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11.04.2016

10:39 Uhr

Der Medien-Kommissar

Der einsame Jan Böhmermann

VonHans-Peter Siebenhaar

Springer-Chef Döpfner solidarisiert sich mit Jan Böhmermann im Streit um seine TV-Satire auf den türkischen Präsidenten. Die Intendanten von ARD und ZDF sowie die Bundesregierung ducken sich stattdessen weg.

Der türkische Präsident fordert eine Strafverfolgung des deutschen Satirikers. dpa

Jan Böhmermann (links) und Recep Tayyip Erdogan

Der türkische Präsident fordert eine Strafverfolgung des deutschen Satirikers.

Die Einsamkeit des Satirikers Jan Böhmermann nach der umstrittenen Erdogan-Satire im ZDF ist augenfällig. Weder ZDF-Intendant Thomas Bellut noch seine Kollegen von der ARD unterstützen das große TV-Nachwuchstalent, nachdem der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hartnäckig eine Strafverfolgung des Komikers fordert. Die Chefetagen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ducken sich mutlos weg. So viel Feigheit war selten.

Dabei hätte es am Wochenende eine exzellente Möglichkeit gegeben, die Kunst- und Meinungsfreiheit zu verteidigen. Denn Böhmermann wurde mit dem Adolf-Grimme-Preis für seine Satire in seiner Show „Neo Magazin Royal“ um den Stinkefinger des früheren griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis ausgezeichnet. Zudem erhielt der Entertainer am gleichen Abend eine „besondere Ehrung“ für seine Verdienste um die Entwicklung des digitalen Fernsehens vom Deutschen Volkshochschul-Verband, der zusammen mit ZDF, WDR und dem Land Nordrhein-Westfalen das Grimme-Institut in Marl finanziert. Doch die Mächtigen des Gebührenfernsehens haben die Chance vergeben. Sie haben Böhmermann, der in kluger Voraussicht der heuchlerischen Show am Rande des Ruhrgebiets fernblieb, bewusst allein gelassen.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Umso mutiger ist es, dass sich überraschendweiser gerade Mathias Döpfner mit dem TV-Entertainer solidarisiert. Der Vorstandschef des börsennotierten Medienkonzerns Axel Springer will sogar notfalls mit dem Satiriker gemeinsam die Anklagebank drücken. „Ich möchte mich, Herr Böhmermann, vorsichtshalber allen ihren Formulierungen und Schmähungen inhaltlich voll und ganz anschließen und sie mir in jeder juristischen Form zu eigen machen. Vielleicht lernen wir uns auf diese Weise vor Gericht kennen“, schrieb Döpfner in der konzerneigenen „Welt“.

Dass der einflussreichste Medienmanager in Deutschland sich an die Spitze im Kampf um die Freiheit der Kunst stellt, ist ein Novum in der Branche, in der ansonsten vor allem Ebitda-Marge und Börsenkurs zählen. Schon lange gab es keinen Konzernlenker aus der Medienbranche mehr, der so ein klares Bekenntnis in einer politisch brisanten Kontroverse abgelegt hat.

Wer Döpfner – ein leidenschaftlicher Liebhaber und Förderer der Kunst – kennt, weiß, wie ernst der gelernte Musikwissenschaftler seinen Aussagen meint. Er ordnet auch das angebliche Schmähgedicht auf Erdogan ein. „Dass Ihr Gedicht geschmacklos, primitiv und beleidigend war, war ja – wenn ich es richtig verstanden habe – der Sinn der Sache“, erkennt Döpfner als einer der wenigen im Lande.

Kommentare (17)

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Frau Ramona Koch

11.04.2016, 11:27 Uhr

...am besten sollten die ARD und der ZDF ihren Geschäftssitz in die Türkei verlegen, da passen sie besser hin...von einer Satire ist noch niemand gestorben, aber wer weiß, wieviele Menschen Erdogan auf dem Gewissen hat...wenn jemand angeklagt gehört, dann wohl er!!!

Herr Hans Mayer

11.04.2016, 11:43 Uhr

Jan Böhmermann ist zwar ein "Dummschwätzer", aber auch das darf man in einer Demokratie, bei uns anscheinend nicht mehr. Jetzt steht der arme "Komiker" ganz alleine, ganz dumm da, unsere Politikerkasper haben sich ja mit dem Sultan gemein gemacht, eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.

Novi Prinz

11.04.2016, 11:44 Uhr

Wenigstens einen Tag sollte man ihm gönnen , das steigert den Marktwert und wäre der Leuchtturm seiner Biogrphie .

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