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20.10.2014

14:43 Uhr

Der Medien-Kommissar

Echternacher Springprozession von ARD und ZDF

VonHans-Peter Siebenhaar

Die Öffentlich-Rechtlichen dürfen für viel Geld einen Jugendsender im Internet starten, der schlichtweg überflüssig ist. Der neue Kanal soll jetzt doch noch kommen, obwohl ihn niemand so recht braucht.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Die Echternacher Springprozession, bei der früher drei Schritte und zwei zurück gesprungen wurden, dient offenbar ARD und ZDF als Vorlage für ihre Digitalstrategie. Die Rundfunkanstalten geben zwei digitale Fernsehkanäle auf, die jahrelang quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit gesendet haben. Im Gegenzug dürfen ARD und ZDF künftig  45 Millionen Euro jährlich für einen Jugendsender im Internet ausgeben, nach dem sich keiner sehnt – am aller wenigsten die Jungen.

Viele Millionen Euro an Gebührengeldern haben die Intendanten mit Eins Plus und ZDF Kultur  in den vergangenen Jahren verbrannt, die nun abgeschaltet werden. Von den Intendanten kam kein Wort des Bedauerns über diese jahrelange Art des Geldverbrennens. Der Gebührenzahler wird das Angebot hingegen nicht vermissen. Die Zuschauerquoten im Promillebereich der beiden Kanäle sprechen Bände.

Die Entscheidung für den digitalen Jugendkanal demonstriert, wie miserabel es um die Rundfunkpolitik der Länder bestellt ist. Denn schon jetzt ist das mediale Angebot auf Youtube und andere Videoplattformen so groß, dass ein Jugendsender im Internet für die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen schlichtweg überflüssig ist.

Statt sich zu echten Reformen wie der Einstellung sinnloser Zusatzangebote in Fernsehen und Internet durchzudringen, erzielten die Länderchefs mal wieder ein faulen Kompromiss, dessen Zeche der Rundfunkgebührenzahler begleichen muss. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer als Chefin der Rundfunkkommission der Länder hat zusammen mit ihren Länderkollegen bewiesen, dass sie nicht in der Lage ist, zu den nimmersatten Intendanten von ARD und ZDF Nein zu sagen.

Für die Rundfunkanstalten hingegen ist der faule Kompromiss ein Sieg. Für ihre Expansion im Internet erhalten sie von den Ländern einen erneuten Freibrief. Während private Internetangebote um das Erreichen der Gewinnzone kämpfen, dürfen die Öffentlich-Rechtlichen die unglaubliche Summe von 45 Millionen Euro jährlich für ein Projekt ausgeben, das niemand wirklich braucht.

Dem fairen Wettbewerb im Medienmarkt schadet der neue Jugendkanal auf PC, Tablet und Smartphone ganz erheblich. Wenn das neue Angebot mit den entsprechenden Fernseh- und Radiosendern der ARD verknüpft sind, entsteht ein finanzielles Schwergewicht im Markt, dem die privaten Radiounternehmen nur wenig entgegen setzen können.

Die Politik ist bei ihrer Entscheidung für einen Jugendkanal im Netz dabei nicht so uneigennützig wie sie tut. Die Parteien werden den Jugendkanal im Internet für ihre Zwecke nutzen zu wissen. Sie haben es immer schwerer Wählergruppen unter 29 Jahre zu erreichen. Da kommt das neue von den Parteien kontrollierte Angebot im Netz wie gerufen.

Sowohl die Ministerpräsidenten als auch die Granden von ARD und ZDF sind dem  Bürger, der mit seinen Zwangsgebühren die umstrittene Projekt eines Jugendsenders im Internet finanziert, Rechenschaft schuldig, ob sein Geld auch wirklich sinnvoll ausgegeben wird. Es steht in den Sternen, ob der digitale Jugendkanal eine wirkliche Akzeptanz findet. Sollte er wie Eins Plus und ZDF Kultur zum digitalen Rohrkrepierer entwickeln, dann muss er auch von der Politik ersatzlos wieder gestrichen werden.

Immer montags schreibt Handelsblatt-Korrespondent und Buchautor Hans-Peter Siebenhaar seine Sicht auf die Kommunikationswelt auf.

Kommentare (2)

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Herr Tom Schmidt

20.10.2014, 15:28 Uhr

Die öffentlich-rechtlichen Spartenkanäle waren die einzigen, für die überhaupt Gebühren gerechtfertigt sind/waren!

Zwangsgebühren für eine etwas aufpolierte Version des deutschen Trash-TVs sind gar nicht gerechtfertigt!

Die Öffentlich-rechtlichen sollen sich um ihren Verfassungsauftrag kümmern, das würde reichen und wär sehr viel billiger. Diese Inhalte Verfassungsauftrag könnte man dann auch im Internet langfristig abrufen (die Verfassung hat schliesslich kein Verfallsdatum von 1 Woche, so wie die Mediathek!!!)

Und alles drum rum, Fußball, Promi-Magazine usw. ersatzlos streichen!!!

Herr Theo Gantenbein

20.10.2014, 15:57 Uhr

Und das alles von den abgepressten Zwangsgebühren.

Aber keine Partei und kein Politiker traut sich etwas gegen die Öffentlich-Unrechtlichen zu unternehmen, weil man dann sofort von diesen medial exekutiert wird.

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