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21.07.2014

13:39 Uhr

Der Medien-Kommissar

Einer gegen alle

VonHans-Peter Siebenhaar

Christian Wulff sieht sich als Opfer des medialen „Meinungskartells“. Der ehemalige Bundespräsident erfindet eine absurde Dolchstoßlegende und beweist damit, dass er das falsche Staatsoberhaupt war.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Christian Wulff hat richtige Dinge gesagt. Seine Position, dass der Islam längst zu Deutschland gehöre, seine Kritik an der katholischen Kirche und der Finanzwirtschaft waren richtig. Millionen von Bürgern sprach der damalige Bundespräsident aus dem Herzen. Doch dass er sich nach seinem Rücktritt zum Opfer einer Medienkampagne stilisiert, ist falsch und für die Meinungsfreiheit gefährlich.

Wulff rechnet ab. Für den Verlust seines Amtes vor zweieinhalb Jahren macht er in einem spannend-kontroversen „Spiegel“-Interview neben der Justiz und Politik „eine Art Meinungskartell“ verantwortlich. Einer gegen alle.

„Ich war einigen mächtigen Medienschaffenden zu unbequem geworden“, sagte Wulff. Damit stilisiert sich das Ex-Staatsoberhaupt zum medialen Opfer. Wulff erfindet eine persönliche „Dolchstoßlegende“, die in der Geschichte der Bundesrepublik seinesgleichen sucht.

Mit seiner absurden Haltung demaskiert er sich selbst und demonstriert, dass er tatsächlich der falsche Bundespräsident war. Der Egozentrismus, der hinter den neuen Aussagen hervorlugt, entlarvt Wulff als einen, der den Bezug zur Wirklichkeit offenbar verloren hat. Glaubt er denn ernsthaft, dass es ein mediales Kartell aus „Spiegel“, „Bild“ und anderen gibt, das ein Staatsoberhaupt aus dem Dienst entfernen möchte, weil es Kritik an Kirche oder Banken übt?

Wulff ist an sich selber gescheitert. „Ich war eine Provokation“, sagte der heute 55-Jährige. Da mag stimmen. Aber nicht in dem Sinne, wie er es versteht. Auch nach dem Freispruch bleiben viele Fehltritte, Peinlichkeiten und Ärgernisse in Erinnerung: sein Aufenthalt im palastartigen Anwesen des Finanzunternehmers Carsten Maschmeyer auf der spanischen Ferieninsel Mallorca, die zweifelhafte Finanzierung seines Haus in Großburgwedel, sein seltsames Verhältnis zum Filmfinanzier und -produzenten David Groenewold.

Groenewold war aus Eigennutz einer der größten Fans von Wulff. Bei einem Treffen im Berliner Restaurant „Borchardt“ schwärmte er mir vor, wie gut sich Wulff für seine unternehmerische Interessen einsetzen lässt. Damals war Wulff noch niedersächsischer Landesvater. Der ehemalige CDU-Politiker und spätere Bundespräsident hat eben nie begriffen, dass professionelle Distanz eine Grundvoraussetzung für einen angesehenen Politiker ist.

Kommentare (2)

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Herr peter Spirat

21.07.2014, 15:03 Uhr

Glaubt er denn ernsthaft, dass es ein mediales Kartell aus „Spiegel“, „Bild“ und anderen gibt, das ein Staatsoberhaupt aus dem Dienst entfernen möchte, weil es Kritik an Kirche oder Banken übt?
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Ja, genau das war der Fall. wie auch herr Köhler aus dem selben Grund gegangen ist, beovr sich die Meute der "Freien Presse" über ihn hermacht.

Liebes HB, mit artikeln dieser Art verscheuchen sie auch noch den öletzten Leser ihrer Print-Medien. Ich jedenfalls werde mich in Zukunft verstärkt in den Internet-Medien informieren.

Danke für diesen aufschlussreichen Artikel, denn nun ist echt klar, warum auch ihnne die Leser in Scharen davonlaufen.

Herr Walter Schwede

21.07.2014, 16:00 Uhr

Wer die Meldungen in Bezug auf die sogenannte "Korruptionsaffäre" verfolgt hatte, konnte erkennen, wie Herr Wulff systematisch diskreditiert wurde.
Einen Zusammenhang zwischen seiner Lindauer Rede inkl. Bankenkritik und der bevorstehenden Unterzeichnung des ESM
war unübersehbar.
Das Medienkartell existiert (oder man macht erst fertig und recherchiert dann).
Beides ist kein Ruhmesblatt !

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