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23.02.2015

17:10 Uhr

Der Medien-Kommissar

Der Traum vom deutschen CNN

VonHans-Peter Siebenhaar

Die deutsche Politik lässt die Deutsche Welle im Stich. Statt in turbulenten Zeiten die Stimme Deutschlands in der Welt auszubauen, speist Berlin den Auslandsrundfunk mit finanziellen Brosamen ab.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Als Peter Limbourg am 1. Oktober 2013 den Chefsessel bei der Deutschen Wellen übernahm, war das ein Novum in der mit Steuern und Gebühren finanzierten Rundfunkwelt. Noch nie stieg eine Nachrichtenmann oder Manager aus dem Privatfernsehen zum Intendanten einer öffentlich-rechtlichen Anstalt auf. Der N24-Chefredakteur und oberste Nachrichtenmann des Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat 1 hatte sich durchgesetzt. Doch der Traumjob verwandelte sich für den ehrgeizigen Diplomatensohn schnell in einen Alptraum.

Die Euphorie, mit der Limbourg bei den Mitarbeitern in Berlin und Bonn empfangen wurde, ist heute verflogen. Motivation ist in Frustration umgeschlagen. Denn die Belegschaft und Limbourg selbst merkten schnell, die Politik hungert die Deutsche Welle systematisch aus. Bis 2017 droht eine Finanzierungslücke nach Schätzung der Beteiligten zwischen 24 und 30 Millionen Euro.

Im Gegensatz zu ARD und ZDF mit ihren rund acht Milliarden Euro an Gebühreneinnahmen zuzüglich Werbe- und Unternehmensbeteiligungserlöse hängt der Auslandsrundfunk ausschließlich am finanziellen Tropf der Bundesregierung. Für lediglich 272 Millionen Euro veranstaltet die Deutsche Welle Fernseh- und Radioprogramme, Apps, Websites und Blogs in 30 Sprachen.

Bereits im vergangenen Jahr zogen die Beschäftigten wegen der chronischen Unterfinanzierung, Programmkürzungen und Personalabbau vor das Brandenburger Tor. Am Montag gab es eine weitere Protestkundgebung von Beschäftigten in Bonn. Die mangelnde Unterstützung durch die Bundesregierung sorgt für Bitterkeit. Mancher hat sich in die innere Emigration zurückgezogen.

Die finanziell unbefriedigende Ausstattung der Deutsche Welle ist eigentlich ein Widerspruch zu den medialen Anforderungen. Das Interesse an Deutschland wächst – insbesondere globaler Entscheider. Die Rolle bei der Bewältigung der Griechenland-Krise oder die Vermittlungsmission im Ukraine-Krieg sind nur zwei Beispiele für die gestiegene außenpolitische Bedeutung der Bundesrepublik. Vor diesem Hintergrund ist Limbourgs Ziel, eine Art deutsches CNN aus der Taufe zu heben, richtig und notwendig. Das rein englischsprachige Informationsprogramm „DW News“ wird bereits am 22. Juni als 24-Stunden-Sender an den Start gehen.

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