Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.02.2015

16:54 Uhr

Der Medien-Kommissar

Das Ende der „Sportschau“ droht

VonHans-Peter Siebenhaar

Der Milliarden-Deal der englischen Premier League zeigt es: Die Fußball-Bundesliga könnte mit den Fernsehrechten viel mehr Geld verdienen. Dafür müsste sie jedoch alte Tabus und die Gewohnheiten der Fans brechen.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Schock für die Deutsche Fußball Liga (DFL) durch den neuen TV-Vertrag der englischen Premier League sitzt tief. Von einer „medialen Atombombe“ war im Umfeld von DFL-Chef Christian Seifert die Rede. Die Einschätzung ist richtig. Denn auch im deutschen Fußball ist nach der neuen Vereinbarung für die englische Premier League nichts mehr, wie es vorher war.

Rund 9,5 Milliarden Euro werden die englischen Klubs mit ihrem neuen Vertrag zwischen 2016 und 2019 aus den Fernseh- und Internetrechten einnehmen – 6,9 Milliarden Euro auf dem Inlandsmarkt und 2,6 Milliarden Euro aus der Auslandsvermarktung. Zum Vergleich: Die Deutsche Fußball Liga erwartet in der Saison 2016/17 gerade mal Einnahmen von 835 Millionen Euro (inklusive der Auslandsrechte von rund 160 Millionen Euro) – ein vergleichsweise bescheidener Betrag. Natürlich ist die Bundesliga nicht mit der Premier League zu vergleichen. Dazwischen liegt noch immer wirtschaftlich eine oder gar zwei Klassen.

Doch eines ist auch klar: die Fußball-Bundesliga verkauft ihrer Medienrechte noch viel zu preiswert. Bei der kommenden Ausschreibung Frühjahr oder Sommer nächsten Jahres muss sich die DFL als Organisation der Profi-Klubs endlich auch zu unpopulären Maßnahmen durchringen. Wenn man gar in die Nähe von einer Milliarde Euro will, wird die Bundesliga zwangläufig ausschließlich im Pay-TV zu sehen sein. Nur so lassen sich Spitzenpreise erreichen.

Mit dem Milliarden-Deal der englischen Premier League naht das Ende der ARD-„Sportschau“. Das Gebührenfernsehen – ARD und ZDF – hatte zuletzt vergleichsweise bescheidene rund 120 Millionen Euro für die Fernsehrechte pro Saison gezahlt. Das Zugeständnis der DFL an das Erste macht aber ökonomisch längst keinen Sinn mehr. Mit einer exklusiven Rechtevergabe an ein Medien-, Kabel- und Telekommunikationsunternehmen lassen sich zweifellos sehr viel höhere Preise erzielen, die den Verlust der ARD-„Sportschau“ spielend ausgleicht.

DFL-Chef Seifert kennt die Mechanik des TV-Rechtegeschäfts wie kein Zweiter. Sein größtes Problem sind noch die Klubs mit ihrer geringen strategischen Weitsicht. Sie haben aus Rücksicht auf Sponsoren und Fans bei der vergangenen Rechtevergabe verhindert, dass der ARD-„Sportschau“ der Garaus gemacht wurde. Eine teure Entscheidung.

Bei der nächsten Runde darf es aus wirtschaftlichen Gründen keine Tabus mehr geben. Das gilt nicht nur für die Umverteilung von Anstoßzeiten, sondern auch für das öffentlich-rechtliche Fernsehen.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Thomas V. Schuischel

16.02.2015, 17:22 Uhr

"Dafür müsste sie sich jedoch an Tabus – und an die Gewohnheiten der Fans."

Herr Thomas V. Schuischel

16.02.2015, 17:24 Uhr

Aha. Hat sich der Korrekturleser für heute krank gemeldet?

Herr Andreas Borchert

16.02.2015, 17:30 Uhr

Der Autor erwähnt nicht, dass ein Großteil der TV-Einnahmen der Premier League aus der Auslandsvermarktung stammt. Und die ist vor allem Sache der DFL. Wenn hier das große Potenzial also nicht ausgeschöpft wird, ist die DFL dafür verantwortlich und nicht sturköpfige Vereinsoberhäupter.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×