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03.07.2017

10:39 Uhr

Der Medien-Kommissar

Das Theater als Waffe

VonHans-Peter Siebenhaar

Der frühere Burgtheater-Chef Claus Peymann wollte stets ein Stachel im Hinter der Mächtigen sein. Mit Martin Kušej tritt in Wien nun ein Theatermann an, der Peymanns gesellschaftspolitisches Vermächtnis fortführen will.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

WienDas Theater hat Claus Peymann stets als Waffe begriffen. Der heute 80-Jährige wollte stets der Stachel im Hintern der Mächtigen sein. Mit seinem Abtritt als Direktor des Berliner Ensembles verlässt einer der ganz großen Theatermacher die Bühne. Mit einer fünfstündigen Show verabschiedete sich Peymann in Berlin, einer der aus seinem politischen Anspruch zur Veränderung über Jahrzehnte ein künstlerisches Erfolgsmodell machte. Der frühere Burgtheater-Chef stellte sich stets die zentrale Frage: Ist Theater als Waffe noch stark genug?

An seiner früheren Wirkungsstätte in Wien hat sich diese Waffe in den vergangenen Jahren ein wenig abgenutzt. Dort, wo Peymann mit seinem Hausautor Thomas Bernhard einst die politischen Debatten in Österreich beherrschte, ist es in den vergangenen Jahren apolitischer und harmloser geworden – mit wenigen Ausnahmen, wie beispielsweise Elfriede Jelineks Stück „Die Schutzbefohlenen“. Schließlich war die berühmteste Bühne deutscher Sprache in den vergangenen Jahren vor allem mit der finanziellen Gesundung beschäftigt. Die frühere Peymann-Mitarbeiterin Karin Bergmann übernahm 2014 auf Bitten der österreichischen Regierung den Direktorenposten, um das Haus wieder in die schwarzen Zahlen und aus den miesen Schlagzeilen zu führen. Die Theatermanagerin aus der Ruhrgebietsstadt Recklinghausen wurde von der rot-schwarzen Bundesregierung geholt, um nach einem veritablen Finanzskandal unter der Führung ihres Vorgängers Matthias Hartmann die Kasse wieder in Ordnung zu bringen. Das ist ihr gelungen.

Nun können neue Zeiten anbrechen. Im September 2019 wird Martin Kušej den Posten des Burgtheaterchefs in der österreichischen übernehmen. Dann werden auch die finanziellen Sanierungsarbeiten endgültig abgeschlossen sein. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt zusammen mit dem österreichischen Kulturminister Thomas Drozda, einst selbst kaufmännischer Geschäftsführer des Burgtheaters, stellt sich Kušej indirekt in die Tradition Peymanns, der von 1986 bis 1999 die „Burg“ führte.  „Es ist in der Tat Zeit, wieder politisch zu werden“, sagte der 56-jährige Theaterprovokateur Kušej, der es an klaren Haltungen und Positionen nicht vermissen lässt. Er will für Veränderung, Irritation und Aufregung sorgen. Der gebürtige Kärntner und Mitglied der slowenischen Minderheit sagte ganz undiplomatisch an die Adresse der Schönredner: „Wir erleben gerade einen weltweiten Siegeszug von Dummheit und Ignoranz.“

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