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01.02.2016

17:04 Uhr

Der Medien-Kommissar

Fernsehen ohne Grenzen für Flüchtlinge

VonHans-Peter Siebenhaar

Die Deutsche Welle sendet auf Arabisch – jetzt auch in Deutschland. Ein Satellitenkonzern verbreitet das Programm kostenlos. Doch manchen Politikern ist das Info-Angebot für Flüchtlinge zum Nulltarif ein Dorn im Auge.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Endloses Warten. Tag für Tag sitzen Hunderttausende der zumeist arabisch sprechenden Flüchtlinge vor den Fernsehern. In den Unterkünften in Deutschland, Österreich und der Schweiz laufen meist irgendwelche Satellitenkanäle aus dem Mittleren Osten mit klarer politischer und religiöser Ideologie. Seit Mitte Dezember gibt es für die Migranten eine Alternative: Denn die Deutsche Welle strahlt ihr arabischsprachiges Fernsehprogramm „DW Arabia“ erstmals auch in Mitteleuropa aus.

Damit haben Flüchtlinge erstmals eine seriöse TV-Alternative, um unabhängige Informationen über Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur in ihrer neuen Wahlheimat in ihrer Muttersprache zu erhalten. Möglich ist dieses Angebot durch die Großzügigkeit des Satellitenunternehmens SES. Denn der börsennotierte Konzern aus Luxemburg stellt der Deutschen Welle seinen Astra-Satelliten für die Ausstrahlung des arabischsprachigen Programms für ein Jahr gratis zur Verfügung.

Die Zusammenarbeit ist ein Glücksfall für die Migranten. Denn die in Europa angekommenen Flüchtlinge gieren nach Informationen und Orientierung. Dass ausgerechnet der deutsche Staatsrundfunk so schnell eine TV-Alternative bieten kann, ist ungemein wichtig bei der Lösung der derzeit größten politischen Herausforderung, der Deutschland und seine Nachbarländer gegenüber stehen.

Umso erstaunlicher ist es, dass gerade manche Politiker und Juristen der zeitweisen Verbreitung von „DW Arabia“ ablehnend gegenüber stehen. Die Kritiker äußern vor allem verfassungsrechtliche Bedenken, dass ausgerechnet der Auslandsrundfunk des Bundes auch im eigenen Land sein Programm verbreitet.

Doch in diesen außergewöhnlichen Zeiten sind außergewöhnliche Maßnahmen notwendig, um mit der Herausforderung von bislang mehr als einer Million Flüchtlinge allein in Deutschland fertig zu werden. Werte wie Demokratie, Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung und Toleranz können nicht nur in irgendwelchen Schnellkursen vermittelt werden. Das reicht niemals aus. Darum spielt das arabischsprachige Programm der Deutschen Welle in Mitteleuropa, das abschätzig Flüchtlings-TV genannt wird, eine so wichtige Rolle.

Die Informations- und Meinungsführerschaft nur arabischen Sendern zu überlassen, wäre ein großer medienpolitischer Fehler. Bizarr im Streit um „DW Arabia“ ist insbesondere die Kritik der Grünen.

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