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26.02.2017

15:42 Uhr

Der Medien-Kommissar

Hollywood gegen Trump

VonHans-Peter Siebenhaar

Mit der Oscar-Verleihung zeigen die Hollywood-Stars dem US-Präsidenten Donald Trump ihre tiefe Verachtung. Der mächtigste Mann der Welt unterschätzt den Einfluss der Filmindustrie in den USA gehörig.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Donald Trump hatte bei der Oscar-Verleihung noch einmal Glück. Nicht etwa beißender Spott über den US-Präsidenten bleibt bei der Vergabe des weltweit begehrtesten Filmpreises in Erinnerung, sondern die peinliche Panne der beiden Schauspiellegenden Warren Beatty und Faye Dunaway. Die Hollywood-Veteranen hatten das Kuvert mit den richtigen Gewinnern verwechselt. Eine Petitesse in der ansonsten langweiligen und mit dreieinhalb Stunden auch viel zu langen Show, über die sich die US-Medien nicht einkriegen konnten.

Dennoch ging eine eindeutige Botschaft von der Oscar-Verleihung an die Adresse des xenophoben Manns im Weißen Haus aus. Hollywood wendet sich gegen Rassismus und Intoleranz. Ausgerechnet der sozialkritische Streifen „Moonlight“, dessen Protagonist ein homosexueller Schwarzer ist, erhielt die begehrte Auszeichnung für den besten Film – und nicht der unpolitische Nostalgiestreifen „La La Land“. Der Diskriminierungsvorwurf im vergangenen Jahr – vorgetragen von vielen schwarzen Schauspielern – kann für die Oscar-Verleihung in diesem Jahr nicht gelten. Denn in der neuen Ära Trump kamen die Afroamerikaner mit weiteren Oscars nicht zu kurz. Hinzu kommt: Der Oscar für den besten ausländischen Film ging an den Iraner Asghar Farhadi. Der 44-jährige Regisseur von „The Salesmann“ weigerte sich aus Protest gegen Trumps Einreiseverbot für Muslime nach Los Angeles zu fliegen.

Die Oscar-Nacht: Riesenpanne auf der Bühne und dann der Knaller

Die Oscar-Nacht

Riesenpanne auf der Bühne und dann der Knaller

Die 89. Oscar-Verleihung endet mit einer Panne und liefert ein politisches Statement: Nicht das lustige Musical „La La Land“ wird bester Film, sondern das sozialkritische Drama „Moonlight“. Welch eine Überraschung.

Mit der Oscar-Verleihung zeigen die Hollywood-Stars dem Präsidenten in Washington unverhohlen ihre Ablehnung. In der ersten Reihe von Regisseuren, Schauspielern und Filmunternehmern gibt es so gut wie niemanden, der sich nicht gegen Trump wendet. Wie groß die Gemeinschaft der Trump-Gegner in Hollywood ist, hatte bereits vor wenigen Wochen die Verleihung der Golden Globes – nach dem Oscar der zweitwichtigste Filmpreis – deutlich gemacht. Der mutige und emotionale Appell von Meryl Streep sprach nicht nur den Anwesenden in Los Angeles, sondern der ganzen Filmindustrie aus dem Herzen. Trumps anschließende Beschimpfung der weltberühmten Schauspielerin per Twitter waren, wenn man so will, der mediale Ritterschlag für Streep.

Im Gegensatz zum Silicon Valley ist Hollywood nicht auf Geld aus Washington angewiesen. Aufträge staatlicher Behörden sind beispielsweise für das Big-Data-Unternehmen Palantir von großer Bedeutung. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, weshalb der dort engagierte Digitalinvestor Peter Thiel – Mitbegründer und ehemaliger CEO von Palantir, zu einem der größten Förderer von Trump in der Internetbranche gehört? In Hollywood fehlt solch wirtschaftlicher Einfluss.

Bislang hat der Egomane im Weißen Haus vor allem auf die klassischen Nachrichtenmedien von der „New York Times“ über CNN bis hin zu Buzz Feed eingeschossen. Mit einem Verhalten, das bisweilen an die dunklen Jahre des Beton-Kommunismus' erinnert, schreckt Trump auch nicht davor zurück, mit Ausschlüssen einzelner Medien von Pressekonferenzen gegen demokratische Prinzipien zu verstoßen. In Hollywood kann er derartige Waffen nicht einsetzen.

Die Filmmetropole könnte sich als viel gefährlicher entpuppen, als Trump es in seinen ersten Wochen im Amt ahnt. Denn es ist ein offenes Geheimnis in Hollywood, dass die Studios längst Drehbücher erarbeiten lassen, welche sich mit der Caligula-Politik des Weißen Hauses direkt und indirekt auseinandersetzen.

Die kreativen Ergebnisse brauchen freilich noch ein wenig Zeit. Doch wenn sie auf Kinoleinwänden, Fernsehbildschirmen und den Screens der Tablet-PCs gelangen, können sie für das Ansehen und die Macht des Hollywood-Hassers im Weißen Haus gefährlich werden. Das Schlimmste: Am Ende könnte Trump als Witzfigur in die Filmgeschichte eingehen.

Immer montags schreibt Handelsblatt-Korrespondent und Buchautor Hans-Peter Siebenhaar seine Sicht auf die Kommunikationswelt auf.

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