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13.04.2015

13:25 Uhr

Der Medien-Kommissar

Das goldene TV-Zeitalter neigt sich dem Ende zu

VonHans-Peter Siebenhaar

Seit drei Jahrzehnten erzielen die Fernsehkonzerne über Werbung Milliardenumsätze. Doch Reklame wird in Zukunft nicht mehr ausreichen. Denn das lineare Fernsehen hat seinen Zenit überschritten.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Unbequeme Wahrheiten auszusprechen, hat in den Fernsehsendern traditionell keine Hochkonjunktur. Die TV-Branche besitzt großes Talent ernste Probleme – pardon: Herausforderungen – schönzureden oder auszublenden.

Zu den wenigen, die den Mut aufbringen, die Dinge beim Namen zu nennen, zählt Gerhard Zeiler. Seit drei Jahren ist der Österreicher Präsident von Turner Broadcasting (CNN, Cartoon Network, TNT). Der 59-Jährige, der das knapp zwei Milliarden Euro schwere, weltweite Fernsehgeschäft des US-Medienriesen Time Warner (mit Ausnahme von Nordamerika) verantwortet, seziert bei unserem letzten Gespräch in Wien das zentrale Problem nicht nur der deutschen, sondern der globalen Fernsehbranche. „Die Werbewirtschaft zahlt vieles, aber in Zukunft nicht mehr alles“, sagt der frühere RTL-Vorstandschef. „Unternehmen, die glauben, sie könnten sich mit 90 Prozent oder mehr allein aus TV-Werbung finanzieren, werden es in Zukunft sehr schwer haben.“

Die bittere Wahrheit: Bei der TV-Werbung wachsen die Bäume längst nicht mehr in den Himmel. Die Steigerung der Reklameerlöse bewegt sich mehr oder weniger auf dem Niveau der Inflationsrate. Und die ist im Euroland heute und voraussichtlich auch noch morgen auf einem sehr niedrigen Niveau.

Der Druck auf die Fernsehkonzerne wächst vor diesem Hintergrund dramatisch. Das lineare Fernsehen hat seinen Zenit überschritten. Filme- und Fernsehen auf Abruf – in der Branche Video-on-Demand genannt – erleben einen Höhenflug. Insbesondere die für die Werbewirtschaft jungen Zuschauer laufen scharenweise zu Youtube, Netflix, Watchever & Co. über. Nach jüngsten Studien nutzen mittlerweile bereits Drei Viertel der Zwölf- bis 19-Jährigen mindestens einmal pro Woche Videoportale. Tendenz stark steigend.

Das Fernsehen aus dem Internet ist längst medialer Alltag geworden. Insbesondere die kostenpflichtigen Video-on-Demand-Angebote werden künftig noch eine stärkere Rolle spielen. Bei vielen Smart-TVs sind sie bereits vorinstalliert. So wächst die Versuchung, dem linearen Fernsehen noch öfters den Rücken zu kehren.

Kommentare (1)

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Herr Paul Diederich

13.04.2015, 15:01 Uhr

Das das lineare TV an sein Ende gekommen ist ist eine Binse.
Und wenn diese Konzerne schrumpfen oder sterben weil sie auch das Internet nicht richtig bedienen können ist das o.k. Nennt sich Marktwirtschaft.

Und das was Herr Siebhaar hier als Nachteil aufführt, ist tatsächlich ein Vorteil. Hätten wir die Öffentlich Rechtlichen nicht sähe es hier aus wie in Italien.....

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