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07.04.2015

07:09 Uhr

Der Medien-Kommissar

Entschleunigtes Fernsehen

VonHans-Peter Siebenhaar

Ein Nischensender der ARD stellt das Fernsehen auf den Kopf. Mit Slow TV kann der Zuschauer endlich nur zuschauen – unzensiert und undramatisch. Ein Faszinosum.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Kein Bildschnitt, keine Musik, kein Dialog. Das experimentelle Fernsehformat „Mora - Gib Dir Echtzeit“ von ARD-Alpha ist irritierend. Es wirft sämtliche Regeln der Fernsehkunst über Bord. Eine Stunde lang sind Menschen bei ihrer mit Leidenschaft ausgeübten Arbeit zu sehen. Es geht zu einem Uhrmacher in München, einem Trockenmaurer im mainfränkischen Klingenberg oder einer Cello-Bauerin in der Augsburger Altstadt – sozusagen als visuelle Tiefenentspannung

Das Format, das zur besten Sendezeit von dem Nischensender der ARD unter der Ägide des Bayerischen Rundfunks (BR) ausgestrahlt wurde, ist sozusagen die Entschleunigung des Fernsehens. Bilder ohne nervigen Moderator, dramatische Musik und hektische Bilderfolge. Die 60 Minuten, in denen die minutiöse Arbeit eines Uhrmachers mit seinen wenigen Millimeter großen Rädchen und Schrauben betrachtet werden kann, ist eine Prüfung der eigenen Sehgewohnheit.

Nach den ersten Minuten erwartet der Zuschauer quasi zwangsläufig, dass etwas passiert. Er wird enttäuscht. Zu sehen ist nur das Zusammenfügen einer mechanischen Uhr - in seiner logischen Abfolge. Nur auf den ersten Blick ist dieses Abfilmen langweilig. Auf den zweiten Blick eröffnet sich ein Faszinosum. Denn „Mora“ (lateinisch für Aufenthalt oder Aufschub) regt durch seine Langsamkeit an, in Echtzeit über die Relativität der Zeit und die eigene Mediennutzung nachzudenken.

Entgegen landläufiger Vorurteile ist ein solches Sendeformat nicht mit einer Webcam oder gar einem Youtube-Video gleichzusetzen. Das Echtzeitfernsehen ohne dramaturgischen Firlefanz arbeitet mit einem Splitscreen, der aus zwei- oder vierteiligen Perspektiven die exakte Beobachtung des Handwerkes zulässt. Durch die exzellente Bildauflösung kann der Zuschauer jedes Detail der Millimeterarbeit eines Uhrmachers verfolgen – eben keine Wackelbilder mit Grauschleier aus dem Internet.

Kommentare (1)

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Herr René Ketterer Kleinsteuber

07.04.2015, 09:15 Uhr

Wer braucht das? Sind diesen Damen und Herren die Ideen ausgegangen oder versuchen, neue Formate zu erfinden, um die Mehreinnahmen durch den Zwangsbeitrag zu verpulvern? Wann hört diese Selbstbedienung am eigenen Volk auf? Ich brauche weder TV noch Radio, werde aber genötigt, die finanziellen Auswüchse des außer Kontrolle geratenen öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu finanzieren!

Solidaritätsprinzip – Demokratieabgabe – Grundversorgung

Marietta Slomka verdient als Moderatorin beim ZDF jährlich 280.000 €. – Wer kann mir das bitteschön erklären?

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