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24.03.2014

12:03 Uhr

Der Medien-Kommissar

Der gefesselte Gulliver Bertelsmann

VonHans-Peter Siebenhaar

Bertelsmann hat ein Problem: Bei den Erlösen tritt das Familienunternehmen aus Ostwestfalen auf der Stelle. Konzernchef Thomas Rabe kann die Kräfte des Medienkonzerns nicht entfesseln.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Die Bertelsmann-Stiftung beglückt die Menschheit immer wieder mit neuen Erkenntnissen. Der über die Familie Mohn kontrollierte Eigentümer des Medienkonzerns hat neulich festgestellt, dass bereits jeder Fünfte im Laufe seines Lebens an einer Depression erkrankt, manche davon sogar ausgesprochen schwer. Und das Schlimmste: Nicht für alle gibt es eine angemessene Therapie.

Diese Erkenntnisse sind wie eine Parabel auf den wirtschaftlichen Erfolg des Konzerns. Denn auch die therapeutischen Bemühungen des Vorstandsvorsitzenden Thomas Rabe haben bislang wenig gefruchtet. Der seit zweieinhalb Jahren agierende Konzernlenker konnte mit seinen Behandlungsmethoden bislang nur eingeschränkt überzeugen und das Familienunternehmen nicht in einen Glückszustand versetzen. Denn bei den Erlösen tritt das Unternehmen von Liz Mohn und ihren Kindern Brigitte und Christoph auf der Stelle.

Am Mittwoch legt Bertelsmann in der pompösen Berliner Konzernrepräsentanz seine Jahresbilanz vor. Das von Rabe vorgestellte Zahlenwerk wird keinen Anlass zum Jubeln bieten. Denn das schmale Umsatzwachstum wird vor allem durch Konsolidierung von Zusammenschlüssen wie der Buchkonzerne Random House und Penguin oder durch die Komplettübernahme des Musikrechtegeschäfts BMG bzw. durch Zukäufe zustande kommen.

Es gehört beinahe schon zu den Gepflogenheiten des ostwestfälischen Familienunternehmens, dass die Jahresbilanz bereits zuvor durchsickert. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vermeldet, sind die Erlöse des Konzerns im Jahr 2013 lediglich um zwei Prozent auf 16,4 Milliarden gewachsen. Zieht man die bilanzielle Sondereffekte und die Inflation ab, heißt das: Bertelsmann kämpft mit einem Bedeutungsverlust.

Das Kerngeschäft stagniert oder ist gar rückläufig. Ein Beispiel dafür ist der größte Gewinnbringers der Gütersloher, der Fernsehkonzern RTL Group. Die Erlöse des größten TV- und Radioriesen in Europa sanken im vergangenen Jahr um annähernd zwei Prozent auf 5,9 Milliarden. Und die Aussichten: Für 2014 rechnet die in Luxemburg ansässige RTL Group lediglich mit stabilen Umsätzen.

Rabe reagiert auf seine Weise. Er macht Versprechungen. 2016 oder 2017 soll Bertelsmann die psychologisch wichtige Umsatzschwelle von 20 Milliarden überspringen. Wie bescheiden ist doch Gütersloh geworden. Zur Erinnerung: Bereits 2008 wollte Rabes Vorgänger, Hartmut Ostrowski, den Umsatz bis 2015 auf 30 Milliarden Euro verdoppeln.

Im Reich von Bertelsmann bröckelt es. Das lukrative Fernsehgeschäft stagniert. Die Zeitschriftentochter Gruner + Jahr ist heute nur noch ein Schatten ihrer selbst. Im Heimatmarkt kämpfen die Hamburger nach dem Rückzug aus der Wirtschaftspresse gegen sinkende Erlöse und Erträge. Das Auslandsgeschäft in Osteuropa ist fast komplett verkauft. Die Dienstleistungstochter Arvato ist margenschwach, daran konnte auch ein Vorstandswechsel nichts ändern.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

24.03.2014, 13:30 Uhr

"......sind die Erlöse des Konzerns im Jahr 2013 lediglich um zwei Prozent auf 16,4 Milliarden gewachsen."

Genau, es können gar nicht genug Milliarden eingefahren werden und wenn es nur mickrige 2 % mehr sind, ist das unverschämt und fast schon am Rande des Bankrotts.
Auch der Autor dieses Kommentars hat seit der Finanzkrise nichts dazugelernt. Genau mit dem immer schneller , höher , weiter sind wir erst dahin gekommen, wo wir jetzt dahin siechen. Dass es auch mal eine Konsolidierung geben muss, dass man auch mal ruhig eine Nullrunde fahren darf, dass man nicht um jeden Preis sich wieder ins Roulette begeben muss, ist zu den damaligen Aussagen schnell wieder vergessen.
Und wieder sind es Kommentatoren, wie eben dieser, die das Geschäft anheizen müssen und wenn es nach ihrer Mütze geht, werden wieder Unternehmen totgeschrieben, wenn sie nicht 10 oder 15 % mehr im Jahr erwirtschaften. Wie verantwortungslos muss man als Journalist sein, um Milliardengewinne als zu gering abzutun ?

Account gelöscht!

24.03.2014, 20:09 Uhr

Der augenscheinliche Mißerfolg in Gütersloh hat genau zwei Gesichter: der Finanzmann an der Spitze, der das Geschäft überhaupt nicht versteht - sondern sich gerne mit Abwanderungsgelüsten nach oben putscht. Und die Dame, die sich operativ rechtzeitig aus RTL zurückgezogen hat, bevor ihr Nichtskönnen augenscheinlich wurde.

Klasse Fr. Mohn, so erfolgreich ist eine UnternehmerIN mit einer Sekretariatsausbildung.

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