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19.01.2015

09:44 Uhr

Der Medien-Kommissar

Hollywood à la Amazon

VonHans-Peter Siebenhaar

Amazon will den TV-Sendern Konkurrenz machen. Der Internethändler heuert Kultregisseur Woody Allen an, um seine Online-Videothek zu promoten. Doch die Konkurrenz schläft nicht – gerade die öffentlich-rechtliche.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Wenn ein verdienter Filmemacher auf die 80 Jahre zugeht, dann wird er in Hollywood mit Preisen, Lobpreisungen und Heucheleien überhäuft und damit elegant aufs Altenteil geschoben. Wenn es aber um lukrative Filmaufträge geht, guckt der hoch dekorierte Künstler freilich in die Röhre. Im Fall von Woody Allen, derzeit noch 79 Jahre alt, ist das nun völlig anders. Amazon-Gründer Jeff Bezos heuert den verschrobenen Film-Methusalem für die TV-Produktion an. Der Regisseur soll für das im hippen Santa Monica ansässigen Filmstudio des weltgrößten Internethändlers seine erste Fernsehserie schreiben und drehen.

„Ich weiß nicht, wie da hineingeraten bin“, lassen die PR-Strategen den Starregisseur sagen. „Ich habe keine Ideen, und ich bin nicht sicher, wo ich anfangen soll“, wird Woody Allen in der Pressemitteilung zitiert. Das ist natürlich Blödsinn. Allen weiß als Voll-Profi, auf was er sich da eingelassen hat. Seine  Produktion soll schließlich ein Zugpferd vor allem für die kaufkräftige, intellektuelle Zielgruppe werden.

Eines ist Amazon mit dem Engagement der neurotisch-sympathischen Künstler schon jetzt gelungen – nämlich weltweite Aufmerksamkeit für sein Video-Angebot von Amazon. Denn Woody Allens TV-Werk wird nur und exklusiv im Filmabrufportal des Online-Händlers zu sehen sein. Amazon bietet seit rund einem halben Jahr an, Serien, Kinofilme und Fernsehshows über seine Box Amazon Fire TV abzurufen. 

Sowohl Netflix-Gründer Reed Hastings als auch Jeff Bezos glauben an einer Marginalisierung des herkömmlichen klassischen Fernsehens. In einer digitalen Welt wünscht der Kunde Inhalte jederzeit und überall. Das ist quasi common sense in der Film- und Fernsehbranche.

Wie lange das dauern wird, ist freilich völlig offen. Vor diesem Hintergrund sind die Video-on-Demand-Angebote von so großer strategischer Bedeutung für Amazon und die Branche. Gerade die jüngeren Zielgruppen lassen sich schon längst nicht mehr von einem Programmdirektor vor vorschreiben, wann eine Sendung im Programm läuft.

Doch einfach wird der Markt in den deutschsprachigen Ländern für Amazon, Netflix & Co. nicht. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist in Deutschland, Österreich und in der Schweiz mit seinen Mediatheken stark. Es überlässt den Amerikanern keineswegs kampflos das Feld. Im Gegenteil, viele Rundfunkanstalten treiben ihre Filmabrufportale mit großem Eifer voran.

Beispielsweise erweist sich die Videoplattform des ORF, die vor rund fünf Jahren bescheiden in Wien startete, mittlerweile als eine Erfolgsgeschichte ab. Mit 200 als Video-on-Demand angebotene Sendungen sowie mehr als 200 Live-Streams und den kulturellen sowie historischen Videoarchiv ist die ORF-TVthek der unbestrittene Marktführer in der Alpenrepublik. Rund eine Millionen Menschen nutzen die Videoplattform des ORF – in einem Land mit nur 8,5 Millionen Einwohnern!

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