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14.11.2016

18:06 Uhr

Der Medien-Kommissar

Hochamt der ARD

VonHans-Peter Siebenhaar

Mit dem „Tatort“ hat das Erste ein länderübergreifendes Format geschaffen, das ein Aushängeschild des Qualitätsfernsehens und ein Botschafter Deutschlands ist. Eine Gratulation zur 1000. Krimi-Folge.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Die Kinosessel im Wiener Top-Kino reichten nicht aus, um allen „Tatort“-Fans einen Sitzplatz anzubieten. Doch das störte hartgesottene Aficionados der ARD-Krimiserie nicht. Sie setzen sich einfach auf den abgewetzten Boden des nostalgischen Filmtheaters. Die Deutsche Botschaft in der österreichischen Hauptstadt hatte zum 1000. „Tatort“ geladen.

Vor der Jubiläumssendung gab es sogar eine kluge Fachdiskussion zu der am längsten laufenden Krimiserie im deutschen Fernsehen. Mit dabei war Alexander Vedernjak, der langjährige Chefdramaturg des ORF, der 36 Folgen des Wiener „Tatorts“ mitentwickelte.

Im Vorfeld des TV-Events auf Steuerzahlerkosten hatte mancher der deutschen Community in der österreichischen Hauptstadt die Nase gerümpft, weshalb ausgerechnet die diplomatische Vertretung der Bundesrepublik zu einem Public Viewing einer ARD-Unterhaltungssendung einlädt. Doch die Diplomaten hatten genau richtig gehandelt.

Denn der Krimi der ARD am Sonntag ist längst zu einem Botschafter Deutschlands im Ausland mutiert. Der „Tatort“ spiegelt die ganze gesellschaftliche Vielfalt zwischen Kiel und Nürnberg, Dortmund und Ludwigshafen wider. Die Bilder, die Sprache und die Kommunikation des unterhaltsamen und meist spannenden Kampfes zwischen Gut und Böse prägen seit Jahrzehnten das Image von deutschen Städten und Regionen. Der legendäre „Tatort“ aus dem Ruhrpott mit dem viel zu früh verstorbenen Götz George alias Kommissar Schimanski ist dafür ein Musterbeispiel.

In der digitalen Medienwelt, in der sich der Fernsehkonsum dramatisch verändert, ist der „Tatort“ das letzte Lagerfeuer des deutschsprachigen Fernsehens. Schließlich versammelt der ARD-Krimi die Fernsehgemeinde in drei Ländern – in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz. In Zeiten von Youtube, Netflix und Amazon Prime kommt der „Tatort“ noch immer auf stolze Zuschauerquoten jenseits der 30 Prozent. In Zeiten von immer mehr Sendern im mittlerweile dreistelligen Bereich ist das ein stolzer Beweis, wie hoch der Krimi in der Publikumskunst steht.

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