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17.11.2014

14:12 Uhr

Der Medien-Kommissar

Das Putin-Interview war eine Sternstunde im Ersten

VonHans-Peter Siebenhaar

Das Gespräch von NDR-Autor Seipel mit Kreml-Chef Putin wurde als zu zahm kritisiert. Doch die Kritiker liegen falsch. Mit dem Interview hat die ARD gezeigt, wie spannend Politik im Fernsehen sein kann.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Politik und Fernsehen – das ist keine Liebe. Selten gehen Interviews mit Politiker in die Tiefe. Nur in Ausnahmefällen haben Entscheidungsträger ausreichend Zeit, komplexe und komplizierte Sachverhalte dazustellen und ihre Position abzuleiten. Eine Ausnahme macht nun die ARD mit dem russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin. Im Ersten wurde dem Kreml-Chef reichlich Zeit gegeben, endlich seine Sicht der Dinge ausführlich darzustellen. Interviewer Hubert Seipel gelang es, einen Dialog abseits von pseudo-kritischen Allerlei zu entwickeln. Der Russland-Experte war endlich einmal ein Fragesteller und kein Selbstdarsteller. Das tat der Sache gut, auch wenn Putins Argumente für einen Verstoß gegen das Völkerrecht durch die Annexion der Halbinsel Krim schwer erträglich sind.

Die kritische Auseinandersetzung mit auch manch alten Argumenten erfolgte danach unter der ausnahmsweise geglückten Regie von Günther Jauch. Die Runde mit dem stets klugen Historiker Heinrich August Winkler und der nie um ein klares Wort verlegenen WDR-Chefredakteurin Sonia Seymour Mikich fast ideal besetzt. Selbst Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen erwies sich diesmal als sinnvolle Ergänzung, um die Folgen des Ukraine-Konfliktes zu diskutieren.

Fernsehen kann nicht die Diplomatie ersetzen. Doch um eine neue Spirale der Gewalt zu vermeiden, ist es wichtig, dass Deutschland und Russland im Gespräch bleiben. Dazu gehören natürlich internationale Konferenzen und Treffen auf Regierungsebene, aber eben auch die Kommunikation über Massenmedien. Vor diesem Hintergrund war das Interview mit Putin und die anschließende kritische Analyse seiner Aussagen eine Sternstunde im Ersten.

Kommentare (51)

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Herr Uwe Reissner

17.11.2014, 14:37 Uhr

Zitat: Vor diesem Hintergrund war das Interview mit Putin und die anschließende kritische Analyse seiner Aussagen eine Sternstunde im Ersten......

Hans-Peter Siebenhaar kann einen um seine bisherige Erfahrungen leit tun. Wenn das eine Sternstunde war ..., scheiße, wie langweilig eigentlich sein Leben sein muss.

Herr C. Falk

17.11.2014, 14:50 Uhr

Na ja, ich finde den Kommentar von Herrn Siebenhaar angemessen und zutreffend. Allerdings hätte ich mir anstelle der Verteitigungsministerin Herrn Steinmeier als Mitdiskutanten gewünscht, dessen außenpolitische Erfahrungen doch wohl etwas grösser sind als die der von Frau von der Leyen.

Herr Uwe Reissner

17.11.2014, 15:13 Uhr

Die Diskussionen und das Interview waren doch so was von seicht.

Fakt ist, Putin will den gleichen Status Quo wie in Abrachsien/Georgien und später dann Südossieten herstellen. Das scheint aber niemand aufzufallen. Es ist praktisch die gleiche Vorgehensweise. Russische Politik wird ausgeübt über ein eigenständiges russlandtreues Parlament in den Regionen.

Fakt ist aber auch, das Fehlverhalten von Seiten der EU/USA, die Russland nie auf Augenhöhe behandelt hatten, diese Situation provoziert hatten. Das Nichtzugeben können unserer Politiker, macht sie keinen Deut besser als Putin.
Dabei hätte die EU mit Russland und dessen riesigen Markt nur profitieren können. Europa wäre auch Jahrzehnte die Wirtschaftsmacht Nr.1. Und vermutlich auf die politische Macht.

Die Reaktion Putins war absehbar.

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