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14.10.2013

13:45 Uhr

Der Medien-Kommissar

Der falsche Schlussstrich

VonHans-Peter Siebenhaar

Der frühere Chef des Kinderkanals, Frank Beckmann, erreicht mit der Zahlung von 30.000 Euro die Einstellung eines Untreueverfahrens. Nun steht sein Vertrag als Programmdirektor des NDR an. Ein Zufall?

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Traurig, aber wahr: beim Kinderkanal (Kika) gab es über Jahre einen systematischen Millionenbetrug. Der größte Korruptionsskandal in der Geschichte des öffentlich-rechtlichen Fernsehens kam eher zufällig ans Tageslicht.

Die Machenschaften des früheren Herstellungsleiters des Kika, Marco Kirchhof, wurden erst nach der Selbstanzeige seines Geschäftspartners entdeckt und juristisch über Jahre aufgearbeitet. Mit Scheinrechnungen wurde der gemeinsame Kindersender von ARD und ZDF um Millionen von Euro erleichtert. Aufgefallen ist es niemand.

Der damalige Kika-Programmgeschäftsführer Frank Beckmann sagte noch vor zwei Jahren lapidar: „Ich war für die wirtschaftlichen Gesamtdaten zuständig und nicht für einzelne Rechnungen.“ Doch bei einem überschaubaren Etat von damals 85 Millionen Euro hätte das ihm und alle den vielen anderen Kontrolleuren auffallen müssen. Schließlich rissen die abgezweigten Millionen ein gewaltiges Finanzloch.

Mit einer Zahlung einer Geldbuße von stolzen 30.000 Euro konnte nun der NDR-Manager, der von 2006 bis 2008 den Kika leitete, die Einstellung des Ermittlungsverfahrens erreichen. Damit stellt die Staatsanwaltschaft Erfurt die Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue nach drei Jahren ein. Auslöser für die Aktivitäten der Ermittlungsbehörden war eine teure Abschiedsparty von Beckmann auf Kosten der Gebührenzahler. Bei ARD und ZDF wird immer gerne gefeiert.

„Ich möchte endlich einen Schlussstrich ziehen“, sagte Beckmann dem Kölner Branchendienst dwdl.de. Das kommt offenbar zum richtigen Zeitpunkt. Zufall oder nicht – seine Vertragsverlängerung als TV-Programmdirektor beim NDR steht Ende Oktober an. Auch wenn Beckmann beteuert, die beiden Dinge hätten miteinander nichts zu tun: Die öffentlich-rechtliche Anstalt zögerte, so lange die Ermittlungen der thüringischen Staatsanwaltschaft liefen. Die 30.000 Euro Geldbuße sind also gut angelegt, wenn Beckmann es schafft, seine Verlängerung doch noch durchzusetzen.

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