Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.07.2015

14:13 Uhr

Der Medien-Kommissar

Döpfners Wolkenkuckucksheim

VonHans-Peter Siebenhaar

Eine Übernahme von Pro Sieben Sat 1 durch den „Bild“-Konzern Springer bleibt chancenlos. Doch wenn bei den Geheimgesprächen eine tiefere Kooperation herauskommt, wäre das bereits ein großer Fortschritt.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Ohne Glanz werden die Halbjahreszahlen von Axel Springer am 4. August ausfallen, die der seit zwölf Jahren amtierende Vorstandschef Mathias Döpfner präsentieren wird. Doch der 52-jährige Konzernlenker hat diesmal Glück. Das durchwachsene Zahlenwerk wird an diesem Tag ohnehin nicht im Mittelpunkt stehen. Die geplante Übernahme oder Fusion zwischen dem „Bild“-Konzern und Pro Sieben Sat 1 zieht die gesamte Aufmerksamkeit auf sich.

Das ist kein Wunder, denn bei einem Zusammengehen der beiden Unternehmen würde ein börsennotierter entstehen – derzeit beträgt die Marktkapitalisierung bei Axel Springer fünf Milliarden Euro und bei Pro Sieben Sat 1 stolze 10,5 Milliarden.

Nur wenige Stunden nach der Präsentation der Springer-Halbjahreszahlen lüftet sich bei den vom gelernten Musikwissenschaftler Döpfner so verehrten Bayreuther Festspielen der Vorhang für „Lohengrin“. Gemeinsam singen in der romantischen Oper von Richard Oper dann Elsa und Lohengrin „Das süße Lied verhallt“. Das Duett der beiden Protagonisten auf der Bühne ist gleichsam die Metapher für Pläne des bekennenden Wagnerianers Döpfner, einen Medienkonzern auf Dax-Niveau zu schmieden.

Denn die durch eine Indiskretion in der Finanzbranche bekannt gewordenen Gespräche mit Döpfner und Pro-Sieben-Sat-1-Chef Thomas Ebeling klingen wie ein süßes Lied, das die Phantasie in der Medienbranche beflügelt. Doch bei genauerem Besehen wird klar, eine Übernahme der Unterföhringer Sender- und Internetgruppe durch den „Bild“-Konzern ist derzeit chancenlos.

Die Bedingung, dass Friede Springer ihre Kontrollmehrheit von 57 Prozent bei Axel Springer nicht abgeben will, macht eine Verschmelzung der beiden Unternehmen zu einem unmöglichen Unterfangen. Wieso sollte ein Aktionär von Pro Sieben Sat 1 diese Conditio sine qua non, künftig nur noch auf den Beifahrersitz bei der Konzernsteuerung zu sitzen, akzeptieren?

Mit der breiten Streuung der Aktien ohne einen großen Ankerinvestor haben die Aktionäre bislang sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Aktie der Sendergruppe bewegt sich derzeit nahe dem Höchststand seit dem Börsengang von 1997. Mit seinen Halbjahreszahlen, die der einstige Novartis-Manager Ebeling am 30. Juli präsentiert, wird der Fernseh- und Internetkonzern abermals einen Beweis vorlegen, wie exzellent die Geschäfte mit linearem Fernsehen und digitalen Töchtern laufen. Aus der Sicht von Pro Sieben Sat 1 gibt es daher kein schlagendes Motiv, sich Springer an den Hals zu werfen – schon gar nicht als Juniorpartner.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×