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19.10.2015

19:07 Uhr

Der Medien-Kommissar

Der andere ARD-Check

VonHans-Peter Siebenhaar

Ausgerechnet in den eigenen Reihen wachsen die Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Das ehemalige ARD-Urgestein Bettina Reitz warnt vor einem „Seniorenfernsehen“.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Erstmals in der Geschichte der ARD diskutieren Intendanten am Montagabend im Ersten das eigene Tun. Die mächtigen Senderchefs Lutz Marmor und Tom Buhrow beantworten Fragen zur Zukunftsfähigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland. „ARD-Check“ nennen die Granden des Gebührenfernsehens das inszenierte Frage- und Antwortspiel, das einem Eigenlob gleichkommt. Der bislang einmalige Schritt, sich einigen Fragen zum eigenen Tun zu stellen, ist keineswegs freiwillig.

Seit der Einführung der Haushaltsgebühr vor knapp zwei Jahren steht die ARD und ihr Schwestersender ZDF mächtig unter Erklärungsdruck. Denn die Rundfunkgebühr, die für alle Bürger und Unternehmen verpflichtend ist, egal ob sie Angebote von ARD und ZDF überhaupt noch brauchen, bescherte den Anstalten zwar Milliardenmehreinnahmen, gleichzeitig aber sorgte sie für eine tiefe Entfremdung zwischen Geldgeber und Geldausgebern. Das früher so starke Band zwischen Bürger und öffentlich-rechtlichen Rundfunk haben die Anstalten damit zerschnitten.

Lange hatten die Chefetagen von ARD und ZDF gleichgültig und arrogant reagiert, wenn sich Kritiker des teuersten Rundfunksystem Europas zu Wort gemeldet haben. Nach dem Motto: was kratzt uns die Kritik angesichts von Einnahmen von über acht Milliarden Euro jährlich? Doch sich taub und pelzig zu stellen wie einst die Staatsführung der DDR vor dem Fall der Berliner Mauer, erweist sich zunehmend als schwerwiegender Fehler. Denn die Selbstzweifel in den eigenen Reihen wachsen.

Die Verunsicherung unter den vielen Tausend Mitarbeitern ist mittlerweile gewaltig. Nach dem langjährigen „Aspekte“-Chef Wolfgang Herles (ZDF) hat nun das ARD-Urgestein Bettina Reitz den Intendanten den Kopf gewaschen. Die langjährige Serien- und Fernsehfilmchefin des Bayerischen Rundfunks ist auf den Chefsessel der angesehenen Hochschule für Film und Fernsehen in München gewechselt und braucht nun aus ihrem Herzen keine Mördergrube mehr zu machen. Sie kann die Wahrheit aussprechen. Das Gleiche gilt auch für Herles. Der ZDF-Journalist schrieb seine Abrechnung mit den „Gefallsüchtigen“ kurz vor der Rente.

Reitz, die leidenschaftliche Fernsehfrau, warnt die Intendanten vor einem „Seniorenfernsehen“. „Es gibt einen immer größeren Spagat zwischen denen, die 50plus sind und auf ihr Fernsehen nicht verzichten wollen, die 30minus sind und den Tatort schauen, ohne sich darum zu scheren, wer ihn produziert“, gibt sie zu bedenken.

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