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08.09.2014

14:45 Uhr

Der Medien-Kommissar

Ein Buch wie Wiener Schnitzel

VonHans-Peter Siebenhaar

„Bild“-Chef Kai Diekmann ging ein Jahr nach Kalifornien – seine Gattin Katja Kessler begleitete ihn in den „Silicon Wahnsinn“. Ihr gleichnamiges Buch ist ein Reisebericht und zugleich ein Plädoyer gegen Bequemlichkeit.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Um es gleich vorweg zu nehmen, es gibt Bücher, die sind wie Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat. Wie man mal begonnen hat, kann man nicht mehr aufhören – auch wenn es eigentlich viel zu viel ist. Das neueste Buch von Katja Kessler, der selbstbewussten Gattin des „Bild“-Chefchefs Kai Diekmann, ist so ein Fall. Den Tagebuch-Report (Katja Kessler, „Silicon Wahnsinn: Wie ich mal mit Schatzi nach Kalifornien auswanderte“, Verlag Marion von Schröder, 14.99 Euro) über das gemeinsame und doch getrennte Jahr in Palo Alto, dem Silicon-Mekka unweit von San Francisco, verzehrt man mit großem Appetit – trotz der Opulenz von 442 Seiten.

Um noch gleich etwas Weiteres vorweg zu nehmen, Kai Diekmann wird in diesem Buch von seiner Gattin, einer früheren „Bild“-Autorin, nicht geschont. Der Chef von Europas größter Zeitung, der von seinem Arbeitgeber Axel Springer 2012/2013 für ein Jahr ins Silicon Valley geschickt wurde, wird von Katja Kessler nicht als Medientitan, sondern als Vater von vier kleinen Kindern mit vielen Ecken und Kanten inszeniert.

Kai Diekmann verfiel nämlich nach längerem Zögern nämlich auf die nicht ganz alltägliche Idee, zwar seine Familie ins Valley der Apples, Facebooks, Googles und Twitters mitzunehmen. Doch während der Woche war das private Familienquintett tabu. Katja Kessler schlug sich mit ihren vier schulpflichtigen Kindern allein durch die nicht immer ganz einfachen Tücken des amerikanischen Alltags, während der Gatte in der Springer-Villa in Palo Alto mit Springer-Kollegen über die digitale Zukunft der globalen Medienindustrie sinnierte.

Als ich mit Kai Diekmann im Frühsommer vergangenen Jahres einen knappen Tag in seiner US-Wahlheimat verbrachte, sprachen wir viel über seine digitale Zeitreise. In seiner Villa in Palo Alto, die er damals mit Christoph Keese bewohnte, herrschte ein Kommen und Gehen. Junge Internetunternehmer, Studenten aus der nahe Standford-Universität und Geschäftspartner gab sich die Türklinke in die Hand. Diekmann residierte dort, wo die Größen des Internets wohnen. Larry Page, Gründer von Google, lebt n der Nähe, Steve Jobs hatte hier seine Heimat.

Diekmann mit Bart, T-Shirt und Hoodie inszenierte sich als Twitter-König. Und tippte und tippte auf sein Smartphone. „Die Bereitschaft hier im Valley, sich gegenseitig zu helfen, zu teilen und ganz offen über alle Ideen zu reden, die ist so ausgeprägt, wie ich es nie zuvor erlebt habe“, schwärmte er mir vor.

Nicht allzu weit von der Springer-Villa entfernt schlug sich die professionelle Strohwitwe mit Anhang mutterseelenallein durch den durchaus bürokratischen Dschungel in Kalifornien. Statt auf die Hilfe Fremder zu vertrauen, warf sich Katja Kessler in das unerwartete Abenteuer. Palo Alto statt Potsdam, hieß die Devise der Familie Kessler-Diekmann für ein Jahr. Egal ob die Immobiliensuche, der Erwerb eines US-Führerschein, die Einschulung der Kinder – alles gleicht einem Abenteuer mit überraschenden Lösungen.

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