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25.08.2014

13:11 Uhr

Der Medien-Kommissar

„Der Spiegel“ braucht eine neue Lichtgestalt

VonHans-Peter Siebenhaar

„Spiegel“-Chef Wolfgang Büchner hat mit seinen Umbauplänen die Mannschaft des Nachrichtenmagazins tief gespalten. Daran ändert auch der jüngste Kompromiss nichts. Der Wunsch nach einem neuen Macher wächst beim Magazin.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Wolfgang Büchner sitzt zwischen allen Stühlen. Der „Spiegel“-Chef hat mit seinem Vorgehen bei der geplanten engeren Verzahnung von Online und Print die Redaktion und Dokumentation des gedruckten Nachrichtenmagazins gegen sich aufgebracht wie niemand zuvor in der ereignisreichen Verlagsgeschichte. Das Votum von 86 Prozent gegen die Neuausschreibung der Ressortleiterstellen, die künftig für Print und Online verantwortlich sein sollen, ist eine schallende Ohrfeige für den Chefredakteur, der gerade ein Jahr im Amt ist.

Weit schlimmer ist aber, dass alle Gesellschafter – also neben der Mitarbeiter-KG auch der Bertelsmann-Zeitschriftenkonzern Gruner + Jahr („Stern“, „Brigitte“) und die Augstein-Erben – Büchner bei einem kurzfristig anberaumten Treffen in der Hamburger Fünf-Sterne-Herberge Hyatt dazu verdonnert haben, den Umbau nunmehr in „enger Zusammenarbeit“ mit der Redaktion durchzuführen. Das betrifft sowohl die Art der Strukturveränderung als auch den zeitlichen Ablauf.

Im Klartext bedeutet dies: Die Macht des Chefredakteurs wird zugunsten der mächtigen Ressortchefs des Heftes beschnitten. Büchner muss nun bei seinen Umbau-Plänen um den Rückhalt in der Redaktion und Dokumentation buhlen – und das in einer Situation, wo mancher ihm bereits die Gefolgschaft innerlich gekündigt hat. Das kommt einer „mission impossible“ gleich.

Dazu muss man wissen, dass die Mitarbeiter KG 50,5 Prozent der Gesellschafter-Anteile hält. Doch Kommanditisten sind nur die Mitarbeiter der gedruckten Ausgabe. Die Online-Redakteure halten hingegen keine Anteile an der Mitarbeiter KG. Daher sind sie in dem Machtpoker auch ohne wirklichen Einfluss.

Scheitern ist für Büchner keine neue Erfahrung. Bereits zuvor konnte er den „Bild“-Mann Nikolaus Blome nicht zu seinem Stellvertreter machen. Der schale Kompromiss: Der ehemalige „Bild“-Vize wird lediglich Mitglied der Chefredaktion.

Bereits bevor es überhaupt los gegangenen ist, hat Büchners Projekt unter dem Titel „Spiegel 3.0“ Schiffbruch erlitten. Denn die von den Gesellschaftern beschlossene enge Zusammenarbeit mit der Redaktion bedeutet, dass Entscheidungen Zeit und deren Umsetzung noch sehr viel mehr Zeit in Anspruch nehmen werden.

Kommentare (4)

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Herr Heinz Gase

25.08.2014, 13:25 Uhr

Ne, der Spiegel brauch mehr WAHRHEIT und weniger Propaganda. Dann kehren die Käufer und Abonennten auch wieder zurück.

Sergio Puntila

25.08.2014, 13:46 Uhr

"Das Bollwerk der Demokratie" liegt inzwischen brav zerschossen hinter den Frontlinien und gibt den marketinggestählten Sekundanten an der propagandistischen Heimatfront.
Und während sich der Laden selbst austrickst kann man von Springer nur noch sagen: nichtmal damit kann Döpfner noch erschrecken: Hose voll vor Google schickt der seinen Laden lieber gleich auf die Knie.

Herr Alfred Werner

25.08.2014, 14:27 Uhr

Der Spiegel, den ich persönlich nur noch Speichel nenne, braucht vor allem eine weiße Lichtgestalt, und keine, die in den neuen SED 2.0 - Tönen schwärzlich-rötlich-grünlich flimmert. Gehen Sie mit dieser Farbmischung mal zum Arzt, der wird größte Bedenken haben.

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