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06.06.2016

18:02 Uhr

Der Medien-Kommissar

Eine Goldgrube namens Content Marketing

VonHans-Peter Siebenhaar

Die neue Vermarktungsform, die das Produkt zum Werbeinhalt macht, erlebt einen steilen Aufwärtstrend. Davon profitieren nicht nur Agenturen, sondern auch Verlagskonzerne wie Burda und Gruner + Jahr.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Wenn Lukas Kircher über Content Marketing spricht, kommt er ins Schwärmen. Denn der Geschäftsführer und Gesellschafter der Berliner Agentur C3 mit sechs weiteren Dependancen zwischen Zürich und London, kann sich in diesen Monaten über eine Auftragsflut freuen. Content Marketing stellt das Produkt eines Markenartiklers in den Mittelpunkt in einer Geschichte auf dem Smartphone, in Print oder TV. Kircher spricht vom besten Frühjahr aller Zeiten. Um rund ein Fünftel hat der Umsatz von C 3 in diesem Zeitraum zugelegt.

Die euphorischen Zeiten bei C3 sind keine Ausnahme, sie bestätigen einen Trend. Denn der Bedarf an Inhalten, mit denen man auf analogen und digitalen Kanälen werben kann, wächst. Damit sollen die Kunden per Facebook, Twitter, Youtube oder der eigenen Websites erreicht werden. Content Marketing entwickelt sich immer stärker zu einer Goldgruppe für die Kreativwirtschaft. Nach einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Studie des Internetkonzerns Yahoo werden sich die Ausgaben für Content Marketing bis zum Jahr 2020 nahezu verdoppeln. In Europa sollen sie innerhalb von vier Jahren bei 2,12 Milliarden Euro liegen. Zum Vergleich: 2014 waren es noch 740 Millionen Euro.

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Der Österreicher Kircher und sein Partner Rainer Burkhardt gehören zu den Ersten, die die fundamentale Änderung in der digitalen Medien- und Werbewelt erkannt haben. Anfang 2015 fusionierte ihre Agentur Kircher-Burkhardt mit dem Konkurrenten Burda Creative zur neuen Agentur C3. Seitdem führen Kircher sowie Rainer Burkhardt mit dem Burda-Manager Gregor Vogelsang die Geschäfte.

Das schnelle Wachstum des Marktes lockt auch andere Verlagshäuser. Vor wenigen Wochen erst gründete die Bertelsmann-Tochter Gruner+Jahr mit Territory einen eigenen Player, der einen Jahresumsatz von 130 Millionen Euro anpeilt. Auch Kommunikationsagenturen wie Fischer-Appelt und Ogilvy schürfen in der neuen Goldgrube namens Content Marketing. Ogilvy, Tochter des britischen Werberiesens WPP, hatte vor kurzem sogar ein eigenes Content-Labor für den französischen Konzern L'Oréal aufgebaut.

Dem Wachstum dieser Werbeform liegt eine Disruption in der digitalen Kommunikationswelt zugrunde. Heutzutage wollen sich Kunden nicht nur mit Reklame bombardieren lassen. Rein werbliche Unternehmensbotschaften verfehlen daher häufig ihre Wirkung. Es sind Botschaften gefragt, die Kunden tatsächlich konsumieren wollen – egal ob digital, gedruckt oder gesendet. Fesselnde und kreative Inhalte werden künftig noch viel stärker über Aufstieg und Fall einer Marke entscheiden. Allein C3 versendet nach eigenen Angaben 10.000 Inhalte pro Woche über ein eigenes Redaktionssystem auf der Basis von Adobe.

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