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11.01.2016

16:38 Uhr

Der Medien-Kommissar

Die ARD verlässt die Wagenburg

VonHans-Peter Siebenhaar

Die neue ARD-Chefin Karola Wille verspricht, den Unmut der Gebührenzahler nicht weiter zu ignorieren. Doch ohne eine tiefgehende Reform der Rundfunkfinanzierung werden die Anstalten weiter isoliert bleiben.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

An Skandalen hat es beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) in den vergangenen Jahren nicht gemangelt. Udo Foht, ehemaliger allmächtiger Unterhaltungschef MDR, musste wegen undurchsichtiger Finanzgeschäfte vor Jahren gehen. Der Millionenbetrug um den in Erfurt ansässigen Kinderkanal erschütterte das Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk weiter, genauso wie die Bewährungsstrafe wegen Bestechlichkeit für den früheren MDR-Sportchef Wilfried Mohren. Intendantin Karola Wille hatte in der auf dem Gelände eines ehemaligen Schlachthofs angesiedelten Rundfunkanstalt in Leipzig in den vergangenen Jahren ordentlich aufgeräumt. Ihre Arbeit wurde dabei vom tragischen Selbstmord ihres Vorgängers Udo Reiter überschattet. Der langjährige MDR-Intendant hatte sich 2014 selbst erschossen.

Zu Jahresbeginn hat die ehrgeizige Juristin nun den ARD-Vorsitz übernommen. Wille tritt ein schweres Amt an. Denn unter ihren Vorgänger, NDR-Intendant Lutz Marmor, ist das Gebührenfernsehen in die schwerste Krise seiner Geschichte geschlittert. Durch die Einführung der Haushaltsabgabe ist zu einer tiefen Entfremdung zwischen den Rundfunkanstalten und den Bürger gekommen. Reformen für mehr Effizienz wurden verschleppt oder gar nicht erst angegangen.

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Beim NDR muss sich der Programmdirektor wegen eines umstrittenen Krimis vor der Redaktion von ARD aktuell rechtfertigen. Derweil will sich die Programmzeitschrift „TV Spielfilm“ von einem Fünftel ihrer Redaktion trennen.

Hinzu kommt, dass vor allem jüngere Zuschauer immer weniger bereit sind, ein Rundfunksystem zu finanzieren, dass sie nicht konsumieren. Der Generationenabriss ist längst eine bittere Tatsache. Schon heute beträgt das Durchschnittsalter der Zuschauer beim Ersten und in den Dritten Programme 60 Jahre und älter.

Karola Wille hat also bei der ARD einen Berg von Arbeit vor sich. Es naiv zu glauben, dass innerhalb des zweijährigen ARD-Vorsitzes der kommunikationsstarken MDR-Chefin tatsächlich die meisten Probleme gelöst werden könnten. Doch zumindest unternimmt Wille erstmals den ernsthaften Versuch, den völlig abgerissenen Dialog mit den Gebührenzahlern wieder aufzunehmen. Sie hat erkannt, dass in Teilen der bundesrepublikanischen Gesellschaft die Legitimation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Im Gegenteil, die Anstalten haben sich durch Arroganz und Selbstgerechtigkeit viel Unmut und häufig auch Ablehnung zugezogen.
Wille zieht aus der Legitimationskrise von ARD und ZDF nun die richtigen Schlussfolgerungen. Das ehrt sei. Die 56-Jährige will dieser Tatsache „stellen, sich damit auseinandersetzen und aufklären“. Dazu gehört der „nachhaltige, kontinuierliche und wahrhafte Dialog mit den Beitragszahlern“, sagt die neue ARD-Chefin. So klar und deutlich hat es vor Wille noch kein einziger ARD-Vorsitzender ausgesprochen. Sie verspricht „umfassende Transparenz in wirtschaftlichen und journalistischen Handeln und eine Fehlerkultur, die von Offenheit und Kritikfähigkeit gegenüber den Beitragszahler bestimmt ist.“

Kommentare (16)

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Herr Tom Schmidt

11.01.2016, 16:59 Uhr

Das einzige was bei der ARD was taugt ist die Tagesschau und die Spartenkanäle. damit erfüllt sie meineserachtens den Verfassungsauftrag. Den Rest kann man getrost einstellen. Und übrigens: Die Verfassung kennt kein Verfallsdatum, darum müsste man die Inhalte im Netz lassen und nicht nach 2 Wochen streichen!

Den ganzen anderen Trash a la Lindenstrasse kann von mir aus auch RTL II bringen!

Frau Wendy Lator

11.01.2016, 17:19 Uhr

Herr Tom Schmidt, was bitte schön soll denn Ihr sogenannter "Verfassungsauftrag" sein? Wenn überhaupt dann haben die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten einen Bildungsauftrag. Und selbst Dieser hat in der heutigen Zeit keinerlei Bedeutung mehr.
Egal, von jemandem, der die Tagesschau dermaßen positiv darstellt wie Sie es tun, kann man wohl auch nicht Anderes erwarten.

Herr Franz Paul

11.01.2016, 17:23 Uhr

GEZ-Fernsehen einfach abschalten. Braucht niemand mehr, diese Lügenpropaganda.

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