplattform sein werden. Netflix-Chef Hastings hat bereits angekündigt, auch einige Inhalte für die jeweiligen Sprachenmärkte produzieren zu wollen. Wie geschickt das börsennotierte Unternehmen Auftragsproduktionen umsetzt, zeigten die weltweiten Erfolge der Netflix-Produktionen „House of Cards“ oder „Orange is the New Black“.

Der deutsche Markt ist für Netflix keine gemähte Wiese. Maxdome, Watchever und Sky Snap haben sich mit attraktiven Rechten in Hollywood präventiv gut eingedeckt. Doch die Zeiten, als Sky noch exklusiv „House of Cards“ für den deutschen Markt erwerben konnte, werden mit dem Markteintritt von Netflix im Herbst endgültig der Vergangenheit angehören. Hinzu kommt, dass der US-Videodienst als Rechtenehmer und Auftraggeber für die Hollywood-Studios stark an Bedeutung gewinnt.

Es wird spannend zu beobachten, wer künftig beim Rechteeinkauf bei den Warner Bros., Disney & Co. am längeren Hebel sitzen wird – Netflix oder die großen Konzerne RTL, Pro Sieben Sat 1 und Sky?

Kommentare (5)

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Herr Nehal Devanowitch

28.07.2014, 08:24 Uhr

Die Sender und die Ganze Industrie unterschätzen ohnehin seit Jahren ihre Branche. Nicht selten denkt man dann wenn man ganz oben ist das man fliegen kann..

Herr Horst Hamacher

28.07.2014, 08:56 Uhr

Hoffentlich wird somit das unrühmliche Ende der Öffentlich Rechtlichen eingeleutet!

Herr peter Spirat

28.07.2014, 10:11 Uhr

Was viele nicht wissen: Redakteure des Springer-Verlages (Bild, Welt) müssen Arbeitsverträge unterschreiben, bei denen die guten Beziehungen zu Israel und den USA Vertragsbestanteil sind.
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d.h. die Redaktuere müssen uns belügen. wwer also sich heute noch objektiv über die
Wirtschaft informieren will, muss sich im Internet informieren !!

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